Anpfiff
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FC Höchst schießt Gratkorn aus dem eigenen Stadion

Ein kalter Jännertag, Flutlicht an, 12.500 Zuschauer im kleinen Stadion von Gratkorn - und nach 90 Minuten fragte man sich: War das noch Fußball oder schon ein Lehrfilm über gnadenlose Effizienz? Der FC Höchst überrannte den SC Gratkorn mit 4:0 (3:0) und hätte, ehrlich gesagt, noch ein paar Tore mehr erzielen können, wenn Torhüter Pau de Torre nicht wenigstens gelegentlich seine Handschuhe benutzt hätte.

Schon in der zweiten Minute war die Partie praktisch entschieden. Lajos Kocsis, der flinke rechte Mittelfeldmann der Gäste, nahm einen präzisen Pass von Timm Schreiner auf, tanzte einen Verteidiger aus und schlenzte den Ball ins lange Eck. 1:0 - und die Gratkorner Abwehr schien noch beim Einlaufen. Trainer Andi Garagengold war da noch gelassen. "Das war halt ein Weckruf", murmelte er später. Leider blieb die Mannschaft nach dem Weckruf einfach liegen.

Nur vier Minuten später klingelte es wieder. Jacques Edgecomb, der bullige Mittelstürmer der Höchster, nahm eine butterweiche Vorlage von Filippo Platania an und vollendete eiskalt. 0:2 nach sechs Minuten - die heimischen Fans blickten betreten auf ihre Glühweintassen. Und wer dachte, schlimmer könne es nicht kommen, der hatte die 35. Minute noch nicht gesehen: Innenverteidiger Jürgen Held, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, stand nach einer Ecke goldrichtig und köpfte den Ball zum 0:3 ins Netz. Wieder hatte Platania seine Füße im Spiel, diesmal als Vorlagengeber.

Zur Pause war das Spiel im Grunde vorbei. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben", erklärte Ronnie Ekström, der Trainer der Höchster, mit einem Grinsen. "Offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen." Tatsächlich spielte sein Team, das mit 57 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen dominierte, wie entfesselt.

Garagengold reagierte in der Halbzeit mit einem Doppelwechsel: Die jungen Stürmer Andrej Stastny und Borislaw Kapustin mussten runter, Teoman Simsek und Sebastian Mencel kamen. Frischer Wind sollte her, stattdessen kam Gegenwind. Zwar hatte Gratkorn nach einer Stunde zwei ordentliche Chancen - Simsek (60.) und Mencel (63.) prüften Gäste-Keeper Jörg Pan - doch das blieb eher symbolisch.

In der 81. Minute setzte Edgecomb den Schlusspunkt. Nach schöner Vorarbeit des linken Verteidigers Carl Santos drosch der Engländer den Ball humorlos ins Eck. 0:4, und das Publikum begann, die Höchster Pässe mit ironischem Applaus zu begleiten.

"Wir haben sie von Anfang an laufen lassen", analysierte Platania später mit einem Schulterzucken. "Unsere Taktik war einfach: den Ball behalten und irgendwann treffen." Das funktionierte ziemlich genau so.

Gratkorn hingegen wirkte mit zunehmender Spieldauer wie ein Team, das in die falsche Liga geraten war. Nur vier Torschüsse fanden den Weg aufs Tor, und die 42 Prozent Ballbesitz fühlten sich für die Heimfans an wie 15. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Garagengold nach der Partie. "Das haben wir auch - nur leider in die falsche Richtung."

Kurz vor Schluss durfte sich Höchsts Innenverteidiger Stefan Westergaard noch eine gelbe Karte abholen - vielleicht, um wenigstens einen winzigen Makel in die Statistik zu bringen. Ansonsten war das ein Abend, an dem der FC Höchst fast alles richtig machte: präzise Pässe, selbstbewusstes Auftreten, und eine Abgeklärtheit, die man eher in höheren Ligen erwartet.

Die Höchster Spieler verabschiedeten sich lachend in die Kabine, während die Gratkorner Fans noch immer den Kopf schüttelten. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es trocken zusammen: "Früher haben wir wenigstens gekämpft. Heute schauen wir halt zu."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das keine Fragen offenließ. FC Höchst zeigte, wie man ein Auswärtsspiel in ein Trainingsspiel verwandelt, und Gratkorn wird sich fragen müssen, ob "offensiv" wirklich die richtige Grundausrichtung war, wenn man nach 90 Minuten vier Tore kassiert und keines erzielt.

Oder, wie Ronnie Ekström es formulierte, während er sich die Hände rieb: "Manchmal ist Fußball ganz einfach. Wenn du triffst und der andere nicht - dann gewinnst du."

Ein Satz, der in Gratkorn wohl noch eine Weile nachhallen wird.

23.07.643987 06:07
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Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.
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