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Wenn ein Spiel schon nach zwei Minuten entschieden scheint, dann hat meist einer alles richtig gemacht - und der andere alles falsch. Am 17. Spieltag der Oberliga C erlebten 3619 Zuschauer im Pirmasenser Stadion ein Spektakel, das für die Gastgeber zum Fest und für den FC Bruchsal zum Alptraum wurde. Am Ende hieß es 4:0 (2:0) und selbst das wirkte fast gnädig. Schon der Anpfiff schien Bruchsal kalt zu erwischen. Kaum hatten sich die Gäste sortiert, zappelte der Ball schon im Netz. Archie MacAlister, der Schotte im Dienste des FK Pirmasens, fasste sich in der zweiten Minute ein Herz, zog aus gut 20 Metern ab und ließ Torwart Arne Gabriel keine Chance. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste MacAlister nach dem Spiel, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Bruchsal taumelte, Pirmasens kombinierte. Der Ball lief - kurz, präzise, mit einer Selbstverständlichkeit, die Trainerin Gudrun Schweitzer später als "unsere beste Halbzeit in dieser Saison" bezeichnete. Die Statistik gibt ihr recht: 58,8 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, davon gefühlt 18 gefährlich. In der 44. Minute folgte die logische Konsequenz: Dani Tabenkin, quirliger Linksaußen mit einem Hang zum Theatralischen, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Hugo Alves zum 2:0. "Da haben wir uns wie im Training bewegt", meinte Schweitzer. "Nur dass im Training meistens einer den Pfosten trifft." Bruchsal-Coach Manfred Wieland reagierte zur Pause mit aufmunternden Worten - und einer resignierten Geste. "Ich hab ihnen gesagt, dass es nur besser werden kann", seufzte er später. "Leider hat’s keiner gehört." Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, setzte Pirmasens das nächste Ausrufezeichen. Noah Specht, erst 20 Jahre jung, verwandelte in der 48. Minute nach feinem Pass von Marcel Fuhl zum 3:0. Vier Minuten später durfte sich sogar Innenverteidiger Tiago Gomes in die Torschützenliste eintragen - per Kopf nach einer Ecke von Kornej Babinow. 4:0, 52 Minuten gespielt, der Rest des Abends geriet zur Kür. Bruchsal versuchte es mit langen Bällen, die jedoch meist irgendwo im Pirmasenser Abendhimmel verschwanden. Der junge Niclas Kessler hatte in der 63. Minute die beste Chance der Gäste, aber Torwart Dennis Frei blieb ungeprüft cool. "Ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass mir kalt wird", witzelte er später in der Mixed Zone. Das Publikum, ohnehin bestens gelaunt, feierte jeden Pass, als ginge es um die Meisterschaft. Selbst als der eingewechselte Alexander Satchmore in der 73. Minute eine hundertprozentige liegen ließ, brandete Applaus auf. Man hatte an diesem Abend verstanden: Diese Mannschaft spielt mit Spaß - und endlich auch mit Konsequenz. Einziger Wermutstropfen: In der 19. Minute hatte Nikolai Dotschew Gelb gesehen, weil er, wie er lächelnd erklärte, "dem Schiri nur helfen wollte, die Linie zu finden". Später gab’s noch eine Verwarnung für Bruchsals Tim Meyer (83.), und in der 69. Minute humpelte Yannick Brückner verletzt vom Platz - ersetzt von Ralph Alex, der in den letzten Minuten wenig ausrichten konnte. Trainerin Schweitzer blieb nach dem Abpfiff gelassen. "Wir haben früh Druck gemacht, dann kontrolliert runtergespielt. Ich hab mich fast gelangweilt - aber im positiven Sinne." Ihr Gegenüber Wieland hingegen wirkte, als wolle er lieber über alles andere sprechen. "Wir hatten einen Plan", murmelte er, "aber der lag wohl noch im Bus." Mit diesem Sieg festigt Pirmasens seinen Platz im oberen Tabellendrittel, während Bruchsal weiter in der unteren Hälfte feststeckt. Die Gäste wirkten phasenweise wie eine Mannschaft, die zwar offensiv eingestellt war, aber vergessen hatte, dass man dazu auch den Ball braucht. In der Schlussphase nahm Pirmasens das Tempo raus, jonglierte die Kugel in bester Laune durchs Mittelfeld. Als der Schlusspfiff ertönte, war das Ergebnis längst Nebensache. Die Zuschauer applaudierten, manche stimmten ein improvisiertes Lied über MacAlisters Sonntagsschuss an - ein kleiner, humorvoller Moment in einem Spiel, das keine Fragen offenließ. Oder, wie Pirmasens-Kapitän Dani Tabenkin zum Abschluss sagte: "Manchmal läuft’s einfach. Und wenn’s läuft, dann läuft’s - selbst in Pirmasens an einem kalten Februarabend." Ein Satz, der den Abend wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. 01.12.643990 01:37 |
Sprücheklopfer
Die Meisterschaft ist viel mehr wert als dieses Scheiß-X.
Stefan Effenberg zur Verleihung des FuX des Jahres an Emerson