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Fehérvár verzweifelt, San Marino jubelt: Späte Wende im Hexenkessel

Es war einer dieser Abende, an denen ein Stadion zur Bühne für Tragödie und Triumph zugleich wird. 79.500 Zuschauer in der Fehérvár Arena bekamen beim 1:2 (0:0) ihres SC Fehérvár gegen Außenseiter San Marino alles geboten - außer das, was sie sich erhofft hatten: einen Sieg zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase.

Dabei hatte alles nach einem ruhigen Pflichtsieg ausgesehen. Fehérvár startete, als wollte man den Gegner einfach überrollen. Schon in der ersten Minute prüfte Fjodor Konowalenko den Keeper Irakli Schadrin - ein satter Schuss, den der San-Marinese mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Trainer Mina Aryabhata stand da noch entspannt an der Seitenlinie und rief: "Weiter so, Jungs, der Ball will schon rein!"

Er wollte aber partout nicht. 17 Torschüsse notierten die Statistiker für Fehérvár, dazu 52 Prozent Ballbesitz. Das sah auf dem Papier nach Dominanz aus, auf dem Rasen jedoch nach Verzweiflung. San Marino dagegen konterte klug, manchmal etwas rustikal, aber stets mit Herz. "Wir wussten, dass wir nicht die Schönsten auf dem Parkett sind", grinste Gästetrainer Husti Nette später, "aber Tanzen können wir trotzdem."

Die erste Halbzeit endete torlos, doch nicht ereignislos. Rechtsverteidiger Benjamin Brauer sah früh Gelb (11.), Luke Gunn tat es ihm 26 Minuten später gleich. Dazwischen musste Mina Aryabhata schon in der 19. Minute wechseln, weil sich Desire Fazekas verletzte - ein herber Rückschlag für die linke Seite. "Das war wie ein Stein im Getriebe", meinte Aryabhata später.

Dann die 58. Minute: San Marino wagte sich einmal mutig nach vorne, Alexander Douglas flankte aus dem rechten Halbfeld, und David Santarossa drosch den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck - 0:1. Ein Raunen ging durch das Stadion, das eher an ein kollektives Einatmen erinnerte.

Doch kaum war der Jubel der Gäste verklungen, antwortete Fehérvár: Nur eine Minute später schob Eskil Bruhn nach Vorlage von Szabolcs Sztani zum Ausgleich ein. Der Mittelstürmer breitete die Arme aus, rief Richtung Tribüne: "Jetzt geht’s los!" - und man glaubte es ihm.

Fehérvár drückte, rannte, schoss - Bruhn gleich dreimal zwischen Minute 59 und 65, Storm und Gunn aus allen Lagen. Aber der Ball fand den Weg ins Tor nicht. "Ich hätte auch das Tornetz treffen können, aber das zählt ja leider nicht", witzelte Gunn nach dem Spiel mit Galgenhumor.

San Marino dagegen lauerte weiter. Ihr Trainer Nette hatte bei der Trinkpause in der 75. Minute mit einem verschmitzten Lächeln zu seinem Kapitän gesagt: "Wenn’s heute noch einmal in unsere Richtung läuft, dann trinken wir den guten Wein schon im Flieger." Und tatsächlich - in der 88. Minute war es so weit. Rechtsverteidiger Oktar Sargun marschierte die Linie entlang, flankte halbhoch in den Strafraum, wo der junge Salvatore Cattaneo, gerade einmal 21, sich in die Geschichte seines kleinen Landes köpfte. 1:2.

Die Fehérvár-Spieler sanken zu Boden, der Trainer schlug die Hände vors Gesicht. Auf der anderen Seite tanzten elf Männer in himmelblauen Trikots, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. "Vielleicht war’s ja unser Pokal", lachte Sargun später.

Die Statistik sprach am Ende eine andere Sprache: 17:7 Torschüsse, 53 Prozent Zweikampfquote, drei Gelbe Karten für Fehérvár, keine für San Marino. Doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb, und Tore zählen nun mal mehr als Ballbesitz.

"Wir haben alles versucht, aber der Ball hatte heute andere Pläne", seufzte Mina Aryabhata auf der Pressekonferenz. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal den Rasen bestechen." Neben ihm grinste Husti Nette breit und meinte trocken: "Oder einfach uns den Ball geben - wir machen was draus."

San Marino feierte den größten Auswärtssieg seiner Vereinsgeschichte, Fehérvár dagegen bleibt ratlos zurück. Die Fans applaudierten trotzdem, vielleicht aus Mitleid, vielleicht, weil sie ahnten, dass sie Zeugen eines dieser Spiele geworden waren, die man nicht vergisst.

Und während die Flutlichtmasten über der Arena langsam erloschen, klang über den Lautsprecher noch einmal die Stadionhymne. Doch diesmal sang keiner mehr mit - zu frisch war der Stich. Nur ein alter Ordner murmelte in seinen Bart: "Wenn du 17-mal aufs Tor schießt und trotzdem verlierst, ist das kein Pech - das ist Poesie."

Ein bitterer, aber wunderschöner Fußballabend.

08.04.643987 07:45
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