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FK Pirmasens ringt Dynamo Berlin spät nieder - Geduld wird belohnt

Ein lauer Dienstagabend in der Oberliga C, 3.547 Zuschauer im Stadion Husterhöhe, Flutlicht, Bratwurstduft und das übliche nervöse Raunen aus den Rängen: "Na, heute müssen’s aber mal wieder treffen!" Der FK Pirmasens empfing Dynamo Berlin zum 31. Spieltag - und wer bis zur 80. Minute durchhielt, wurde mit einem späten Doppelschlag für seine Geduld belohnt. 2:0 hieß es am Ende für die Pfälzer, die sich am Ende als clevere Spätstarter erwiesen.

Das Spiel begann, wie Spiele oft beginnen, die mit 2:0 enden, aber nach 80 Minuten noch 0:0 stehen: mit viel Aufwand und wenig Ertrag. Pirmasens drückte von Beginn an, 13 Torschüsse sollten es am Ende sein, aber lange Zeit schien der Ball lieber in den Händen von Dynamos Keeper Samuel Devaney zu verweilen als im Tornetz. Alexander Satchmore prüfte ihn bereits nach 60 Sekunden, Dani Tabenkin legte gleich in der dritten Minute nach - doch der junge Berliner Schlussmann war auf dem Posten. "Ich dachte schon, der hat Magnete in den Handschuhen", knurrte Satchmore nach dem Spiel mit einem halben Grinsen.

Dynamo Berlin, von Trainer Tim Ancelotti erstaunlich zurückhaltend eingestellt, verließ sich auf Konter, die so selten waren wie Ecken im Hallenhalma. Vier Schüsse aufs Tor brachten die Gäste zustande, zwei davon durch den fleißigen Julian Meireles, der auf der linken Seite rackerte, als hinge seine Karriere davon ab. Doch Pirmasens-Goalie Dennis Frei musste selten ernsthaft eingreifen. "Wir wollten eigentlich mutiger sein", erklärte Ancelotti hinterher, "aber Pirmasens hat uns einfach hinten reingedrückt. Und dann kam noch die Sache mit Selepukin …"

Ah ja, die Sache mit Selepukin: Der junge Linksverteidiger Kusma Selepukin sah zunächst Gelb (46.), dann in der 71. Minute Gelb-Rot - und die Berliner waren nur noch zu zehnt. "Ich hab’ ihn kaum berührt", beteuerte der 20-Jährige später mit Unschuldsmiene, während sein Trainer die Stirn massierte. Für Pirmasens war das der Moment, in dem das Spiel endgültig kippte.

Trainerin Gudrun Schweitzer, die an der Seitenlinie mit der Energie einer Espresso-Maschine agierte, roch die Gelegenheit. "Ich hab zu den Jungs gesagt: Jetzt oder nie. Und sie haben sich für ’jetzt’ entschieden", lachte sie später.

In der 81. Minute war es dann soweit: Samuel Reid, ausgerechnet der linke Verteidiger, der zuvor Gelb kassiert hatte, fasste sich ein Herz. Nach einem Doppelpass mit Tiago Gomes marschierte er über links, zog ab - und traf. 1:0. Das Stadion explodierte förmlich, und Reid rannte jubelnd über den Platz, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der 19-Jährige grinsend, "aber dann dachte ich: Ach komm, versuch’s halt mal."

Kaum hatten sich die Berliner vom Schock erholt, folgte die endgültige Entscheidung. In der Nachspielzeit (91.) war es Archie MacAlister, der nach Vorarbeit - natürlich - von Reid zum 2:0 einschob. Ein Treffer, der so schön vorbereitet war, dass selbst Dynamo-Keeper Devaney kurz anerkennend nickte.

Danach spielte Pirmasens die Partie souverän herunter, stellte auf defensiv, ließ Ball und Gegner laufen. 54,6 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die belegen, dass die Gastgeber nicht nur kämpften, sondern auch spielten. Dynamo dagegen wirkte in Unterzahl müde, ideenlos, fast resigniert. "Uns fehlte einfach der letzte Punch", seufzte Kapitän Andreas Gebhardt, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft stehend, und man hatte das Gefühl, dass sich hier ein kleiner Knoten gelöst hat. "Wir haben lange auf so ein Spiel gewartet", meinte Trainerin Schweitzer, "eins, wo Geduld und Einsatz belohnt werden."

Dynamo Berlin hingegen trat die Heimreise an mit der Erkenntnis, dass man mit 45 Prozent Ballbesitz und einer Gelb-Roten Karte keine Punkte holt. "Ich kann meiner Mannschaft keinen großen Vorwurf machen", sagte Ancelotti. "Außer vielleicht, dass sie vergessen hat, wo das Tor steht."

Und so endete ein Abend, der lange nach Nullnummer roch, doch dann noch zwei kräftige Pirmasenser Duftmarken setzte. Vielleicht kein Fußballfest für Feinschmecker, aber eines für Freunde des späten Glücks. Oder, wie ein älterer Fan beim Bierstand sagte: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Herztabletten im Fanshop."

Ein typischer Oberliga-Abend also - mit allem, was dazugehört: Spannung, Karten, späte Tore und der Erkenntnis, dass man nie zu früh gehen sollte.

03.09.643993 01:13
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