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Oberliga B | 3. Spieltag | 19.09.26 | Fichte Bielefeld - Rendsburger TSV 2:1 Dabei begann die Partie, als hätte Rendsburg beschlossen, den Ball möglichst schnell und möglichst oft in Richtung Pascal Wirth zu befördern. Niels Ackermann prüfte den Bielefelder Torwart bereits in der 4. Minute, Elias Hanke legte eine Minute später nach. Es folgten weitere Versuche von Jegor Prjaschnikow, Ackermann und Nevio Baer. Die Rendsburger Offensive war wach, beweglich und offenbar fest entschlossen, den Begriff "Torschuss" nicht nur aus dem Spielbericht zu kennen. Fichte blieb zunächst geduldig. Vielleicht etwas zu geduldig. Carl Gärtner meldete sich in der 10. Minute erstmals an, ehe er in der 31. Minute ernst machte: Nach Vorarbeit von Gerard Shuck traf der 20-Jährige zur 1:0-Führung. Ein Angriff, zwei Beteiligte, ein Tor - aus Bielefelder Sicht eine geradezu unanständig effiziente Angelegenheit. Rendsburg hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfach angeklopft, Fichte hatte die Tür geöffnet und einfach den besseren Zeitpunkt erwischt. "Wir wollten nicht jedem Ball hinterherlaufen. Das sieht von außen manchmal aus wie Gelassenheit, ist aber auch anstrengend", soll Gärtner nach dem Abpfiff mit einem Grinsen gesagt haben. Der Satz passte zum Spiel: Rendsburg machte Druck, Bielefeld bewahrte die Nerven - zumindest meistens. Mit der knappen Führung ging es in die Pause. Kurz nach Wiederbeginn kam dann die Quittung für die Rendsburger Beharrlichkeit. In der 48. Minute bediente Ackermann Günter Engelhardt, der zum 1:1 ausglich. Der Treffer war verdient, denn Rendsburg hatte sich längst ein deutliches Übergewicht bei den Abschlüssen erarbeitet. Insgesamt kamen die Gäste auf 18 Torschüsse, während Fichte lediglich vier verzeichnete. Fußball ist eben kein Bewerbungsverfahren, bei dem die längere Liste automatisch gewinnt. Bielefeld geriet danach weiter unter Druck, hielt aber dagegen. Beide Teams blieben taktisch grundsätzlich ausgewogen, ohne extremes Pressing oder wilde Systemwechsel. Rendsburg kombinierte ordentlich, Fichte verteidigte mit wachsender Hingabe. In der 67. Minute wurde es für die Gäste zusätzlich kompliziert: Marwin Erdmann sah nach seiner zweiten Verwarnung die Gelb-Rote Karte. Ausgerechnet jener Spieler, der schon in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Gelb gesehen hatte, musste nun vorzeitig duschen. Ein Abend, an dem sich Gedächtnis offenbar nicht überall durchgesetzt hatte. Trotz Unterzahl blieb Rendsburg gefährlich. Elias Hanke, Günter Engelhardt und Niels Ackermann suchten weiterhin den Abschluss. Doch dann schlug Fichte erneut zu. In der 78. Minute traf Nick Ledig nach Vorlage von Shuck zum 2:1. Wieder war die Bielefelder Ausbeute bemerkenswert: vier Torschüsse, zwei Tore. Die Gastgeber hatten aus ihren Möglichkeiten beinahe ein kleines Geschäftsmodell gemacht. "Wir wussten, dass Rendsburg mehr Ballbesitz haben würde. Aber der Ballbesitz bekommt leider keine Punkte", erklärte Gästetrainer Richard Kn nach dem Spiel. Tatsächlich lagen die Werte nahezu gleichauf: 49,79 Prozent für Bielefeld, 50,21 für Rendsburg. Es war also kein klassischer Belagerungszustand, eher ein Spiel, in dem die Gäste häufiger schossen und die Gastgeber genauer zielten. In der Schlussphase warfen die Rendsburger trotz Unterzahl noch einmal alles nach vorn. Ackermann versuchte es in der 90. Minute ein letztes Mal, doch der Ausgleich blieb aus. Bielefeld brachte den Vorsprung über die Zeit und feierte am dritten Spieltag einen 2:1-Erfolg, der nicht nach Schönheitspreis, dafür nach Abgezocktheit aussah. Fichte Bielefeld hat damit bewiesen: Man muss nicht häufiger schießen, um öfter zu treffen. Manchmal reicht es, wenn der Fußball kurzzeitig vergisst, dass Statistik eigentlich Eindruck machen soll. 20.09.2026 18:20 |
Sprücheklopfer
Wunderschön, mit dem Außenspann, teilweise mit dem Vollspann.
Günter Netzer