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FC Wusterwitz überrollt Fürstenwalde - 4:0 und kein Ende in Sicht

Es gibt Spiele, die schreibt man als Reporter mit abgenutztem Kugelschreiber und tiefem Seufzer, und es gibt Spiele wie dieses. 4:0 gewann der FC Wusterwitz am 7. Spieltag der Regionalliga B bei Fürstenwalde - und das Ergebnis schmeichelt den Gastgebern fast noch. 4367 Zuschauer sahen am Sonntagabend ein Lehrstück in Sachen Effizienz, jugendliche Unbekümmertheit und, ja, gelegentlich auch Mitleid.

Von Beginn an war klar, wer hier das Heft in der Hand hielt. Wusterwitz, trainiert vom stets heiter-ironischen Tom Fritz, spielte schnörkellos und mit erstaunlicher Ruhe. Schon in der 6. Minute prüfte Nico Behrendt den Fürstenwalder Keeper Karsten Wendt mit einem Schuss aus spitzem Winkel - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Fürstenwalde versuchte tapfer gegenzuhalten, hatte durch Timm Henkel zwei zaghafte Versuche (11. und 12. Minute), doch mehr als ein aufmunternder Applaus von der Haupttribüne sprang nicht heraus.

"Wir wollten mutig auftreten", erklärte Fürstenwaldes Trainer nach dem Spiel, "aber Mut ohne Ball ist halt schwierig." Ein Satz, der die Partie treffender zusammenfasst als jede Statistik.

In der 38. Minute dann die verdiente Führung: Der 19‑jährige Luca Philipp, ein Flügelspieler mit der Körperhaltung eines Straßenkickers und der Präzision eines Uhrwerks, vollendete einen Angriff über die linke Seite nach Vorlage von Ralf Meiser. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Philipp später, "der Ball wollte halt auch mal rein."

Mit dem 0:1 zur Pause waren die Gastgeber gut bedient. 49 Prozent Ballbesitz täuschten über das Geschehen hinweg - Wusterwitz hatte 21 Torschüsse, Fürstenwalde gerade mal fünf. Das wirkte nicht nach Spannung, sondern nach Geduldsspiel.

Nach dem Seitenwechsel versuchte Fürstenwalde, mit etwas mehr Offensive das Spiel zu drehen. Das Ergebnis war, gelinde gesagt, ernüchternd. Statt eigener Chancen öffneten sich Räume für die Gäste, deren jugendlicher Sturmduo Philipp und Mann zunehmend Gefallen daran fand, die Abwehr zu überlaufen.

In der 63. Minute schlug der 18‑jährige Dieter Mann zu: Nach schöner Vorarbeit von Werner Runge schob er überlegt ein - 0:2. Fürstenwaldes Innenverteidiger Kurt Feldmann, schon in der ersten Hälfte mit Gelb bedacht, sah dabei eher aus wie jemand, der überlegt, ob seine Versicherung Abwehrfehler abdeckt.

"Wir haben zu viel Respekt gehabt", gestand Kapitän Lionel Domingos später. "Und vielleicht auch zu viel Abstand zu unseren Gegenspielern - so drei, vier Meter zu viel."

Als das Spiel längst entschieden war, zeigte Philipp noch einmal, warum er als größtes Talent in Wusterwitz gilt: In der 76. Minute vollendete er nach einem Pass des erst 18‑jährigen Innenverteidigers Marcel Voigt zum 0:3. Ein Treffer so selbstverständlich, dass selbst die Fürstenwalder Fans höflich klatschten - wohl aus Mitleid, vielleicht auch aus Anerkennung.

Der Schlusspunkt folgte in der 87. Minute. Wieder Dieter Mann, wieder eiskalt. Vorlagengeber diesmal: Rechtsverteidiger Carl Schindler, der zuvor selbst eingewechselt worden war. "Carl meinte in der Kabine, er will auch mal was Zählbares liefern", erzählte Trainer Fritz mit einem Grinsen. "Na, jetzt hat er’s."

Am Ende stand ein 0:4, das so klar war wie die Rollenverteilung auf dem Platz. Wusterwitz agierte mit kurzen Pässen, kontrolliertem Pressing und einer bemerkenswerten Ruhe. Fürstenwalde dagegen rannte, kämpfte - und verhedderte sich meist schon im eigenen Aufbau.

Die Statistik liest sich wie eine Mahnung: 21 Torschüsse für Wusterwitz, fünf für Fürstenwalde; Zweikampfquote 57 Prozent zu 43 Prozent. Dass die Gastgeber überhaupt knapp die Hälfte des Ballbesitzes verbuchten, lag eher an Rückpässen und Verlegenheitsschleifen als an echten Kombinationen.

Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Wusterwitzer Fans ihren Youngstern, während die Fürstenwalder Spieler in Richtung Kabine schlichen. Ein kleiner Junge auf der Tribüne fragte seinen Vater: "Papa, warum haben unsere gar kein Tor geschossen?" Der Vater seufzte. "Weil Wusterwitz heute einfach alle Bälle haben wollte, mein Junge."

Tom Fritz fasste es später trocken zusammen: "Vier Tore sind schön, aber mir gefällt, dass wir ruhig geblieben sind. Und dass Dieter nicht wieder den Eckfahnenjubel umgerannt hat."

Ein Abend, der Lust macht auf mehr - zumindest für die Gäste. Fürstenwalde dagegen wird sich fragen, ob man mit "offensiver Ausrichtung" vielleicht doch nicht gleichzeitig die Abwehr vergessen sollte. Doch am Ende bleibt: Fußball kann grausam ehrlich sein.

Und wenn man so will, war das 0:4 sogar gnädig.

19.01.643994 23:58
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