Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Ferraris trifft früh, Halle kontert doppelt - Gera verliert den Faden

Ein Freitagabendspiel in der Regionalliga B, Flutlicht, 4.397 Zuschauer, kalter Januarwind über Gera - und am Ende ein Ergebnis, das den 1. FC Gera frustriert zurücklässt: 1:2 gegen Rot-Weiß Halle. Dabei hatte es nach 21 Minuten noch so ausgesehen, als würde das Spiel für die Hausherren in die richtige Richtung laufen.

Christian Ferraris, der flinke Rechtsaußen, setzte nach mustergültiger Vorarbeit von Noah Hiliard zum Sprint an, zog kurz nach innen und drosch den Ball mit solcher Entschlossenheit ins Netz, dass Gästetorhüter Nikanor Dawydow wohl erst im Nachhinein wusste, was genau passiert war. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach selbst rein", grinste Ferraris später, während er in der Mixed Zone sein verschwitztes Trikot auswrang.

Doch Gera durfte sich nur kurz freuen. Halle, das Team von Trainer Luis Muriel, schüttelte den Rückstand ab wie ein bisschen Staub von der Schulter. In der 41. Minute legte Jose Carballo nach, nachdem Jürgen Runge mit einem beherzten Vorstoß über links die Geraer Defensive in Auflösung versetzt hatte. "Wir wollten ruhig bleiben und unser Spiel weiterspielen", erklärte Muriel nachher trocken. Eine Minute später war’s dann schon geschehen: Daniel Brun, der flinke Flügelflitzer, erzielte nach Zuspiel von Antonio Marano das zweite Tor für Halle. Zwei Tore in 120 Sekunden - Gera wirkte konsterniert, das Publikum murmelte ungläubig.

"Das war wie ein Stromausfall mitten im Wohnzimmer", sagte Gera-Coach (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) - halb lachend, halb verzweifelt. Und tatsächlich: Nach diesen zwei Schlägen kam seine Mannschaft nie wieder richtig in Tritt.

Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel - zumindest fast: Halle hatte mit 54 Prozent den etwas größeren Ballbesitzanteil, Gera lag bei rund 46 Prozent. Auch bei den Torschüssen stand’s 12 zu 8 für die Gäste. Doch die nackten Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Gera spielte kämpferisch, mit Einsatz, manchmal auch mit übertriebener Leidenschaft. Ferraris hatte in der 61. Minute noch einmal eine dieser Chancen, die in der Wiederholung immer wie ein Tor aussehen. Aber Dawydow war zur Stelle, mit einem Reflex, wie ihn sonst nur Torhüter in Hochglanz-Werbungen zeigen.

In der 52. Minute hätte Benjamin Hennessy ausgleichen können, doch sein Schuss aus 18 Metern verfehlte das Tor um Haaresbreite - und die Zuschauer auf der Tribüne um ein paar Dezibel. "Ich hab’ den Ball perfekt getroffen - leider hat das Tor nicht mitgespielt", sagte Hennessy später mit einem gequälten Lächeln.

Rot-Weiß Halle wirkte in der zweiten Halbzeit abgeklärt, fast schon nüchtern. Sie zogen ihr "balanced"-Konzept konsequent durch - kein wildes Pressing, kein unnötiges Risiko. Trainer Muriel kommentierte das nach dem Spiel mit der Ruhe eines Schachspielers: "Wir wollten Gera laufen lassen. Wenn du läufst, während der andere denkt - dann verliert irgendwann der, der läuft."

Und Gera lief. Und kämpfte. Und schoss. Aber der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. In der 89. Minute hätte Daniel Brun sogar noch das 3:1 erzielen können, doch sein Schuss zischte knapp am langen Pfosten vorbei.

Nach dem Abpfiff mischte sich Enttäuschung mit Applaus. Die Gera-Fans wissen, dass ihre Mannschaft Herz zeigt - aber eben auch, dass Herz allein in der Regionalliga selten drei Punkte bringt. "Wir dürfen uns nicht auf dem frühen Tor ausruhen", meinte Ferraris ernst, als die Reporter ihn noch einmal befragten. "Das Spiel dauert neunzig Minuten, auch wenn wir manchmal hoffen, es wären nur fünfundvierzig."

Fazit eines Abends, der mehr versprach, als er hielt: Gera begann mutig, verlor aber kurz vor der Pause den Faden - und Halle nutzte das eiskalt. Zwei blitzsaubere Treffer, etwas mehr Ballbesitz und die reifere Spielanlage entschieden die Partie.

Als die Flutlichter erloschen, blieb den Zuschauern nur der Gedanke, dass Fußball manchmal einfach ein gemeines Spiel ist: Du führst, du träumst, und ehe du dich versiehst, steht’s 1:2. Oder wie ein älterer Fan am Bierstand seufzte: "Wenn’s wenigstens geregnet hätte, dann hätte das alles wenigstens nach Drama gerochen."

Rot-Weiß Halle jubelte, Gera schüttelte die Köpfe - und die Regionalliga B bekam einen weiteren Beweis, dass selbst ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht, um einen ganzen Abend zu kippen.

30.09.643987 18:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Bevor wir für einen Torwart 15 bis 20 Millionen Mark bezahlen, stelle ich mich selbst ins Tor.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager