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Es war kein glitzerndes Fußballfest, eher ein zähes Ringen im Februarnebel - aber am Ende zählte für den FC Höchst nur das Resultat: 1:0 gegen Zell am See, Pokalsieger der Herzen, wenn man Herz mit Kampfgeist und kalten Händen gleichsetzt. Vor 17.414 Zuschauern im ausverkauften Höchster Stadion sicherte sich die Mannschaft von Trainer Ronnie Ekström den Liga-Pokal der 2. Liga Österreich - dank eines Treffers von Adam Malfoy in der 69. Minute. Das Spiel begann mit viel Elan und noch mehr Ballbesitz für die Gastgeber. 54 Prozent des Spielgeräts gehörten über 90 Minuten den Höchstern, die sich in der ersten Halbzeit allerdings mehr durch zielstrebige Vorstöße als durch Präzision auszeichneten. Dmitri Makarow prüfte schon in der 10. Minute den Gästetorhüter Bruno Goncalves - der junge Portugiese im Tor von Zell am See schien an diesem Abend alle Hände voll zu tun. "Ich hab irgendwann aufgehört, die Schüsse zu zählen", grinste Goncalves später, "aber ich denke, 19 dürften es gewesen sein." Recht hatte er - die Statistik bestätigte die gefühlte Wahrheit. Zell am See versuchte es mit kontrollierter Offensive, aber vier Torschüsse in 90 Minuten sind eine magere Ausbeute für ein Pokalfinale. Ihr Trainer - der, wie üblich, mit verschränkten Armen und stoischem Gesicht an der Seitenlinie stand - musste zusehen, wie seine Elf sich zwar bemühte, aber selten durchsetzte. Einmal, in der 46. Minute, als Danko Dudic den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor brachte, raunte das Publikum kurz auf - doch Alexandre Marchand im Höchster Kasten hielt sicher. "Ich hatte kalte Finger, aber keine kalten Nerven", sagte der Torhüter später trocken. Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Domingo Deco, der rechte Außenverteidiger der Höchster, sah in der 31. Minute Gelb - ein eher übermotiviertes Hineinrutschen, das weniger wehtat als es aussah. Ekström kommentierte das später mit einem Augenzwinkern: "Domingo wollte einfach zeigen, dass er wach ist. Wir nennen das intern den Espresso-Tackle." Nach der Pause erhöhte der FC Höchst das Tempo. Peter Sommer und Tiago Morte versuchten es aus allen Lagen, doch Goncalves blieb standhaft. In der 56. Minute kassierte dann auch Zells Eri Meyer Gelb, nachdem er den quirligen Makarow unsanft ausgebremst hatte. Man hatte das Gefühl, das Spiel würde auf ein torloses Unentschieden zusteuern - bis zur 69. Minute. Da kam der Moment, den man in Höchst so schnell nicht vergessen wird: Domingo Deco eroberte rechts den Ball, zog an zwei Gegnern vorbei und flankte punktgenau auf Adam Malfoy. Der 24-Jährige nahm den Ball direkt - halb Volley, halb Wuchtgeschoss - und versenkte ihn unhaltbar ins rechte Eck. 1:0, das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Malfoy später lachend, "ich glaube, der Ball wollte selbst rein." Zell am See warf danach alles nach vorn, doch ohne echtes Pressing und mit nur vier Abschlüssen blieb der Angriff harmlos. Höchst verteidigte mit Herz, Hirn und gelegentlichem Nervenkitzel. In der 84. Minute hatte Pol Caneira noch die große Chance zum Ausgleich - doch sein Schuss flog knapp über die Latte. Ekström sprang in diesem Moment wie ein Gymnastiktrainer an der Seitenlinie, bevor er sich lachend wieder setzte. "Ich hab kurz gedacht, der Ball fliegt mir ins Herz. Aber dann flog er drüber", sagte er später. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Höchster Spieler ausgelassen. Dmitri Makarow tanzte mit der Eckfahne, während Peter Sommer scheinbar versuchte, seine Schuhe ins Publikum zu kicken - leider traf er nur einen Fotografen. Der nahm’s sportlich. Mit 19:4 Torschüssen und einer Zweikampfquote von 56,6 Prozent war der Sieg verdient, auch wenn er knapp ausfiel. Zell am See hatte taktisch solide agiert, aber ohne das letzte Risiko. "Wir wollten kein Harakiri spielen", meinte ein sichtlich enttäuschter Kapitän Julian Schmidt, "aber vielleicht hätten wir’s besser getan." Trainer Ekström fasste das Finale mit typisch nordischer Gelassenheit zusammen: "Ein Tor, ein Pokal, ein Abendessen auf mich. Mehr braucht’s nicht." Und so feierte Höchst bis tief in die Nacht, während der Pokal in der Kabine leise glitzerte - wie eine Erinnerung daran, dass manchmal ein einziger Treffer reicht, um Geschichte zu schreiben. 25.04.643990 04:00 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer