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Wer am Samstagabend ins Ausbacher Stadion kam, um Spannung zu erleben, bekam immerhin eine Lektion in Effizienz geboten. FK Pirmasens reiste mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen an - und verließ das Feld mit einem 4:0-Sieg, der so eindeutig war, dass selbst die Anzeigetafel irgendwann Mitleid bekam. 3.946 Zuschauer hatten sich eingefunden, viele mit Glühwein in der Hand und Hoffnung im Herzen. Doch schon früh zeichnete sich ab, dass diese Hoffnung auf dünnem Eis stand. Während der TSV Ausbach den Ball zumeist quer über den Rasen schob, hatten die Gäste aus der Pfalz ein anderes Konzept: Tore schießen. Und das taten sie. In der 27. Minute begann das Unheil: Dani Tabenkin, der flinke Linksaußen des FK, verwertete mustergültig eine Vorlage von Hugo Alves - 0:1. Ausbachs Keeper Herbert Böhme streckte sich zwar, aber es war, als wolle er den Ball nur noch höflich verabschieden. "Ich hab den Schuss kommen sehen, aber nicht glauben wollen", murmelte Böhme nach dem Spiel, halb lachend, halb fluchend. Pirmasens roch Blut. In der 43. Minute legte erneut Tabenkin nach, diesmal nach Pass von Archie MacAlister. Ein Schlenzer, so elegant, dass selbst der Heimtrainer kurz klatschte - aus Versehen, wie er später betonte. Noch ehe sich Ausbach sortieren konnte, fiel das 0:3: Alex Coviello traf eine Minute später, wieder war Alves der Vorlagengeber. Drei Tore in 17 Minuten - der TSV stand da wie ein Boxer, der versucht, seine Zähne im Rasen wiederzufinden. "Wir haben uns kurz gefragt, ob wir im falschen Film sind", gab Ausbachs Mittelfeldmann Kay Kaufmann zu. "Aber dann war’s wohl einfach ein schlechter Abend." Nach der Pause - man hatte sich gerade das zweite Bratwurstbrötchen geholt - kam der nächste Schlag. Minute 51: Tabenkin komplettierte seinen Dreierpack, erneut nach Zuspiel des allgegenwärtigen Alves. 0:4, und das Spiel war entschieden. Der Rest war Schaulaufen. Interessant dabei: Laut Statistik hatte der TSV Ausbach sogar mehr Ballbesitz (52 Prozent). Doch was nützt das, wenn Pirmasens aus 13 Torschüssen vier Treffer macht, während die Hausherren mit vier mageren Versuchen harmlos blieben wie ein Stubentiger ohne Krallen? Trainerin Gudrun Schweitzer vom FK Pirmasens zeigte sich nach dem Spiel gewohnt trocken: "Wir wollten eigentlich defensiv beginnen, aber dann hat Dani beschlossen, dass Tore schöner sind als Taktik." Und Dani Tabenkin selbst? "Ich hab einfach Spaß gehabt", grinste er. "Manchmal läuft’s halt - und heute lief’s wie am Schnürchen. Hugo hat mir jeden Ball perfekt serviert. Ich musste nur noch Danke sagen." Auf der anderen Seite suchte man nach Erklärungen. TSV-Coach (Name unbekannt, aber vermutlich mit Sorgenfalten geboren) sprach von "fehlender Konsequenz im letzten Drittel" und "individuellen Fehlern in der Rückwärtsbewegung". Übersetzt heißt das: Wir wussten nicht, wie wir sie stoppen sollten. Ein kleiner Trost: Die Ausbacher Fans blieben bis zum Ende, manche sangen tapfer, andere schimpften liebevoll. "So schlecht war’s doch gar nicht", meinte einer auf der Tribüne, während der Stadionsprecher das 0:4 noch einmal durchsagte. Seine Begleitung antwortete trocken: "Doch." Pirmasens verabschiedete sich mit breiten Grinsen, während die Heimspieler wortlos in die Kabine trotteten. Der Rasen, matschig und zerwühlt, erzählte die Geschichte eines Abends, an dem ein Team spielte - und das andere zusah. Am Ende blieb die Erkenntnis: Fußball ist manchmal grausam, aber gerecht. Wer seine Chancen nutzt, gewinnt. Wer 52 Prozent Ballbesitz hat, aber keine Ideen, verliert 0:4. Oder wie es Dani Tabenkin beim Rausgehen flüsterte, halb zu sich selbst, halb ins Mikrofon: "Manchmal ist der Ball halt ein Freund - heute war er meiner." Und so ging ein Abend zu Ende, der Ausbach noch lange in Erinnerung bleiben dürfte - allerdings eher als Warnung denn als Glanzstück. Pirmasens dagegen darf weiter träumen. Wenn sie so weiterspielen, könnte die Oberliga bald zu klein für sie werden. (Artikelumfang: ca. 610 Wörter) 19.11.643990 13:12 |
Sprücheklopfer
Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.
Uli Hoeneß