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Es war ein kalter, klarer Samstagabend in Puch, als 2696 Zuschauer zum 17. Spieltag der 4. Liga Österreich (3. Div) strömten. Der Glühwein dampfte, die Finger waren klamm - und was sie zu sehen bekamen, war ein Fußballspiel, das alles hatte: Tempo, Emotionen, Pech und ein Schuss jugendlicher Naivität. Am Ende hieß es 1:2 (1:1) aus Sicht des FC Puch - und die Gäste vom SC Ostbahn nahmen drei Punkte mit, die sie sich redlich, wenn auch etwas glücklich, erkämpften. Dabei hatte alles so ordentlich begonnen. Puch übernahm früh die Kontrolle, 54 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse, das sah nach Plan aus. "Wir wollten das Spiel in die Hand nehmen - und das haben wir auch. Nur leider nicht das Ergebnis", knurrte Puchs Trainer nach der Partie, während er sich die Kapuze seines Parkas tiefer ins Gesicht zog. Die erste große Szene gehörte dann aber den Gästen: In der 6. Minute prüfte Ostbahns junger Stürmer Michael Wahl den Pucher Keeper Marian Niedzielan mit einem Schuss aus 18 Metern. Noch kein Tor, aber ein Warnschuss. Puch antwortete mit präzisem Kurzpassspiel - Petersen, Merz und Stahl rotierten durchs Mittelfeld, als wären sie ein eingespieltes Tanztrio, das nur auf den großen Auftritt wartete. Doch das erste Feuerwerk zündete Ostbahn: In der 38. Minute segelte eine Flanke von Rechtsverteidiger Nick Frank in den Strafraum, Markus Sjölund schlich sich davon und köpfte trocken ein - 0:1. Da half auch kein taktisches "BALANCED" mehr, wie es beide Teams laut Statistik durchgängig praktizierten. "Ich hab einfach gehofft, er fliegt mir genau auf die Stirn", lachte Sjölund später. "Hat geklappt - selten genug." Doch lange ließ die Antwort nicht auf sich warten. Nur zwei Minuten später, in der 40. Minute, war Puchs 18-jähriger David Fink zur Stelle. Nach einem Zuspiel von Joschua Schindler zog der Youngster ab - und traf zum 1:1. Das Stadion tobte, die Ersatzbank sprang auf, und Fink selbst wusste offenbar nicht so recht, wohin mit der Freude. "Ich hab eigentlich gar nicht hingeschaut", grinste er nach dem Spiel. "Ich hab nur gehört, dass’s geklatscht hat - und dann war’s drin." Mit 1:1 ging’s in die Pause, und wer gedacht hatte, der zweite Durchgang würde den Heimvorteil bestätigen, sah sich getäuscht. Puch drückte, kombinierte, schoss - aber das Tor schien wie verhext. Petersen prüfte Keeper Claus Neubauer, Timm Stahl verzog knapp, Hanns Krauss hämmerte den Ball aus 25 Metern in die Werbebande. Elf Schüsse, ein Treffer - die Statistik spricht Bände. Und dann kam die 85. Minute, die Ostbahns Bank zum Explodieren brachte. Lukas Wegener, der schon zuvor auffällig war, bekam den Ball von Otto Hahn in den Lauf gespielt, zog nach innen und schlenzte das Leder unhaltbar ins lange Eck. 1:2. "Das war so einer, den du wahrscheinlich nur einmal in hundert Versuchen so triffst", sagte Wegener hinterher, noch in Schienbeinschoner und Euphorie. Die letzten Minuten waren dann reines Drama. Puch rannte an, Ostbahn verteidigte - manchmal elegant, manchmal mit der Gelben Karte. Drei Verwarnungen sammelten die Gäste (Ledig, Schumacher, Frank), und als in der 90. Minute der Schlusspfiff ertönte, fiel der Jubel der Auswärtsmannschaft fast lauter aus als das Pfeifkonzert der Heimfans. Bitter für Puch, das nicht nur mehr Ballbesitz, sondern auch die klareren Chancen hatte. "Das war wie ein Restaurantbesuch, bei dem du das bessere Menü hast, aber der Nachbartisch bekommt den Nachtisch gratis", kommentierte ein Fan kopfschüttelnd auf der Tribüne. Für Ostbahn war es ein Sieg der Effizienz: Fünf Schüsse aufs Tor, zwei Treffer. "Wir haben’s heute wie Uhrmacher gemacht - selten geschossen, aber präzise", witzelte Trainer Franke nach dem Spiel, während sein Kollege aus Puch nur trocken meinte: "Wenn man aus elf Chancen nur einen macht, braucht man sich nicht wundern." So bleibt ein Abend, der zeigt, dass Statistik nicht alles ist und Fußball manchmal einfach ein mieser Komödiant sein kann. Puch spielte gut, verlor trotzdem - Ostbahn spielte clever und fuhr lachend heim. Und irgendwo im Pucher Kabinentrakt soll David Fink noch immer den Ball suchen, mit dem er sein erstes Ligator schoss. Vielleicht hängt er ihn sich über’s Bett. Als Erinnerung daran, dass selbst ein 1:2 manchmal der Anfang einer großen Geschichte sein kann. 23.07.643987 10:44 |
Sprücheklopfer
Die Meisterschaft ist viel mehr wert als dieses Scheiß-X.
Stefan Effenberg zur Verleihung des FuX des Jahres an Emerson