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Rio de Janeiro, 14. Februar 2026. Ein lauer Sommerabend, 47.960 Zuschauer im Maracanã, und doch lag eine gewisse Schwere in der Luft, als CF Flamengo und Gremio Porto Alegre den achten Spieltag der brasilianischen Liga eröffneten. Am Ende stand ein 1:1, das beide Seiten so richtig unzufrieden machte. "Wir wollten drei Punkte und kriegen einen - das fühlt sich an wie ein halber", knurrte Flamengos Trainer Dino Ma nach dem Abpfiff. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - zumindest für die Hausherren. Schon in der dritten Minute prüfte Eric Jonsson den Gremio-Keeper David Djalo mit einem satten Schuss. Kurz darauf jagte Fernando Coelho den Ball knapp neben den Pfosten. Doch all die frühen Bemühungen verpufften, weil Gremio, von Trainerfuchs Huub Stevens defensiv eingestellt, stoisch seine Linie hielt. Und dann schlug das alte Fußballgesetz zu: Wer vorne die Dinger nicht macht, kriegt hinten eins rein. In der 42. Minute schlich sich Innenverteidiger Agustin Ximenes bei einem Eckball nach vorne, stieg höher als alle anderen und köpfte das Leder mit chirurgischer Präzision ins Netz - Vorlage von Linksverteidiger Jose Velazquez. Ein Defensivmann trifft für ein Defensivteam - Stevens grinste danach nur: "Na sehen Sie, wir können sogar Tore aus dem Spiel heraus - na gut, fast." Die Halbzeitpause brachte Unruhe bei Flamengo. Dino Ma, der in der Coachingzone ohnehin selten stillsteht, fuchtelte mit den Armen, als wolle er ein Flugzeug dirigieren. "Mehr Mut, mehr Tempo, Jungs!", brüllte er über den Platz. Und seine Spieler hörten. Nach dem Wiederanpfiff war Flamengo wie ausgewechselt. Das Pressing wurde intensiver, der Einsatz härter, und die Offensive fand endlich Lücken. In der 52. Minute belohnte sich das Team: Pedro Veloso setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte scharf nach innen, und Eric Jonsson hielt nur noch den Fuß hin - Ausgleich! Die Fans tobten, Jonsson riss die Arme hoch, und Dino Ma klatschte wie ein Dirigent, der endlich seine Lieblingspassage hört. "Ich hab’s gespürt, dass das Ding reingeht", sagte Jonsson später mit einem schelmischen Grinsen. Flamengo drückte weiter. Insgesamt 14 Torschüsse - doppelt so viele wie Gremio - zeigten die Richtung an. Doch die Kugel wollte partout kein zweites Mal hinter die Linie. Frederik Laursen scheiterte zweimal am glänzend reagierenden Djalo, Bo Christiansen zirkelte einen Versuch knapp über die Latte, und selbst der sonst so verlässliche Mittelfeldmotor Mario Berjon setzte den Ball aus zentraler Position daneben. Das Spiel blieb intensiv. Bei Gremio kam in der 62. Minute frisches Blut: Diamantis Dellas und Zoltan Szabo sollten im Angriff neuen Schwung bringen. Bei Flamengo ersetzte Emilio Helguera den müden Jonsson - und brachte tatsächlich Leben in die rechte Seite. Doch Helgueras Distanzschüsse in der 70. und 78. Minute fanden ebenfalls nicht ihr Ziel. Dann die Schreckminuten in der Nachspielzeit: Erst blieb Mario Berjon nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie, und musste behandelt werden. Drei Minuten später erwischte es auf der anderen Seite den eingewechselten Taylor Edgecomb, der mit bandagiertem Knöchel vom Feld humpelte. Gremios Paul Frey sah noch Gelb für ein spätes Foul - ein Symbol für die zunehmende Hektik in den letzten Minuten. Statistisch gesehen war das Spiel nahezu ausgeglichen: 50,6 Prozent Ballbesitz für Flamengo, 49,4 für Gremio, also ein Balanceakt auf dem Rasen. Nur im Mut zur Offensive war ein klarer Unterschied zu erkennen. Flamengo spielte von Beginn an offensiv, während Gremio lange auf Konter lauerte. Erst in der Schlussphase wagten sich die Gäste etwas weiter nach vorne, als wäre ihnen plötzlich eingefallen, dass man auch mit einem zweiten Tor gewinnen kann. "Wir sind zufrieden, weil wir in Rio nicht verloren haben", bilanzierte Huub Stevens trocken. "Aber glücklich? Nein. Dafür war das Gegentor zu billig." Dino Ma sah das anders: "Wenn du so viele Chancen hast und nur einmal triffst, dann musst du dich fragen, ob du im Training auf die richtigen Tore schießt." Am Ende blieb das Gefühl, dass Flamengo zwei Punkte verschenkt und Gremio einen gewonnen hat. Das Publikum quittierte die Vorstellung mit höflichem Applaus - eher ein "Danke für den Abend" als ein "Bravo". Vielleicht war es kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber eines, das zeigte, dass Fußball manchmal einfach ein Kampf gegen die eigene Ungeduld ist. Oder, wie es Eric Jonsson später augenzwinkernd formulierte: "Ich hätte lieber das zweite Tor gemacht - aber vielleicht hebe ich mir das für nächste Woche auf." Ein 1:1 also, das in die Kategorie "gerecht, aber unbefriedigend" fällt - und ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte von Flamengo-Spielen, die mehr Fragen offenlassen, als sie beantworten. 19.08.643990 08:48 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon