// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn man in Wusterwitz dieser Tage über Fußball spricht, klingt es nach Tatendrang, jugendlicher Unbekümmertheit - und einem kräftigen Lachen von Trainer Tom Fritz. "Ich hab den Jungs vor dem Spiel gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann bitte richtig", grinste der Coach nach dem 4:1‑Sieg seines FC Wusterwitz über den FC Homberg am Freitagabend. Seine Spieler haben offenbar zugehört - und wie! Vor 5223 Zuschauern im kleinen, aber stimmungsvollen Wusterwitzer Stadion begann die Partie allerdings mit einem Paukenschlag der Gäste. Keine 60 Sekunden waren gespielt, da drosch Hombergs linker Verteidiger Daniel Ogararu den Ball aus gut 25 Metern einfach mal drauf - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", murmelte der 19‑Jährige später verlegen, während Trainer Fridolin von Zahn die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Wusterwitz lag 0:1 hinten, bevor die eigenen Fans überhaupt ihre Bratwurst ausgepackt hatten. Doch anstatt zu wanken, reagierten die Hausherren mit kontrollierter Wut. Finn Roth, der quirlige Rechtsaußen, prüfte Homberg‑Keeper Marc Berthier schon in der 14. Minute, ehe er sieben Minuten später das 1:1 besorgte. Nach klugem Zuspiel von Johann Zander schob Roth den Ball links unten ein. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte der 24‑Jährige, "wenn ich das tue, geht er meist vorbei." Von da an war Wusterwitz im Spiel. Der Ballbesitz blieb mit 49,9 Prozent ausgeglichen, aber in Sachen Zielstrebigkeit herrschte Klassenunterschied: 20 Torschüsse der Gastgeber standen gerade einmal vier Homberger Versuchen gegenüber. In der 35. Minute drehte Luca Philipp das Spiel, als er eine Vorlage von Walther Buchholz trocken ins Netz hämmerte - 2:1. "Luca ist 19, spielt als hätte er schon 100 Regionalligaspiele", lobte Trainer Fritz. Kurz vor der Pause flogen die Emotionen kurz hoch: Innenverteidiger Marco Müller sah Gelb, weil er Hombergs Stürmer Damgaard etwas zu deutlich zeigte, wo der Mittelkreis endet. "Ein kleines Missverständnis über persönliche Distanzen", witzelte Müller später. Nach dem Seitenwechsel brachte Fritz frische Beine - der 18‑jährige Dieter Mann kam für Curt Fröhlich, und auch Nico Behrendt ersetzte den fleißigen Zander. Ein goldener Griff, wie sich herausstellte. In der 60. Minute erzielte Werner Runge das 3:1, nach feiner Vorarbeit eben jenes Behrendt. Runge, der erst vier Minuten zuvor eingewechselt worden war, kommentierte trocken: "Wenn der Trainer sagt, geh rein und triff, dann macht man das halt." Homberg wirkte zu diesem Zeitpunkt ratlos. Trotz ihrer offensiven Grundordnung blieb das Angriffsspiel harmlos und vorhersehbar. Abwehrchef Jordi Izquierdo versuchte es einmal aus der Distanz - der Ball flog in Richtung Bahnhof. "Wir haben viel gewollt, aber wenig gefunden", gab Coach von Zahn später zu. In der Schlussphase wurde es dann noch einmal unterhaltsam - vor allem für Statistiker. Finn Roth kassierte Gelb, Marco Müller in der Nachspielzeit sogar Gelb‑Rot. "Ich wollte nur dem Schiri zeigen, dass ich fair spiele", grinste Müller mit einer Spur Selbstironie. Der Spielstand war da längst klar, denn in der 87. Minute machte der junge Dieter Mann alles endgültig rund: nach Vorlage - natürlich - von Nico Behrendt schob er zum 4:1 ein. Das Publikum tobte, und selbst Trainer Fritz ließ sich zu einem kleinen Tänzchen an der Seitenlinie hinreißen. Nach Abpfiff zeigte sich Hombergs Coach gefasst: "Wenn du nach einer Minute führst und am Ende 1:4 verlierst, dann weißt du, wo du ansetzen musst - überall." Sein Gegenüber Fritz nahm’s sportlich‑spitzbübisch: "Ich muss jetzt erstmal den Jungs erklären, dass sie nächste Woche wieder nur drei Punkte kriegen, egal wie viele Tore sie schießen." Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht den Unterschied: 20 Torschüsse zu 4, Tacklingquote 56 Prozent zu 44 Prozent - Wusterwitz war nicht nur effizienter, sondern schlicht wacher. Das Offensivkonzept mit kurzen Pässen und mutigen Flügelangriffen funktionierte, während Homberg trotz nominell offensiver Ausrichtung kaum Durchschlagskraft entwickelte. So bleibt der FC Wusterwitz nach fünf Spieltagen ein echter Farbtupfer der Regionalliga B: jung, frech, torhungrig - und ein bisschen chaotisch. Oder, wie es Torschütze Roth formulierte, während er sich Eis auf den Knöchel legte: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Man darf gespannt sein, ob die Wusterwitzer Euphorie nächste Woche anhält. Sicher ist: Wer in dieser Liga Tore sehen will, sollte sich den FC Wusterwitz vormerken - Eintritt und Unterhaltung garantiert. 27.12.643993 18:01 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon