Anpfiff
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FK Pirmasens taumelt, siegt aber: 3:2 gegen Blau Weiß Bochum nach Nervenschlacht

Es war ein Abend, wie ihn die 3.160 Zuschauer im frischen Märzwind im Stadion Husterhöhe so schnell nicht vergessen werden. FK Pirmasens gewinnt am 10. Spieltag der Regionalliga B mit 3:2 gegen Blau Weiß Bochum - und das, obwohl die zweite Halbzeit nach einer 3:0-Führung eher einem kollektiven Nervenzusammenbruch ähnelte als einem souveränen Heimsieg.

Dabei begann alles so traumhaft, dass man fast an ein Drehbuch glauben konnte. Fünfte Minute, erster ernsthafter Angriff, und schon rappelt’s im Gebälk: David Bernier, der flinke Mittelfeldmotor, zirkelt den Ball nach Zuspiel von Nikolai Dotschew aus gut 20 Metern ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bernier nach dem Spiel, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich nichts dagegen."

Pirmasens spielte weiter wie entfesselt. In der 22. Minute war es Alexander Satchmore, der nach feinem Pass des quirligen Hugo Alves eiskalt vollstreckte. 2:0 - und Bochum wirkte in dieser Phase wie ein Tourist, der versehentlich auf einer Achterbahn gelandet ist. Nur neun Minuten später machte Dani Tabenkin mit links das 3:0 und ließ die Südtribüne in blau-weißem Jubelmeer versinken.

Trainerin Gudrun Schweitzer nahm’s auf der Bank mit zusammengepressten Lippen: "Ich kenne meine Jungs. Wenn’s zu gut läuft, werden sie unruhig." Wie recht sie behalten sollte. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, drehte Blau Weiß Bochum plötzlich auf - und die bis dahin so stabile Pirmasenser Hintermannschaft verwandelte sich in ein offenes Scheunentor.

46. Minute: Ralph Ritter, Bochums linker Wirbelwind, donnert den Ball nach Vorlage von Gianfranco Benedetti ins Netz. 3:1. Kaum hatte der Stadionsprecher das Tor überhaupt durchgesagt, klingelte es erneut. Diesmal traf Goran Pivaljevic nach Doppelpass mit Ritter - 3:2, und das alles keine 120 Sekunden nach Wiederanpfiff.

"In der Kabine hab ich gesagt: Wir gehen da jetzt raus und spielen einfach Fußball", erklärte Bochums Trainer (der sich lieber anonym hielt) später halb trotzig, halb stolz. "Und siehe da, es hat funktioniert - fast zu gut."

Was folgte, war ein wilder Schlagabtausch. Bochum hatte nun mehr Ballbesitz (insgesamt 51 Prozent), Pirmasens konterte mit Herz und Hektik. Insgesamt 15 Torschüsse für die Gastgeber, 10 für die Gäste - eine Statistik, die das Spielgefühl erstaunlich genau trifft. Besonders Goran Pivaljevic jagte die Kugel immer wieder gefährlich in Richtung Dennis Frei, der im Kasten der Pirmasenser mehrfach glänzend reagierte.

Ab der 60. Minute verwandelte sich die Partie in ein Lehrstück für Nervenstärke - oder deren Abwesenheit. Gelbe Karten für David Menendo (Bochum, 54.) und Samuel Reid (Pirmasens, 84.) zeigten, dass der Adrenalinspiegel beider Teams längst jenseits des Normalwerts lag. "Ich hab ihn doch gar nicht berührt", rief Reid Richtung Schiedsrichter, während Menendo sich über eine Grätsche beschwerte, die er "für einen fairen Zweikampf in bester englischer Tradition" hielt.

In der Schlussphase stellte Trainerin Schweitzer auf Defensive um - das Taktikbrett zeigte plötzlich "Pressing: YES", und tatsächlich: Die Gastgeber warfen sich in jeden Ball, als ginge es um die Meisterschaft. Der 18-jährige Joker Niko Bock hatte in der 80. Minute sogar noch die Chance zum 4:2, verzog aber knapp. Danach zitterte Pirmasens die letzten zehn Minuten über die Zeit.

"Ich bin zehn Jahre älter geworden", gestand Schweitzer nach Abpfiff mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Erschöpfung pendelte. "Aber die drei Punkte nehm ich mit ins Wochenende."

Ralph Ritter aus Bochum fasste es lakonischer zusammen: "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und in der zweiten fast den Wecker zerschlagen."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - wohl wissend, dass sie Zeugen eines dieser Spiele waren, die Fußballfans an den Rand des Herzinfarkts bringen und Journalisten zu poetischen Übertreibungen zwingen.

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb ein Gefühl zurück, das man in Pirmasens seit Wochen vermisst hatte: das süße Zittern zwischen Triumph und Chaos. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "So spielt kein Tabellenführer - aber genau so spielt mein FK!"

23.02.643994 14:54
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