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Wenn ein Freitagabendspiel in der 2. Liga Österreich so richtig Fahrt aufnimmt, dann weiß man: Es riecht nach Stadionwurst, Flutlicht und Drama. 31.100 Zuschauer in Hainburg bekamen genau das - und noch ein bisschen mehr. FK Hainburg bezwang Austria Wels mit 3:1 (1:1) und zeigte, dass Ballbesitz nicht nur schön aussehen, sondern auch Tore bringen kann. Dabei fing alles gar nicht so rosig an für die Gastgeber. Schon in der 8. Minute zappelte der Ball im Netz - allerdings im falschen. Ausgerechnet Ewan Florit, eigentlich linker Verteidiger von Wels, schlich sich nach vorne, bekam den Ball von Christopher Ross serviert und drosch ihn mit einer Entschlossenheit ins Tor, als hätte er gerade den Lotto-Jackpot gewonnen. "Ich dachte mir: Wenn schon mal Platz ist, warum nicht?", grinste Florit nach dem Spiel, während Trainer Großvater Dragon daneben nur seufzte: "Das war noch unser bester Moment." Doch die Freude der Oberösterreicher hielt genau so lange, bis FK Hainburg zum Gegenschlag ausholte - nämlich exakt eine Minute. In der 9. Minute kombinierten sich Benjamin Thuringer und Gustav Peters sehenswert durch die rechte Seite. Thuringer legte quer, Peters vollendete trocken - 1:1. Der Stadionsprecher hatte noch nicht einmal den ersten Torschützen zu Ende verkündet. Danach entwickelte sich ein Spiel, das man irgendwo zwischen "kontrolliertem Chaos" und "Fußball mit Herz" einordnen könnte. Hainburg hatte mit 57 Prozent Ballbesitz klar die Oberhand, suchte immer wieder spielerische Lösungen, während Wels eher auf den Zufall vertraute. 13 Torschüsse der Hainburger standen am Ende nur 6 der Gäste gegenüber - eine Statistik, die so nüchtern klingt, wie sie das Spiel widerspiegelte. Zur Pause stand’s 1:1, und man hörte im Kabinengang, wie ein Hainburger Betreuer lachend sagte: "Wenn wir noch ein bisschen zielen lernen, wird das heute was fürs Torverhältnis." In der zweiten Halbzeit bewahrheitete sich diese Prophezeiung. Nach einer Stunde kam Leben in die Partie, als Trainer Andreas Swoboida zwei frische Kräfte brachte - und offenbar auch frische Ideen. Nur vier Minuten später, in der 64. Minute, war es Thuringer selbst, der nach schöner Vorarbeit von James Beglin das 2:1 erzielte. Ein Schuss aus 16 Metern, halb Volley, halb Kunstwerk. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Thuringer später lachend, "aber gut, wenn’s reingeht, sagt man halt, es war Absicht." Austria Wels versuchte zu antworten, aber die Angriffsbemühungen wirkten so inspiriert wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Trainer Dragon brachte gleich drei junge Spieler - Beauvilliers, May und Wimmer - doch das Spiel blieb zäh. Und als Simon Wolter in der 71. Minute Gelb sah, war klar: Wels kämpfte mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Der endgültige K.o. kam in der 81. Minute. Lars Merkel, gerade erst zehn Minuten auf dem Platz, schnappte sich einen Abpraller und schob lässig zum 3:1 ein. Es war die Art Tor, die aussieht, als wäre sie geplant gewesen - aber, wie Merkel später zugab, "war das eigentlich ein verunglückter Schuss von Valentin. Ich stand halt da, wo’s weh tut." Danach feierten die Hainburger im eigenen Stadion, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Die Fans sangen, das Flutlicht glitzerte, und Trainer Swoboida strahlte bis über beide Ohren: "Wir haben gezeigt, dass unsere Balance zwischen Einsatz und Spielwitz stimmt. Und ja, vielleicht auch, dass wir endlich unsere Chancen nutzen." Taktisch war es ein Lehrstück: Hainburg blieb über weite Strecken ausgewogen, mit hoher Aggressivität und am Ende sogar aktivem Pressing, während Wels in seinem "wir-warten-mal-ab"-Modus verharrte. Das Ergebnis? Drei Tore für die Mutigen, eins für die Vorsichtigen. Nach Schlusspfiff meinte ein älterer Fan mit Bier in der Hand und einem breiten Grinsen: "Wenn die so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Vielleicht übertrieben - aber an diesem Abend klang es gar nicht so unrealistisch. Und irgendwo in der dunklen Ecke des Stadions stand Trainer Dragon, zog die Kapuze über und murmelte: "Nächstes Mal spielen wir nicht mehr so brav." Vielleicht tut das seiner Austria gut. Denn in Hainburg hat man gelernt: Wer zögert, verliert. Wer schießt, gewinnt. Und manchmal reicht schon ein bisschen frecher Mut, um ein Spiel zu tanzen - so wie FK Hainburg an diesem Abend. 07.07.643993 05:47 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts