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Es war einer dieser kalten Januarabende, an denen man sich fragt, ob die 23.397 Unentwegten im Stadion von Höchst wirklich Fußball sehen wollten - oder ob sie einfach nur eine gute Ausrede brauchten, um nicht daheim den Heizkörper zu entlüften. Am Ende dürften sie es nicht bereut haben: Der FC Höchst besiegte den FC Eisenstadt am 14. Spieltag der 2. Liga Österreich souverän mit 2:0 (0:0) und zeigte dabei eine zweite Halbzeit, die man getrost als kleinen Neuanfang bezeichnen darf. Dabei hatte die Partie zäh begonnen. Die erste Hälfte war ein einziger Beweis dafür, dass Ballbesitz (51 Prozent zu 49) nicht automatisch für Begeisterung sorgt. Höchst kombinierte gefällig, aber ohne den letzten Punch, Eisenstadt verteidigte solide, aber ohne Ambition. "Ich dachte in der Pause kurz, wir spielen Schach", witzelte Höchst-Trainer Ronnie Ekström später. "Nur dass beim Schach wenigstens jemand ’Schach!’ ruft." Dann, kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, explodierte das Spiel. In der 48. Minute fasste sich Adriano Ramallo, der bis dahin eher durch seine Frisur als durch Torgefahr aufgefallen war, ein Herz. Nach einem klugen Zuspiel von Adam Malfoy zog der 23-Jährige aus 20 Metern ab und ließ Eisenstadt-Keeper Paulo Veloso keine Chance - 1:0! Das Publikum erwachte aus seiner Winterstarre, und plötzlich war das Flutlicht nicht mehr das Einzige, was leuchtete. Nur sieben Minuten später revanchierte sich Malfoy persönlich. Der rechte Flügelstürmer nutzte eine butterweiche Flanke des 17-jährigen Linksverteidigers Sergio Caneira und drückte den Ball volley ins Netz. 2:0 - und das Stadion kochte. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Malfoy nach dem Spiel. "Wenn ich zu viel nachdenke, treffe ich sowieso den Pfosten." Eisenstadt hingegen fand nie wirklich in die Partie. Drei kümmerliche Schüsse aufs Tor - das war die ganze Offensivbilanz. Routinier Finn Stoll, mit 48 Jahren wahrscheinlich näher am Klubmaskottchen als an seiner Glanzzeit, versuchte es zwar mit Einsatz, aber sein Gelb in der 84. Minute passte sinnbildlich zum Abend: zu spät, zu harmlos. "Wir waren zu brav", räumte Stoll ein. "Höchst hat uns nie wirklich ins Spiel gelassen." Ronnie Ekström reagierte nach einer Stunde mit frischem Blut: Der 18-jährige Hanns Schreiber kam für Nevio Hartung, Timo Miller ersetzte Jürgen Held in der Innenverteidigung, und Robert Bossong durfte im Sturm ran. Vor allem Schreiber sorgte auf der rechten Seite für Betrieb - und hätte in der Nachspielzeit fast das 3:0 erzielt. Sein Schuss in der 92. Minute strich jedoch knapp über die Latte. "Der Junge hat keine Angst", lobte Ekström. "Ich hätte in seinem Alter noch Angst gehabt, überhaupt den Ball zu berühren." Eisenstadts Trainer - der sich nach der Niederlage nur ungern vor die Mikrofone stellte - suchte nach Erklärungen. "Wir wollten ruhig bleiben und unser Spiel machen", murmelte er. "Aber irgendwie war der Ball ständig beim Gegner." Mehr Analyse brauchte es nicht: Höchst war in allen Belangen überlegen - 14 zu 3 Schüsse aufs Tor, die bessere Zweikampfquote (56 zu 44 Prozent) und vor allem die klarere Spielidee. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, während der Gästeblock sich in die Nacht verabschiedete. "Das war ein Statement", sagte Kapitän Michael Kopp in der Mixed Zone. "Wir haben gezeigt, dass wir auch im Januar Fußball spielen können - und nicht nur Schneebälle werfen." Ein kleines Detail am Rande: Als die Höchster Spieler nach dem Schlusspfiff jubelnd zur Kurve liefen, rief ein Fan angeblich: "Jetzt fehlt nur noch der Aufstieg!" - worauf Trainer Ekström lachend antwortete: "Eins nach dem anderen, wir haben ja erst angefangen, Spaß zu haben." Ein bisschen Spaß - das war tatsächlich das Hauptmotiv dieses Abends. Nach einer ersten Halbzeit zum Vergessen bot der FC Höchst eine zweite Halbzeit zum Erinnern. Und wer weiß: Vielleicht war das 2:0 gegen Eisenstadt nicht nur ein Sieg, sondern der Beginn eines Höhenflugs, der seinem Namen endlich gerecht wird. Denn wenn man an diesem Abend eines gelernt hat, dann das: Höchst kann hoch. Und Eisenstadt? Nun ja - die müssen erst mal wieder auftauen. 18.06.643987 14:23 |
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