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FC Höchst siegt nach Rückstand: Ein Abend voller Energie und Ironie

Wenn ein Fußballspiel die emotionale Achterbahnfahrt eines Kinofilms bietet, dann war das gestrige 3:1 des FC Höchst gegen Rot-Weiß Salzburg am 3. Spieltag der "1. Liga Österreich" ein Oscar-Kandidat. 27.000 Zuschauer im Höchster Stadion erlebten einen Abend, der mit Nervosität begann, mit Leidenschaft tobte und mit einem selbstbewussten Grinsen endete.

Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus. Schon in der 16. Minute nutzte Reece Lorring, der blutjunge Salzburger Mittelstürmer, eine Schlafpause in der Höchster Hintermannschaft und brachte die Gäste in Führung - Vorlage Kevin Steffens, der über rechts so frei war, dass er beinahe Zeit für einen Kaffee gehabt hätte. Trainer Ronnie Ekström schlug die Hände vors Gesicht, während neben ihm ein Ordner trocken bemerkte: "Na, das fängt ja gut an."

Doch die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten. Nach einigen wütenden Angriffen und zwei knapp vergebenen Chancen von Peter Sommer und Adam Malfoy (25./26. Minute) war es Dawid Szamotulski, der in der 42. Minute den Ball aus spitzem Winkel humorlos in den Winkel drosch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später. "Ich dachte, der Ball sei beleidigt, weil ich ihn vorher so oft ignoriert hab." Zur Pause stand es 1:1, und man spürte: Hier ist noch Feuer drin.

Salzburg, das in der ersten Halbzeit 54 Prozent Ballbesitz hatte, kam mit drei frischen Kräften aus der Kabine. Trainer Dietmar Schmitzberger versuchte, frischen Wind zu bringen - oder, wie er später seufzte, "jedenfalls ein laues Lüftchen". Doch anstatt der erwarteten Dominanz übernahmen die Höchster das Kommando. Peter Sommer, der zuvor noch über seine vergebenen Chancen geflucht hatte ("Ich hab das Tor schon im Kopf gefeiert, da war der Ball noch unterwegs"), machte es in der 69. Minute besser. Nach einem mustergültigen Pass von Malfoy schob er eiskalt zum 2:1 ein.

Das Stadion vibrierte, Ekström ballte die Fäuste und schrie seinem Stürmer zu: "Endlich bist du wach!" Sommer grinste später: "Ich wollte ihm eigentlich schon früher eine Freude machen, aber ich bin eben ein Mann für die Dramaturgie."

Rot-Weiß Salzburg versuchte, mit Härte zu antworten - gleich drei Gelbe Karten (Gavrancic, Keller, Stastny) zeugen davon. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", erklärte Stastny, "leider waren wir meistens da, wo der Schiedsrichter hinschaute."

Die Entscheidung fiel in der 85. Minute - ausgerechnet durch einen Joker. Dmitri Makarow, erst 20 Minuten zuvor für Szamotulski eingewechselt, krönte seine Energieleistung mit dem 3:1. Vorlage: Peter Sommer, der diesmal den edlen Passgeber gab. "Ich hab ihm zugerufen, er soll’s einfach probieren - und er hat’s tatsächlich gemacht", lachte Sommer nach dem Spiel.

Die Salzburger, inzwischen mit vollem Pressing und erhöhter Aggressivität (laut Taktikdaten: "STRONG" in beiden Kategorien), rannten nun verzweifelt an. Doch der Höchster Abwehrblock stand wie eine Betonwand aus Ehrgeiz und Adrenalin. Torhüter Alexandre Marchand musste in der Schlussphase kaum noch eingreifen - die Gäste schossen zwar siebenmal aufs Tor, doch meist so harmlos, dass der Stadionsprecher schon vor dem Pfiff "Abstoß" sagte.

Trainer Ekström zeigte sich nach dem Spiel zufrieden - und leicht süffisant. "Wir hatten weniger Ballbesitz, aber mehr Herz. Und Herz gewinnt Spiele, nicht Statistiken." Sein Pendant Schmitzberger konterte mit Galgenhumor: "Herz ist gut, wir brauchen wohl bald einen Defibrillator."

In den Katakomben herrschte ausgelassene Stimmung. Malfoy, der an zwei Toren beteiligt war, wurde von seinen Kollegen zum "Mann des Spiels" erklärt. "Ich geb das Lob gleich weiter an meine Schuhe", sagte er und zwinkerte, "die haben heute mehr gearbeitet als ich."

Statistisch gesehen war es ein Spiel der Effizienz: 15 Torschüsse für Höchst, 7 für Salzburg. Die Hausherren nutzten jede sich bietende Gelegenheit - ganz getreu ihrer Taktik "Shooting: ANYTIME". Und genau das machte den Unterschied.

Am Ende blieb ein klarer Sieg, der den FC Höchst auf die Sonnenseite der Tabelle katapultiert. Die Fans sangen, die Spieler lachten, und irgendwo über den Dächern von Höchst wehte der Duft von Triumph und Bratwurst.

Oder wie Trainer Ekström beim Rausgehen lakonisch meinte: "Wenn wir so weitermachen, muss ich mir bald Sorgen um meine Stimme machen - aber das nehm ich gern in Kauf."

Ein Abend, der zeigte: Fußball ist kein Zahlenspiel, sondern ein Drama in 90 Minuten - mit Happy End für die, die dran glauben.

22.06.643990 03:11
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