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Wer zu spät ins Stadion kam, hat das halbe Spiel verpasst - oder zumindest die Tore. Schon nach 20 Minuten stand das Ergebnis fest, das am Ende auch auf der Anzeigetafel leuchtete: 2:2. FK Pirmasens und BW Magdeburg boten am 7. Spieltag der Regionalliga B ein Spektakel der frühen Sorte, danach vor allem Kampf, Krampf und ein paar verpasste Großchancen, die man in der Pfalz wohl noch eine Weile diskutieren wird. "Ich dachte, wir spielen Eishockey - vier Treffer in einem Drittel!", witzelte Pirmasens-Trainerin Gudrun Schweitzer nach dem Schlusspfiff und grinste dabei so, als hätte sie selbst noch Lust auf Verlängerung gehabt. Dabei begann alles nach Maß für die Gastgeber. In der 9. Minute nahm Archie MacAlister Maß und knallte den Ball, nach feiner Vorarbeit von Dani Tabenkin, unhaltbar in die Maschen. Drei Minuten später legte Hugo Alves nach - diesmal kam der entscheidende Pass von Nikolai Dotschew. 2:0 nach zwölf Minuten, das Stadion stand Kopf, die 3.654 Zuschauer rieben sich die Augen. Doch wer gedacht hatte, Magdeburg würde sich ergeben, kannte die jungen Wilden von Trainer Sven Lange nicht. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen endlich aufwachen - das war kein Freundschaftsspiel", erzählte Lange später mit einem Augenzwinkern. Und sie wachten auf: Erst traf Manuel Martins in der 19. Minute nach einem präzisen Zuspiel von Marvin Hoffmann, nur eine Minute später glich Markus Lohmann, ebenfalls nach Hoffmann-Vorlage, zum 2:2 aus. Zwei 18-Jährige trafen, und plötzlich war das Spiel so offen wie die Pfälzer Abwehr. Was folgte, war ein intensiver Schlagabtausch - zumindest in der Theorie. In der Praxis neutralisierten sich beide Teams weitgehend. Magdeburg hatte mit 56 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, Pirmasens rannte viel, aber selten mit Plan. Die Statistik zählte 14 Torschüsse für die Gäste, 12 für die Hausherren - ein Beleg für den ausgeglichenen Schlagabtausch, aber auch für die fehlende Präzision im Abschluss. In der zweiten Halbzeit versuchte Schweitzer, mit zwei Wechseln zur Pause frische Impulse zu setzen. Müjdat Öztürk kam für Hugo Alves, Alex Coviello ersetzte Marcel Fuhl - das Spiel aber blieb das gleiche: viel Einsatz, wenig Ertrag. "Wir wollten kompakter stehen und dann stechen", erklärte Schweitzer, "aber manchmal ist der Stachel eben stumpf." Magdeburg drückte, aber ohne Fortune. Markus Lohmann ackerte vorne unermüdlich, scheiterte aber mehrfach an Torhüter Günther Fritsch, der in der 71. Minute eine Glanzparade zeigte und danach mit den Armen wedelte, als wolle er sagen: "Nicht mit mir, Jungs!" Pirmasens hingegen lauerte auf Konter, und tatsächlich hätte Noah Specht in der 77. Minute fast das 3:2 erzielt - sein Schuss strich jedoch knapp am Pfosten vorbei. "Ich hab den Jubel schon im Ohr gehabt", gestand der 19-Jährige später, "aber dann hat der Ball wohl andere Pläne gehabt." Die Schlussphase brachte mehr Gelbe als goldene Momente: In der 92. Minute sah Kornej Babinow Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - sinnbildlich für den zunehmenden Kräfteverschleiß. Schweitzer wechselte in der 80. Minute noch einmal: David Bernier kam für Sergio Garcia und brachte zumindest etwas Ruhe ins Zentrum. Doch ein Siegtreffer wollte nicht mehr fallen. Magdeburg-Coach Lange zeigte sich nach dem Spiel halb zufrieden, halb genervt: "Wir haben das Ding nach 0:2 super gedreht, aber dann vergessen, dass Fußball 90 Minuten dauert. Vielleicht hätten wir einfach noch zwei Tore früher anfangen sollen." Und Pirmasens? Die Fans applaudierten trotzdem - für Kampfgeist, für Drama, für ein Spiel, das mit seiner Energie die frostige Januarluft aufheizte. Die Heimelf zeigte, dass sie Moral besitzt, auch wenn die Defensive zeitweise auf wackligen Beinen stand. Am Ende blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das beide Seiten wohl als "gerecht, aber unbefriedigend" abhaken werden. Pirmasens bleibt damit im unteren Mittelfeld, Magdeburg verpasst den Sprung in die Spitzengruppe. Oder, wie Archie MacAlister es trocken formulierte: "Wenn du in zwölf Minuten zwei Tore schießt, denkst du, du gewinnst. Wenn du in zwei Minuten zwei kriegst, weißt du, dass du Regionalliga spielst." Ein Satz, der wohl noch in der Kabine nachhallte - während draußen die letzten Fans im Flutlichtschimmer überlegten, ob sie das Spiel gerade spannend oder einfach nur verrückt fanden. Wahrscheinlich beides. 29.03.643987 17:18 |
Sprücheklopfer
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
Franz Beckenbauer