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Ein lauer Februarabend in Rio, 48.739 Zuschauer im Maracanã, und die Sonne war kaum untergegangen, da brannte CF Flamengo ein Feuerwerk ab, das Vasco da Gama lange in Erinnerung bleiben dürfte - und das nicht im positiven Sinne. 3:0 hieß es am Ende, ein Ergebnis, das so klar war, wie es sich auf dem Rasen anfühlte. Dabei hatte Vasco durchaus mutig begonnen. In den ersten Minuten prüften Samuel Henderson und Petri Heikkinen gleich zweimal den Keeper Curt Binder, der aber so sicher stand, als hätte er Sekundenkleber an den Handschuhen. Flamengo brauchte einen Moment, um ins Rollen zu kommen - dann aber kam dieser Moment in der 12. Minute: Pedro Veloso, der flinke Rechtsaußen, nahm einen Pass von Youngster Luís Deco auf, ließ zwei Gegenspieler stehen und drosch den Ball trocken ins Netz. 1:0, und das Stadion vibrierte. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass der Ball schon drin war", grinste Trainer Dino Ma später. "Pedro schießt manchmal so schnell, dass selbst die Zeitlupe zu spät kommt." Vasco, sichtlich beeindruckt, suchte weiter sein Glück über die Flügel, doch was auch kam - Flamengo stand kompakt, das Mittelfeld bissig. Die Gäste hatten zwar neun Torschüsse, aber kaum eine echte Großchance. Und wenn doch mal was gefährlich wurde, war Binder da oder ein gewisser Noe Fernandes, der in der Innenverteidigung spielte, als hätte er schon 100 Länderspiele auf dem Buckel. Nach der Pause brachte Ma frisches Blut: Der 20-jährige Klaus Reiter kam für Deco, später durfte auch der junge Torwart Marco Barbosa ran. Vasco versuchte es mit einem Doppeltausch in der 63. Minute - Trainer Patrick Kunz Gouveia brachte Robin Verellen für Innenverteidiger Connolly, was ungefähr so wirkte, als wolle man ein Leck im Boot mit einem Lächeln stopfen. Flamengo dagegen spielte befreit auf. In Minute 79 dann die Entscheidung: Filipe Gama tankte sich über links durch, legte quer, und Caio Eusebio - gerade einmal 18 Jahre alt - schob mit traumwandlerischer Ruhe zum 2:0 ein. "Ich hab nur versucht, den Ball zu streicheln", sagte Eusebio hinterher verschmitzt. "Er wollte wohl einfach rein." Vasco war nun stehend k.o., die Abwehr löchrig wie ein alter Schwamm. In der 87. Minute durfte Eusebio noch einmal jubeln - diesmal nach Zuspiel von Mathias Gulbrandsen. 3:0, der Drops war gelutscht. Die Fans sangen, der Trainer tanzte, und selbst der Linienrichter sah kurz so aus, als würde er im Takt mitwippen. "Wir wollten heute zeigen, dass unsere Jugend nicht nur Talent, sondern auch Charakter hat", sagte Dino Ma auf der Pressekonferenz. "Wenn du mit Jungs wie Caio, Klaus und Pedro arbeitest, brauchst du manchmal nur die Zündschnur zu halten - den Rest machen sie selbst." Kunz Gouveia hingegen wirkte ratlos. "Wir hatten gute Ansätze, aber Fußball ist kein Konjunktivspiel. Wenn wir das 1:1 machen, läuft es anders - aber wir haben’s eben nicht gemacht." Dann seufzte er und fügte hinzu: "Vielleicht haben wir auch einfach zu viel Respekt gehabt. Oder zu wenig Ball." Statistisch gesehen war’s gar nicht so einseitig: 54 Prozent Ballbesitz für Flamengo, 46 für Vasco, dazu 11:9 Torschüsse. Aber wer zuschaute, wusste: Entscheidend war die Konsequenz. Flamengo spielte zielstrebig, Vasco eher wie jemand, der auf Google Maps den falschen Weg eingeschlagen hat. Kurz vor Schluss rief ein Fan von der Tribüne: "Caio, nimm den Ball mit nach Hause!" Der 18-Jährige grinste, tat’s aber nicht - vielleicht, weil er wusste, dass er noch viele Gelegenheiten dazu bekommen wird. So endet ein Abend, an dem Flamengo nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Stück Zukunft gewann. Und Vasco? Die müssen sich wohl fragen, ob sie im nächsten Training lieber an der Defensive oder an der Selbsttherapie arbeiten. "Das war Lehrgeld", sagte Kunz Gouveia abschließend. "Leider in harter Währung." Das Maracanã leert sich, die Nacht legt sich über Rio - und irgendwo in der Kabine pfeift Pedro Veloso leise vor sich hin. Vielleicht war’s ein Samba, vielleicht nur der Sound des Siegers. 13.04.643990 17:27 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic