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Ein kühler Januarabend, Flutlicht, 43 500 Zuschauer im Nevsehir-Stadion - und ein Pokalduell, das die Bezeichnung "Achtelfinale" mit Drama füllte. Am Ende stand ein 2:3 (1:2) aus Sicht der Gastgeber, die mit offenem Visier antraten, aber am Ende an sich selbst und an einem eiskalten Gegner scheiterten. Nevsehir begann, als hätte Trainer Mehmet Kaan seine Jungs vor dem Anstoß mit Espresso intravenös versorgt. Schon in der 5. Minute zappelte der Ball im Netz: Seha Aurelio, der rechte Wirbelwind, vollendete eine butterweiche Flanke von Turhan Sentürk zum 1:0. Die Tribünen bebten, die Ersatzbank jubelte, und Kaan brüllte: "So wollte ich das sehen - mutig, direkt, frech!" Man ahnte da noch nicht, dass dieser Satz später wie eine bittere Ironie klingen würde. Denn kaum hatten die Heimfans das erste Bier ausgetrunken, drehte sich das Spiel. Fenehrbace, von Hansi Flick gewohnt taktisch diszipliniert eingestellt, übernahm mit 59 Prozent Ballbesitz das Kommando. In der 24. Minute traf Cemalettin Bulut nach klugem Zuspiel von Rafael Bermudez zum 1:1, nur sechzig Sekunden später sorgte Rechtsverteidiger Olgun Tekke mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe für das 1:2. "Ich hab gedacht, der probiert’s nie - und dann haut er das Ding rein, als hätte er’s geübt", grinste Flick später, der selten so entspannt wirkte. Nevsehir schwankte, fiel aber nicht. Aurelio, im roten Trikot der auffälligste Spieler, kämpfte sich immer wieder in den Strafraum, flankiert von der unermüdlichen Laufarbeit des jungen Turhan Sentürk. Doch die Gäste standen sicher, ihr Passspiel lief geschmeidig, während Nevsehir zu oft mit langen Bällen ins Niemandsland operierte. In der Pause wirkte Kaan kämpferisch: "Wir sind nicht schlechter, wir sind nur ungeduldiger!" Man konnte ihm kaum widersprechen. Und tatsächlich, nach dem Seitenwechsel kam Nevsehir mit frischem Elan aus der Kabine - und prompt fiel der Ausgleich. Wieder war es Seha Aurelio, diesmal in der 55. Minute, der nach einem Abpraller am schnellsten reagierte und den Ball flach ins linke Eck schob. 2:2, und plötzlich glaubte das Stadion wieder an das Wunder. Doch Fußball kann grausam sein. Nur drei Minuten später, als Nevsehir gerade das Publikum wieder im Rücken hatte, kam Fenehrbace über links - und Jörg Specht, der sonst eher für rustikale Grätschen bekannt ist, traf aus spitzem Winkel zum 2:3. Der Jubel bei den Gästen war ohrenbetäubend, und Nevsehir wirkte konsterniert. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: zehn Torschüsse für Nevsehir, dreizehn für Fenehrbace, ein Dutzend vergebene Chancen und ein Torwart Sergio Rueda, der seine Vorderleute mehrfach lautstark zusammenschnauzte. In der 75. Minute hatte Aurelio den Hattrick auf dem Fuß, zog aber aus sieben Metern über die Latte. Als der Ball in der 90. Minute noch einmal durch den Strafraum der Gäste flog, rief ein Fan von der Tribüne: "Nur Mut, Jungs!", worauf Trainer Kaan trocken antwortete: "Mut haben sie genug, Zielwasser fehlt." Flick, der an der Seitenlinie meist stoisch blieb, gönnte sich nach dem Schlusspfiff ein seltenes Lächeln. "Wir waren nicht perfekt, aber effizient. Und das ist im Pokal manchmal wichtiger als schön zu spielen", meinte er mit einem Schulterzucken. Kaan dagegen stand minutenlang am Spielfeldrand, den Blick ins Nichts gerichtet. "Das tut weh, weil wir alles gegeben haben. Aber wir haben uns vom eigenen Feuer ein bisschen verbrannt", sagte er später in der Pressekonferenz - und verschwand wortlos in den Katakomben. Fenehrbace zieht also verdient ins Viertelfinale ein, während Nevsehir trotz beherztem Auftritt die bittere Erfahrung machen musste, dass Offensivfußball ohne Kaltschnäuzigkeit nur selten belohnt wird. Vielleicht tröstet die Erkenntnis, dass man gegen einen überlegenen Gegner nicht unterging, sondern mit wehender Fahne ausschied. Oder, wie es Aurelio mit einem müden Lächeln formulierte: "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir irgendwann auch mal was - nur halt nicht heute." Und so blieb den 43 500 Zuschauern ein Spiel, das alles bot: Tempo, Tore, Drama - und die Erkenntnis, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat. Manche davon sind schlicht ungerecht, aber genau deshalb lieben wir diesen Sport. 19.09.643987 01:29 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale