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FC Höchst tanzt Oberwart aus - 3:0-Auswärtssieg mit Stil und Schalk

Es war einer dieser Abende, an denen die Fußballromantik kurz zwischen Flutlicht und Frust hin- und herpendelte: 22.120 Zuschauer im Stadion Oberwart, ein kühler Januarschauer über der 2. Liga Österreich - und am Ende ein kaltes 0:3 aus Sicht der Gastgeber. Der FC Höchst kam, sah und kombinierte, während der SV Oberwart kam und ... nun ja, schaute.

Dabei fing alles gar nicht so trostlos an. Die Hausherren hatten mehr vom Ball - 55 Prozent Ballbesitz sprechen eigentlich für Kontrolle. Doch Kontrolle ohne Konsequenz bleibt eben nur ein hübsches Wort in der Statistik. Trainer Martin Nunez stapfte nach Schlusspfiff mit gesenktem Kopf Richtung Kabine und murmelte: "Wenn Ballbesitz Tore wäre, hätten wir heute 5:3 gewonnen."

Die Gäste aus Höchst dagegen zeigten, wie man aus wenig das Maximum macht. Nach einer knappen halben Stunde nahm das Unheil seinen Lauf: In der 32. Minute zündete der 22-jährige Lajos Kocsis auf der rechten Seite den Turbo, zog ab - und traf ins lange Eck. Vorlagegeber Peter Sommer grinste später: "Eigentlich wollte ich ihn selber machen, aber Lajos war schneller. Der Junge braucht einen eigenen Blinker."

Nur drei Minuten später revanchierte sich Sommer standesgemäß. Nach klugem Pass von Dawid Szamotulski netzte der Mittelstürmer eiskalt zum 2:0. Die Oberwarter Abwehr wirkte in diesem Moment wie eine PowerPoint-Präsentation im Dauer-Ladezustand - Bewegung war da, aber nicht in die richtige Richtung.

Die erste Halbzeit endete mit höflichem Applaus der Heimfans, der eher nach "Wir glauben trotzdem an euch!" klang als nach echter Begeisterung. Torwart Amit Tabenkin hielt, was zu halten war (und manches, was nicht zu halten war), doch seine Vorderleute offenbarten seltsam viel Raumgefühl - allerdings in der falschen Raumaufteilung.

Kurz nach Wiederanpfiff dann der endgültige K.o.-Schlag: In der 48. Minute war es Tiago Morte, der nach Vorlage von Filippo Platania den Ball trocken ins Netz jagte. 0:3 - und noch über 40 Minuten auf der Uhr. "Da hab ich kurz an den Bus gedacht", gestand Oberwarts junger Verteidiger Robin Steffens (18) später. "Ob der wenigstens schon warm war."

Der Rest des Spiels war eine Mischung aus bemühtem Aufbäumen und vergeblicher Hoffnung. Oberwart schoss insgesamt zehnmal aufs Tor, meist durch den agilen Mikhail Wassiljew und den unermüdlichen Fabian Brückner, beide aber ohne Fortune. In der 55. Minute donnerte Wassiljew den Ball ans Außennetz, in der 91. probierte es Brückner noch einmal - da applaudierten selbst die Gästefans anerkennend.

Zwischendurch gab’s ein bisschen Kartenkunde: Der 17-jährige Swen Vollmer holte sich in der 65. Minute Gelb ab, wohl aus jugendlicher Begeisterung; Höchsts Filippo Platania (70.) und Peter Sommer (89.) zeigten, dass auch Sieger nicht ganz ohne Verwarnung nach Hause fahren. "Wenn du dreimal triffst und trotzdem Gelb siehst, hast du was erlebt", witzelte Sommer nach dem Spiel.

Trainer Ronnie Ekström vom FC Höchst war nach dem Abpfiff der Inbegriff nordischer Gelassenheit. "Wir wollten kompakt stehen und vorne die Räume nutzen. Hat funktioniert. Und ehrlich - ich mag solche Spiele, bei denen die Statistik gegen uns spricht." Tatsächlich lag sein Team beim Ballbesitz hinten, bei den Torschüssen aber vorne (13:10). Effektivität in Reinkultur.

Oberwarts Coach Nunez versuchte, das Positive zu sehen: "Unsere Jungs haben gekämpft, aber Höchst war heute einfach cleverer. Wir lernen daraus." Dann schob er mit einem gequälten Lächeln hinterher: "Hoffentlich schnell."

Am Ende blieb das Flutlicht hell, die Gesichter dunkel, und die Anzeigetafel zeigte stur 0:3. Die Fans gingen schweigend, nur ein älterer Herr auf der Tribüne murmelte: "Früher hätten wir so was noch gedreht." Vielleicht war das Nostalgie, vielleicht Ironie - in Oberwart liegen diese Dinge manchmal nah beieinander.

Aus Sicht der Gäste war es ein Abend zum Genießen, aus Sicht der Heimelf einer zum Vergessen. Oder, wie Höchsts Timm Schreiner beim Gang in die Kabine grinste: "Drei Tore, drei Punkte, drei Bier - läuft."

Und so lief’s tatsächlich: Der FC Höchst tanzte Oberwart an diesem 13. Spieltag aus - präzise, effizient und mit einem Augenzwinkern. Für die Gastgeber bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar schön aussieht, Tore aber hübscher sind.

07.06.643987 00:40
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Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler
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