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Ein Pokalabend wie aus dem Lehrbuch - zumindest, wenn man Anhänger des FC Höchst ist. Mit einem satten 4:0 (1:0) fertigte die Elf von Trainer Ronnie Ekström den überforderten Gast aus Baumgarten ab und zog vor 21.786 Zuschauern souverän in die nächste Runde ein. Die Geschichte des Spiels lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Höchst hatte den Ball, die Ideen und Robert Bossong. Baumgarten hatte immerhin den Anstoß. Schon die ersten Minuten machten klar, in welche Richtung das Ganze gehen würde. Höchst kombinierte, Baumgarten konterte - theoretisch. Praktisch war das Pressing der Gäste so zurückhaltend, dass man fast meinen konnte, sie wollten den Hausherren beim Trainingsspiel zusehen. In der 15. Minute zog der junge Rechtsverteidiger Jakob Feldmann einfach mal ab, sein Schuss zischte knapp drüber. "Ich dachte, warum nicht? Die anderen hatten ja alle schon geschossen", grinste Feldmann später. Torwart Jörg Pan im Höchster Kasten hätte derweil auch eine Wärmflasche und ein Buch dabeihaben können. Ganze ein (!) Torschuss gelang den Gästen, und das in der 58. Minute durch Joaquin Santoy - direkt in die Arme des Keepers. "Ich hatte kurz Angst, dass ich einfriere", witzelte Pan nach Abpfiff. Das 1:0 fiel folgerichtig in der 41. Minute: Jacques Edgecomb, vorne stets gefährlich, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Dmitri Makarow. Baumgarten versuchte daraufhin, die Ordnung zu halten, doch das war leichter gesagt als getan. Nach der Pause brachte Ekström den jungen Innenverteidiger Timo Miller, während die Gäste weiter an ihrem Optimismus festhielten - vermutlich, weil sie nichts anderes dabei hatten. Ein bitterer Moment ereilte Baumgarten in der 62. Minute: Torhüter Tobias Berndt verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und musste ersetzt werden. Ersatzmann Joschua Hofer kam, sah - und kassierte. Denn dann begann die Bossong-Show. Der 21-jährige Linksaußen hatte bis dahin schon mehrere Chancen vergeben, doch in der 74. Minute platzte der Knoten. Nach elegantem Steilpass von Filippo Platania schob Bossong überlegt zum 2:0 ein. Nur 14 Minuten später stand er wieder richtig, als Makarow über links durchbrach und querlegte - 3:0, die Vorentscheidung. "Ich wollte eigentlich den Ball stoppen, aber der dachte, er geht lieber direkt rein", gab Bossong später lachend zu. In der Nachspielzeit machte der Youngster seinen Hattrick perfekt: Nach einer Ecke von Stefan Westergaard köpfte er wuchtig zum 4:0 ein. Drei Tore in 18 Minuten - und das im Pokal. "Vielleicht sollte ich öfter so spielen", meinte er mit einem Grinsen, das selbst die Flutlichtanlage erhellte. Coach Ekström blieb trotz des Kantersiegs gewohnt nüchtern: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber man darf sich vom Ergebnis nicht täuschen lassen. Es gibt immer Dinge zu verbessern - zum Beispiel hätte Robert schon früher drei Tore machen können." Baumgartens Trainer, dessen Name in den offiziellen Unterlagen fehlte (vielleicht aus Selbstschutz), sah das naturgemäß anders: "Wir haben gesehen, was uns zur Spitze fehlt - ungefähr alles." Immerhin: Sein Team blieb fair, nur Jürgen Specht holte sich kurz vor Schluss eine Gelbe Karte ab, vermutlich aus Langeweile. Statistisch war die Sache so eindeutig wie selten: 26 Torschüsse zu einem, 61 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Höchst spielte mit einer Ruhe, die fast schon unverschämt wirkte. In der 90. Minute stellte die Mannschaft sogar noch auf aggressives Pressing um - ein bisschen wie ein Gentleman, der beschließt, beim Tanz nun doch Gas zu geben. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte das Publikum nicht nur über den Einzug in die nächste Runde, sondern auch über den neuen Publikumsliebling. "Robert, Robert!", hallte es durch das Stadion, während der junge Bossong verlegen winkte. "So ein Abend bleibt hängen", sagte Kapitän Timm Schreiner später. "Wenn du 4:0 gewinnst und dein Stürmer drei Dinger macht, dann kannst du am nächsten Tag ruhig mal die Zeitung lesen." Und genau das sollten die Fans tun - denn dieses Spiel war ein Statement: Der FC Höchst ist heiß auf den Pokal. Und wenn Bossong so weitermacht, könnte er bald mehr als nur ein Name auf dem Spielberichtsbogen sein - vielleicht die Schlagzeile der Saison. Schlusswort: Baumgarten wird sich von diesem Abend erholen - irgendwann. Bis dahin dürfen sie wissen: Sie waren Teil einer Hattrick-Geschichte. Und das ist ja auch was. 26.05.643987 06:20 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler