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Ein frostiger Abend in Tachov, Flutlicht glänzt auf dem Rasen, 24 105 Zuschauer stampfen sich warm - und erleben ein Spiel, das sie so schnell nicht vergessen werden. FK Tachov fegte den SK Opava mit 6:1 (3:0) vom Platz und ließ dabei keinen Zweifel daran, wer an diesem 11. Spieltag der tschechischen 1. Liga Herr im Haus ist. Schon nach 60 Sekunden bebte das Stadion, als Holek Gedeon den Ball humorlos ins Netz drosch. "Ich wollte einfach aufs Tor schießen, ehrlich gesagt hatte ich noch gar nicht richtig Luft geholt", grinste der 22‑Jährige später, während sein Trainer Lars Larsen ihm auf die Schulter klopfte. Eine frühe Führung, die wie ein Startschuss wirkte - Tachov spielte fortan, als hätte man einen Espresso zu viel erwischt. Opava dagegen schien überrascht, als sei das Tor aus heiterem Himmel gefallen. Dabei hatten sie laut Statistik sogar mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber was nützt das, wenn der Ball gefühlt nie dorthin kommt, wo er hin soll. Nach 23 Minuten erhöhte Michael Lancaster nach Vorlage von - natürlich - Gedeon auf 2:0. Der Engländer im Tachov‑Mittelfeld zeigte eine Vorstellung, die an einen Dirigenten erinnerte, der gleichzeitig Trompete spielt. Jeder Ballkontakt saß, jeder Pass hatte Richtung. Und als Finlay Catrall in der 42. Minute das 3:0 markierte, wieder nach feinem Zuspiel von Gedeon, war das Spiel eigentlich schon entschieden. "Wir haben uns in der Kabine nur noch gefragt, ob es Schnee oder Tore hagelt", witzelte Kapitän Jakub Ctyroky später. Die zweite Halbzeit begann dann fast gemächlich - bis Opava doch noch kurz Hoffnung schöpfte. Jaroslaw Chomutow brachte seine Farben in der 59. Minute auf 1:3 heran, nach schöner Vorarbeit von Lionel Bischoff. Es war der erste von nur sieben Torschüssen der Gäste, der tatsächlich zählte. "Da dachte ich, jetzt kippt’s vielleicht", meinte Tachov‑Keeper Petr Jarolim, "aber dann hat uns Gedeon wieder wachgebrüllt." Sechs Minuten später war nämlich alles wieder beim Alten: Jiri Kopic traf zum 4:1, assistiert von Ctyroky, und die Tribüne sang sich in Ekstase. Danach kam das, was man in Tachov inzwischen "Showtime" nennt: Gedeon schnürte in der 77. Minute seinen Doppelpack mit einem satten Schuss in den Winkel. Und als Radovan Lukes in der Nachspielzeit nach Vorlage von Lancaster das halbe Dutzend vollmachte, war die Demütigung perfekt. "Ich habe selten ein Spiel gesehen, in dem wir mit 47 Prozent Ballbesitz so dominant waren", sagte Trainer Larsen nach der Partie mit einem kaum verhohlenen Lächeln. "Vielleicht sollten wir das Pressing einfach weglassen, wenn’s so gut läuft." In der Tat: Tachov spielte laut Taktikanalyse offensiv, aber erstaunlich gelassen - kein wildes Pressing, keine übertriebene Härte, einfach zielstrebiger Fußball. Opavas Coach, der sich nach dem Abpfiff wortkarg gab, brachte es auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie die Tore." Mehr war dazu auch nicht zu sagen. Sein Team wirkte über 90 Minuten bemüht, aber in jeder Hinsicht unterlegen - in den Zweikämpfen (Tachov 56 % gewonnen), im Abschluss (27 zu 7 Torschüsse) und vor allem im Kopf. Eine kleine Szene fasste den Abend perfekt zusammen: In der 87. Minute flankte Harvey Carsley von links so präzise, dass die Zuschauer schon aufsprangen - doch der Ball zischte Zentimeter über das Tor. Carsley drehte sich lachend zu den Fans: "Ich wollte nur, dass ihr euch warm bewegt." Selbstironie nach einem 6:1 - das kann man sich leisten. Im Stadion blieb nach dem Schlusspfiff fast niemand sitzen. Gedeon wurde als Spieler des Spiels gefeiert, Lancaster und Ctyroky applaudierten gegenseitig, und auf der Tribüne skandierten Kinder "Sechs! Sechs! Sechs!" - was man in Opava wohl noch eine Weile nicht vergessen wird. Vielleicht war es nur ein Abend, vielleicht der Beginn einer Tachover Serie - aber eines ist sicher: Wer an diesem 11. Januar 2026 im Stadion war, wird noch lange erzählen, wie FK Tachov den SK Opava auseinander nahm, als wäre Winterpause schon Sommer. Und irgendwo in der Kabine, zwischen nassen Trikots und Dampf, sagte Gedeon mit einem Augenzwinkern: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt fürs Training nehmen." Man möchte ihm fast glauben. 26.05.643987 02:41 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath