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Fenehrbace zittert sich zum Pokalsieg - Drama in 126 Minuten und 13 Elfmetern

Ein Pokalfinale wie aus einem Drehbuchautor-Traum: 67.750 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Istanbul erlebten am Dienstagabend eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Am Ende jubelte Fenehrbace - 7:6 nach Elfmeterschießen gegen das tapfere Tokatspor. Ein Ergebnis, das so knapp war, dass selbst der Schiedsrichter kurzzeitig nachzählte, ob wirklich alle geschossen hatten.

Dabei schien alles nach Plan zu laufen - zumindest für Trainer Hansi Flicks Fenehrbace, die mit gewohnt offensiver Ausrichtung aufliefen. Doch schon in der 20. Minute setzte Tokatspors Stürmer Jose Pacos den ersten Nadelstich. Nach einem feinen Pass des 17-jährigen Hakan Calhanoglu (ja, genau der - der mit dem Bartflaum und der Technik eines 30-Jährigen) drosch Pacos den Ball humorlos ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er später. "Wenn man so trifft, darf man auch mal unbescheiden sein."

Fenehrbace antwortete prompt - und zwar mit Leidenschaft. In der 26. Minute knallte Rafael Bermudez, der linke Flügelflitzer, nach Zuspiel von Abdullah Simsek den Ball ins Eck. 1:1, das Spiel war wieder offen, das Stadion ein Tollhaus. Nur 15 Minuten später folgte der nächste Jubel: Tiago Almeida, der bullige Mittelstürmer, verwertete eine butterweiche Flanke von Zihni Tanman - 2:1!

"Da dachte ich, wir hätten sie", gab Flick später zu. "Aber Tokatspor hat das Herz eines Pokalfinalisten. Die kriegst du einfach nicht klein."

Und tatsächlich - Tokatspor kam zurück. In der 71. Minute war es Ronny Solodkin, der nach Vorarbeit von Tyler Combe den Ball unter die Latte nagelte. 2:2, und plötzlich roch das Ganze nach Verlängerung.

Die kam - und sie hatte es in sich. Fenehrbace drückte, schoss (24 Torschüsse insgesamt), aber Tokatspors Keeper Vincenzo Lattarico hielt wie ein Mann, der sein Bewerbungsvideo für die Serie "Unbezwingbar" drehte. Als dann auch noch Fenehrbace-Verteidiger Tahsin Caliskan in der 110. Minute Rot sah, weil er Pacos ein Bein stellte, kippte die Stimmung. "Ich hab den Ball gespielt", rief Caliskan noch, während er vom Platz stapfte. Der Ball befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings drei Meter entfernt.

Doch das Team von Flick verteidigte mit zehn Mann eisern. In der 124. Minute hatte Abdullah Simsek sogar noch den Sieg auf dem Fuß, setzte aber einen Freistoß knapp über die Latte. Danach: Elfmeterschießen.

Und was für eins! Tiago Almeida eröffnete souverän, Pacos glich aus. Bermudez traf, Inigo Calderon ebenso. Dann kam Jörg Specht - eben noch Gelb gesehen, jetzt eiskalt vom Punkt. Tokatspors Solodkin schoss ebenso sicher, während Fenehrbaces Zihni Tanman mit einem verschämten Lächeln den Ball über den Querbalken jagte. "Ich wollte den Torwart verladen", erklärte er später, "und hab wohl den Ball gleich mit verladen - auf die Tribüne."

Doch Tokatspor ließ Nerven. Jose Velasquez traf nur den Pfosten, Nathan Nelis drosch seinen Versuch ins Nirvana. Als schließlich Abdullah Simsek den letzten Elfer verwandelte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Flick rannte über den Platz, umarmte jeden, der nicht schnell genug wegrannte.

"Das war kein Spiel, das war ein Herzinfarkt in Etappen", schnaufte der Trainer nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber Friedel Friese nahm die Niederlage sportlich: "Wenn du mit so viel Herz spielst und am Ende am Pfosten scheiterst, dann weißt du, der Fußballgott hat Humor."

Statistisch war das Finale eine einseitige Angelegenheit - 24:8 Torschüsse für Fenehrbace, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aber nur 48 Prozent Ballbesitz. Tokatspor spielte die Rolle des zähen Außenseiters perfekt, lauerte auf Konter, kämpfte mit Leidenschaft - und brachte den Favoriten an den Rand der Verzweiflung.

Im Innenraum jubelte Tiago Almeida noch Minuten später mit einer Plastikfaust aus der Fankurve. "Ich wollte schon immer einen Pokal in der Hand halten", rief er lachend, "jetzt hab ich wenigstens den Deckel!"

So endete ein Abend, an dem alles drin war: Tempo, Tore, Karten, Blut, Schweiß und ein bisschen Tränenflüssigkeit. Und irgendwo in der Kabine summte wohl jemand leise: "So schön wie heute wird’s nie wieder."

Denn eines ist sicher - dieser Pokalabend wird in Fenehrbace noch lange erzählt werden. Und Tokatspor? Die wissen jetzt, dass man selbst mit gebrochenem Herzen Applaus ernten kann.

13.04.643990 12:07
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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