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Wenn Fußball ein Geduldsspiel wäre, hätte Tampere Town an diesem Sonntagabend in der 1. Liga Finnland vermutlich die Siegermedaille für "tapferes Durchhalten" verdient. Doch bei aller Disziplin blieb den 17.465 Zuschauern im stimmungsvollen Stadion von Tampere am Ende nur das resignierte Kopfschütteln: 0:2 lautete das nüchterne Ergebnis gegen FF Jyväskylä - und das war noch schmeichelhaft. Von Beginn an brannte Jyväskylä ein Offensivfeuerwerk ab, als hätten sie vergessen, dass in Finnland die Sonne gar nicht so lange scheint. Schon in den ersten zehn Minuten prüften Vilhelm Carlsen (2. und 3. Minute) und Gabriel Nelsen (7.) den wackeren Torhüter Siddik Erdinc, der sich jedoch mehrfach mit akrobatischen Paraden auszeichnete. "Ich hatte das Gefühl, ich spiele Handball - nur ohne Punkte für gehaltene Bälle", grinste der Keeper später mit Galgenhumor. Tampere versuchte, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen, blieb aber weitgehend harmlos. Die Statistik spricht Bände: 3 Torschüsse der Hausherren gegen 16 der Gäste, und das bei 46 Prozent Ballbesitz. Trainername? Fehlanzeige in den Akten, aber sein Gesicht sprach Bände: eine Mischung aus stiller Verzweiflung und der Hoffnung auf ein Wunder, das nicht kam. Die erste Halbzeit endete torlos, was Tampere fast wie einen Etappensieg feierte. "Wir wollten erstmal hinten stabil stehen", erklärte Innenverteidiger Toni Rautiainen, der kurz vor der Pause noch mit einer rustikalen Grätsche für Aufsehen sorgte - und in der 51. Minute folgerichtig Gelb sah. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", rechtfertigte er sich lachend, während sein Trainer den Kopf schüttelte. Nach dem Seitenwechsel ging es dann Schlag auf Schlag - oder besser gesagt: Schuss auf Schuss. In der 58. Minute brach endlich der Bann: Der quirlige Rechtsaußen Nevio Bermudo vollendete eine sehenswerte Kombination über Jacek Fuhl. Eine Minute später, kaum hatte Tampere den Anstoß ausgeführt, klingelte es erneut. Emiliano Castrovillari, der bislang unauffällige Taktgeber im Mittelfeld, zog aus gut 20 Metern ab - der Ball zischte unhaltbar in den Winkel. "Ich habe einfach mal draufgehalten. Wenn du’s nicht probierst, triffst du nie", sagte Castrovillari mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Selbstzufriedenheit pendelte. Während Jyväskylä spielerisch glänzte, wirkte Tampere zunehmend ratlos. Der junge Heikki Nieminen (19) versuchte sich in der 50. Minute an einem Distanzschuss, aber Gästekeeper Vicente Domingos musste sich kaum bewegen. Später, in der 77. Minute, durfte auch Harald Ott noch einmal sein Glück versuchen - doch auch er fand seinen Meister im portugiesischen Schlussmann. Trainer Ricky Zinn von FF Jyväskylä zeigte sich nach Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen. Aber ich mag es, wenn meine Jungs das Publikum ein bisschen zappeln lassen." Seine Mannschaft blieb auch nach der 2:0-Führung offensiv, drängte auf das dritte Tor und zeigte Pressing bis zur letzten Minute. Dass Innenverteidiger Fotios Nikolopoulos in der 82. Minute verletzt vom Platz musste, trübte die Stimmung nur kurz - Ersatzmann Ingo Lupus fügte sich nahtlos ein. Die letzten Minuten waren mehr Schauspiel als Sport. Tampere wirkte ausgelaugt, als hätte man ihnen den Mut aus den Schienbeinschonern gezogen. In der Nachspielzeit humpelte auch noch Hermanni Kolkka vom Feld - das Publikum seufzte kollektiv. "Wir haben alles gegeben", meinte er nach dem Spiel, "aber wenn du keinen Zugriff bekommst, ist das wie gegen den Wind zu laufen." Am Ende blieb Tampere nur die Erkenntnis, dass man Spiele nicht mit Ballbesitz, sondern mit Ideen gewinnt. Jyväskylä wiederum zeigte, dass Offensivgeist und Geduld sich auszahlen - und setzte sich mit dem verdienten 2:0 endgültig in der oberen Tabellenhälfte fest. Vielleicht war es sinnbildlich, dass ausgerechnet der Stadionsprecher beim Abpfiff das Mikrofon fallen ließ. Es klirrte kurz, dann war Stille. Ein Abend, an dem alles gesagt war - außer, dass Tampere dringend einen Plan B braucht. Oder, wie es Torhüter Erdinc trocken formulierte, als er sich den Schweiß aus der Stirn wischte: "Manchmal ist der Ball einfach besser als wir." (595 Wörter) 17.05.2026 21:16 |
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Der Schiri kann froh sein, dass ich ihm keine geschmiert habe.
Werner Lorant