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Pirmasens - Es war ein Abend, an dem der Fußballgott offenbar blau-weiß trug. Vor 3552 Zuschauern im frischen Märzwind des Oberliga-C-Stadions ließ der FK Pirmasens am Donnerstagabend keinen Zweifel daran, wer hier Herr im Haus ist. 2:0 hieß es am Ende gegen den TSV Ausbach - und das war, höflich formuliert, noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon nach fünf Minuten rauschte der erste Ball gefährlich aufs Tor der Ausbacher: Hugo Alves prüfte den Keeper Gustav Mayer, der sich offenbar vorgenommen hatte, an diesem Abend der beschäftigste Mann auf dem Platz zu werden - was ihm auch gelang. Pirmasens feuerte insgesamt 20 Torschüsse ab, gegen sage und schreibe einen einzigen der Gäste. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Trainerin Gudrun Schweitzer später, "aber wenn meine Jungs so weitermachen, muss ich bald eine zweite Statistiktafel aufstellen." Der FK dominierte von Anfang an - 52 Prozent Ballbesitz, dazu eine Tacklingquote von knapp 59 Prozent. Das klang nicht spektakulär, sah aber auf dem Rasen nach purem Druckfußball aus. Alves, Bernier und Tabenkin wirbelten durchs Mittelfeld, als hätten sie eine unsichtbare Überzahl. In der 28. Minute fiel dann der verdiente Lohn. David Bernier, der 24-jährige Mittelfeldmotor, zog nach einem feinen Zuspiel von Hugo Alves aus 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. 1:0. Das Publikum jubelte, und Bernier riss die Arme hoch, als hätte er gerade ein Pokalfinale entschieden. Später sagte er schelmisch: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn der Ball so schön mit mir redet, hör ich halt zu." Nur sechs Minuten später klingelte es erneut. Diesmal war Mittelstürmer Alex Coviello zur Stelle, der nach einem Vorstoß von Rechtsverteidiger Marcel Baer eiskalt vollstreckte. 2:0 in der 34. Minute - und damit war das Spiel im Grunde entschieden. Ausbach schien konsterniert, die Pirmasenser dagegen gaben weiter Gas. Noch vor der Pause hätte es leicht 3:0 oder 4:0 stehen können. Dani Tabenkin und Alexander Satchmore versuchten sich mit sehenswerten, aber erfolglosen Abschlüssen. Ausbachs Verteidiger Ralf Preuss dagegen wirkte, als zähle er innerlich schon die Sekunden bis zum Pausenpfiff. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich. Pirmasens kombinierte, Ausbach reagierte. Die Gäste hatten sich zwar laut Taktikzettel "offensiv" aufgestellt, doch offensiv blieb hier vor allem das Wetter. Erst in der 86. Minute gelang Carsten Pfeifer der einzige Torschuss für die Ausbacher - eher eine freundliche Erinnerung daran, dass Torhüter Lucas Grantham tatsächlich existierte. Trainerin Schweitzer wechselte in der zweiten Hälfte munter durch. In der 61. Minute kam der junge Kornej Babinow für Archie MacAlister, der sich zuvor noch eine Gelbe Karte abgeholt hatte. Später durfte sogar der 17-jährige Stefan Keller ran, ebenso wie sein Altersgenosse Niko Bock. "Die zwei haben heute Luft geschnuppert", sagte Schweitzer stolz. "Und sie haben sich nicht verlaufen - das ist schon mal was." Die Schlussphase wurde etwas ruppiger: Gelb für Tiago Gomes (63.) und Marcel Baer (85.) - beides eher symbolische Fouls, um die Konzentration nicht einschlafen zu lassen. Pirmasens aber blieb cool, spielte die Partie souverän herunter, während Ausbachs Trainer - dessen Name man an diesem Abend lieber nicht laut aussprach - an der Seitenlinie verzweifelt nach Antworten suchte. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte er nach dem Spiel, "aber irgendwie standen wir dann überall - nur nicht da, wo der Ball war." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit verdientem Applaus. 2:0, drei Punkte, klare Sache. Der FK Pirmasens festigt damit seine Position im oberen Tabellendrittel der Oberliga C und zeigte, dass Offensivfußball nicht immer Harakiri bedeuten muss - manchmal einfach nur Spaß. Ein letzter Blick auf die Statistik: 20:1 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, drei Gelbe Karten, null Gegentore. Oder, wie es Kapitän Coviello trocken zusammenfasste: "Wenn du so spielst und trotzdem 0:0 spielst, dann ist’s Pech. Wenn du so spielst und 2:0 gewinnst, ist’s einfach Fußball." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem der FK Pirmasens nicht nur drei Punkte holte, sondern auch ein kleines Stück Selbstverständnis zurückeroberte. Vielleicht war’s kein Fußballwunder - aber ein wunderbar entspannter Sieg. In Pirmasens darf man also wieder träumen. Schlusswort? Vielleicht dies: Wenn der Ball läuft, läuft auch das Bier besser. Und an diesem Abend floss beides in Strömen. 26.09.643993 04:52 |
Sprücheklopfer
Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
Thomas Häßler