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Es war einer dieser Abende, an denen man ahnt: Das wird kein gemütliches 20:15-Spiel für Fußballromantiker. 1761 Zuschauer hatten sich im Laupheimer Stadion versammelt, um beim 10. Spieltag der Landesliga 21 zu sehen, wie ihr FC Laupheim den Wankendorfer Gästen Paroli bietet. Am Ende stand ein 3:2-Sieg - ein Ergebnis, das harmloser klingt, als das Spiel tatsächlich war. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Laupheim an diesem Abend nicht auf Sicherheit spielt. Trainer und Taktikfuchs (Name nicht überliefert, aber wohl ein Freund des Mottos "Angriff ist die beste Verteidigung") hatte sein Team offensiv eingestellt. Und das zahlte sich aus: In der 8. Minute traf Leon Ramsay nach einem butterweichen Zuspiel von Youngster Nelio Xavier ins Netz. "Ich hab einfach gehofft, dass er den Laufweg sieht - und er hat ihn gesehen", grinste Xavier später, während Ramsay ergänzte: "Ich hab gar nicht groß überlegt, einfach draufgehalten. Zum Glück war der Ball brav." Laupheim spielte weiter mutig, und in der 28. Minute legte Johann Schmitt nach - ein trockener Schuss aus der zweiten Reihe, bei dem Wankendorfs Keeper Detlev Röder nur hinterherschauen konnte. Die Fans waren aus dem Häuschen, und auf der Tribüne witzelte einer: "Das wird heute ein Schützenfest - oder eine Gelbschlacht." Ganz unrecht hatte er nicht. Die Gäste waren nämlich nicht gekommen, um brav zuzuschauen. Wankendorf hatte zwar ein bisschen mehr Ballbesitz (51,7 Prozent), aber weniger Struktur. Dafür umso mehr Temperament. Benjamin Kopp holte sich in der 25. Minute die erste Gelbe ab, was ihn später noch teuer zu stehen kam. Bevor aber die Karten wirklich flogen, meldete sich Wankendorf zurück. In der 36. Minute kombinierten sich Hermann Mai und Luis John sehenswert durch die rechte Seite - und John traf eiskalt zum 2:1-Anschluss. Doch die Freude währte kurz. Nur drei Minuten später stellte Martin Otto nach Vorarbeit von Nelio Xavier den alten Abstand wieder her. Drei Tore in einer Halbzeit - Laupheim wirkte wie entfesselt. "In der Kabine hab ich den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, ladet ihr Wankendorf direkt zum Comeback ein", erzählte Laupheim-Coach später mit einem Schmunzeln. Offenbar hörte ihn aber keiner so richtig. Denn die zweite Hälfte wurde zum Nervenkrimi. Zunächst neutralisierten sich beide Teams - viel Kampf, wenig Fußballkunst. Laupheim hatte zwar 16 Torschüsse insgesamt (Wankendorf nur 8), doch die Präzision ließ nach. Dafür nahm die Härte zu. In der 72. Minute sah Luka Baur Gelb, in der 76. erwischte es Laupheims Dauerläufer Yannick Rodriguez. Und dann passierte, was passieren musste: In der 79. Minute kassierte Zakhar Firsow (ebenfalls Laupheim) Gelb, fünf Minuten später musste er nach Gelb-Rot runter. Dazwischen hatte Wankendorfs Benjamin Kopp das gleiche Schicksal ereilt - Gelb in der 25., Gelb-Rot in der 80. Minute. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Kopp nach der Partie. Der Schiedsrichter sah das anders - und das Publikum hatte seinen Buhmann gefunden. Die Schlussphase war dann purer Wahnsinn. Wankendorf, jetzt in Unterzahl, warf alles nach vorn. Luis John, schon Torschütze in der ersten Halbzeit, sorgte in der 89. Minute für neue Spannung, als er erneut nach Vorarbeit von Hermann Mai zum 3:2 traf. "Ich dachte kurz, wir schaffen das Wunder noch", sagte John später, "aber dann war einfach die Zeit weg." In der Nachspielzeit versuchte Yannick Rodriguez mit einem wuchtigen Fernschuss, den Deckel draufzumachen - vorbei. Wankendorf konterte noch einmal, doch Laupheims Torhüter Joshua Metzger hielt den Sieg fest. Nach dem Schlusspfiff fiel er seinen Verteidigern in die Arme, während Trainer und Spieler auf der Bank sich gegenseitig auf die Schulter klopften. Statistisch gesehen war’s ein enges Ding: Wankendorf hatte mehr Ballbesitz und zwei starke Offensivphasen, Laupheim die klareren Chancen und am Ende die besseren Nerven. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", kommentierte Laupheims Mittelfeldmotor Schmitt trocken. Und so endete ein denkwürdiger Abend: mit Jubel, Gelb-Roten Karten und der Erkenntnis, dass in der Landesliga 21 manchmal mehr Drama steckt als in mancher Prime-Time-Serie. Oder wie ein Fan am Ausgang sagte: "Da war mehr los als in meiner Lieblingssoap - und weniger Werbung." Kurz gesagt: Laupheim siegt 3:2, bleibt oben dran, und Wankendorf fährt mit viel Frust und zwei Platzverweisen nach Hause. Manche Spiele schreibt eben nur der Amateurfußball. 03.05.643987 13:21 |
Sprücheklopfer
Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
Rudi Völler nach dem 1:5 gegen England