Jornal do Brasil
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Flamengo dreht das Spiel in vier Minuten - Drachen fliegen, aber nicht weit

Ein lauer Freitagabend in Rio, 54.209 Zuschauer, ein Flutlicht, das schon beim Einlaufen knisterte - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. CF Flamengo besiegt Dragon Goianiense mit 3:2 (1:1), doch das Ergebnis verrät nur die halbe Geschichte. Es war ein Fußballabend, der zwischen Genie und Wahnsinn tanzte.

Schon nach sechs Minuten bebte das Maracanã, als Fernando Coelho, der flinke Rechtsaußen, nach feinem Zuspiel von Mario Berjon das frühe 1:0 erzielte. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt - und gehofft, dass keiner lacht, wenn’s drübergeht", grinste Coelho später. Ging nicht drüber. Ging rein. Ging gut los.

Doch Flamengo wäre nicht Flamengo, wenn sie einen Vorsprung einfach mal ruhig nach Hause brächten. In der 23. Minute nämlich schlug Dragon Goianiense zurück: Ersen Tekke, der quirlige Linksaußen mit dem ewigen Stirnband, verwertete eine Hereingabe von Rui Djalo zum Ausgleich. Keeper Curt Binder streckte sich vergeblich - und schimpfte anschließend wahlweise auf den Rasen, den Wind oder "die bösen Geister von Goiania".

Bis zur Pause blieb es beim 1:1, auch weil die Gäste frech mitspielten. 13 Schüsse aufs Tor für die Drachen, 11 für Flamengo - kein Team machte hier den Ball zum Geiselnehmer. Ballbesitz? 53 zu 47 Prozent für die Hausherren, also gerade genug, um sich als "dominant" zu fühlen.

Nach der Halbzeit wurde es taktisch - zumindest laut den Trainern. Dino Ma, der Coach der Rubro-Negros, gestikulierte wild an der Linie, während Fabian Dietz von Goianiense gemächlich an seinem Kaugummi kaute. "Wir wollten über die Flügel kommen, aber irgendwann kamen wir einfach gar nicht mehr", sagte Dietz später trocken.

Die zweite Hälfte begann verhalten, bis zur 71. Minute. Da stach Dragon Goianiense erneut zu: Juanito Perales, der bullige Linksaußen, drosch den Ball nach einem langen Pass von Ernst Berger ins Netz - 1:2! Man konnte die 50.000 Kehlen im Stadion kurz verstummen hören.

Eine Minute später war’s mit der Stille vorbei. Frederik Laursen, der Däne mit der stoischen Miene eines Schachspielers, glich postwendend aus. Wieder war es Mario Berjon, der die Vorlage lieferte - ein Mann, der in diesem Spiel offenbar überall gleichzeitig war. "Ich dachte, ich hab’ gar nichts Besonderes gemacht", meinte Berjon nachher, "aber dann hat mir Dino zugerufen, ich solle genau das immer machen."

Und dann kam die 76. Minute - Hugo Custodio, eher bekannt für seine Frisur als für seine Torgefahr, zog von links ab und versenkte den Ball zum 3:2. Assist: Afanasi Tscherepanow, der eben erst eingewechselt worden war und sich damit gleich unsterblich machte. "Ich wollte eigentlich flanken", meinte er lachend, "aber der Fußballgott hatte offenbar andere Pläne."

Das Stadion explodierte. Die letzten 15 Minuten waren ein wilder Tanz zwischen Panik und Euphorie. Goianiense warf alles nach vorne, wechselte offensiv, und Lewis Corraface prüfte Binder mehrfach - vergeblich. In der 84. Minute sah Ernst Berger Gelb, und kurz darauf brachte Dino Ma den jungen Klaus Reiter, um die Mittelfeldschlacht zu beruhigen. Das gelang so lala - aber es reichte.

Nach Abpfiff war der Jubel grenzenlos. Trainer Dino Ma knuddelte halb sein Team, halb den vierten Offiziellen. "Das war kein Spiel für schwache Nerven", sagte er und grinste. "Ich brauche jetzt erstmal einen Kräutertee. Oder zwei."

Auf der anderen Seite stand Fabian Dietz mit verschränkten Armen und einem leicht ironischen Lächeln: "Wenn man in Rio 2:1 führt und trotzdem verliert, dann weiß man, dass man zumindest unterhaltsam war."

Statistisch hätte das Spiel auch 5:5 ausgehen können - so offen war’s. Doch Flamengo bewies in den entscheidenden Minuten die größere Nervenstärke. Und so bleibt am Ende ein Sieg, der weniger mit System als mit schierer Leidenschaft zu tun hatte.

Oder, wie es Fan Joao hinter mir auf der Tribüne formulierte: "Das war kein Fußball. Das war eine Telenovela mit Happy End."

Vielleicht hatte er recht. Und falls nicht, ist das auch egal - Hauptsache, Flamengo hat gewonnen.

18.07.643993 17:40
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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