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Manchmal spielt Fußball Geschichten, die man kaum glauben würde. Der 20. Spieltag der Regionalliga B brachte so eine hervor: 5:0 fegte der FC Wusterwitz am Freitagabend den FC Augsburg vom heimischen Rasen. 5420 Zuschauer im Wusterwitzer Parkstadion rieben sich ungläubig die Augen - und Trainer Tom Fritz grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Ich wollte eigentlich nur, dass die Jungs mutig spielen. Dass sie dann Augsburg filettieren, war nicht unbedingt Teil des Plans." Von der ersten Minute an war klar, dass hier David nicht nur Goliath ärgern wollte, sondern ihm am liebsten gleich die Schleuder über den Kopf ziehen würde. Wusterwitz, taktisch klar offensiv ausgerichtet, presste hoch, kombinierte frech - und schoss, als gäbe es kein Morgen. Ganze 24 Torschüsse verbuchte die Statistik am Ende. Augsburg? Null. Kein einziger Versuch auf das Tor. "Ich hab mehr Schüsse beim Elfmeterschießen meiner Tochter gesehen", murmelte ein leicht verzweifelter Gästefan auf der Tribüne. Das Spiel nahm Fahrt auf, als der 22‑jährige Hanns Konrad in der 22. Minute beherzt Maß nahm. Nach schöner Vorlage von Finn Roth zappelte der Ball im Netz - 1:0. Augsburgs Keeper Carsten Neubauer sah dabei mehr aus wie ein Mann, der überlegt, ob er die Heizung zu Hause angelassen hat. Nur 18 Minuten später erhöhte der quirlige Luca Philipp auf 2:0. Der 18‑Jährige, der wirkt, als hätte er noch Hausaufgaben im Rucksack, traf nach einer Ecke von Innenverteidiger‑Küken Marcel Voigt. "Luca ist ein Phänomen", lobte Trainer Fritz später. "Der läuft, lacht, trifft - und fragt danach, ob’s noch Cola im Kühlschrank gibt." In der Tat avancierte Philipp zum Mann des Abends. Nach dem Seitenwechsel legte er noch zweimal nach (66. und 95. Minute) und bereitete zudem das 4:0 von Walther Buchholz (68.) vor. Drei Tore, ein Assist - und das mit gerade mal 18 Jahren. "Ich hab einfach Spaß am Ball", meinte Philipp bescheiden, während seine Mitspieler ihn mit Wasser übergossen. Augsburg hingegen wirkte, als hätte man ihnen vor dem Anpfiff den Stecker gezogen. Obwohl sie mit 55 Prozent Ballbesitz sogar mehr vom Spiel hatten, blieb der Ertrag gleich null. Kein Tempo, keine Ideen, kein Schuss aufs Tor. "Wir hatten den Ball, aber keinen Plan", gestand ein zerknirschter Matthias Sommer. Trainer Tom Fritz’ Gegenüber - dessen Name in der Statistikliste kurioserweise fehlt, aber sicher auch nicht gern genannt werden wollte - stand stoisch an der Seitenlinie und sah zu, wie seine Mannschaft in Zeitlupe unterging. Die zweite Halbzeit wurde zur Wusterwitzer Fußballoper. Jeder Angriff der Blau‑Weißen roch nach Gefahr, jeder Pass hatte Ziel. Selbst als der junge Marcel Voigt in der 78. Minute Gelb sah, applaudierten die Fans - "endlich mal einer, der überhaupt noch zupackt", rief jemand lachend. Kurz darauf wechselte Fritz munter durch: Johann Zander kam für den blassen Nico Behrendt, Marko Weise ersetzte den soliden Ralf Meiser. Und als der 18‑jährige Rafael Witte später noch aufs Feld durfte, legte er prompt das 5:0 für Philipp auf - Fußball zum Dahinschmelzen. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", gab Torhüter Phillip Zimmermann später zu. "Aber dann fiel mir auf: Ich musste ja gar nichts halten." Tatsächlich blieb der Wusterwitzer Keeper weitgehend beschäftigungslos - sein Trikot blieb sauber, sein Kaffee vermutlich warm. Die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für Effizienz und Spielfreude: 24 Abschlüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fünf Tore, null Gegentreffer. Der FC Wusterwitz spielte, als wolle er beweisen, dass Regionalliga‑Fußball auch Kunst sein kann. Und Augsburg? Nun, die Schwaben dürften an diesem Abend gelernt haben, dass Ballbesitz allein kein Spiel gewinnt - schon gar nicht gegen eine hungrige Jugendbande aus Brandenburg. Zum Schluss meinte Trainer Fritz augenzwinkernd: "Ich sag’s mal so - wenn wir jetzt noch wüssten, wie man so was jede Woche hinkriegt, wär’s schlecht für die Spannung in der Liga." Ein 5:0, das nachhallt - für Wusterwitz ein Statement, für Augsburg ein Albtraum. Und irgendwo in der Kabine summte Luca Philipp leise vor sich hin. Vielleicht war’s ein Siegeslied. Verdient wär’s allemal. 16.01.643991 15:39 |
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