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Wenn ein Fußballspiel zum Kunstwerk wird, dann war der Abend in Höchst ein kleines Meisterwerk in Blau-Weiß. Vor 22.728 Zuschauern verwandelte der FC Höchst das heimische Stadion in ein Tollhaus und die Veilchen aus Salzburg in Statisten. 7:0 hieß es am Ende - und das war nicht einmal schmeichelhaft für die Gäste. Schon nach zehn Minuten war klar, dass hier etwas Großes im Gange war. Tiago Morte, der Mann für die spektakulären Momente, zog nach einem feinen Zuspiel von Dmitri Makarow ab - 1:0. Fünf Minuten später ließ Morte das Netz erneut zappeln, diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Domingo Deco. "Ich hab nur gehofft, er schießt nicht mich ab, so hart war das Ding", grinste Deco nach der Partie. Die Salzburger wirkten zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das sich noch im Aufwärmen befand, während Höchst bereits auf Betriebstemperatur war. In der 37. Minute schaltete sich Michael Kopp ein und verwandelte Decos Vorlage zum 3:0. "Ich habe einfach geschossen, weil Tiago mal Pause brauchte", witzelte Kopp später. Nur zwei Minuten darauf stand es 4:0 - Peter Sommer drückte einen präzisen Pass von Kopp über die Linie. Halbzeit. Der Pausentee schmeckte in Salzburg wohl nach bittren Kräutern. Trainer Ronnie Ekström blieb in der Kabine ruhig. "Ich hab ihnen gesagt: macht einfach weiter, als wäre es 0:0 - aber lasst bitte das Netz ganz", erzählte er mit einem Augenzwinkern. Seine Elf tat genau das, allerdings ohne Rücksicht auf das Netz. In der 54. Minute traf Kopp zum zweiten Mal, diesmal nach Vorarbeit von Makarow. Acht Minuten später wiederholte sich das Schauspiel - diesmal flankte der 17-jährige Sergio Caneira herrlich von links, Kopp nickte ein. Das Stadion tobte. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", meinte Kopp lachend. Und als wäre das nicht genug, setzte Tiago Morte in der 72. Minute den Schlusspunkt. Nach einer Ecke von Ashton Giles stand er goldrichtig und hämmerte den Ball zum 7:0 ins Eck. Drei Tore für Morte, drei für Kopp, eines für Sommer - eine Bilanz, die man sonst nur bei einem Computerspiel erwartet. Die Statistik war ebenso eindeutig wie das Ergebnis: 21 Torschüsse für die Höchster, nur zwei für Salzburg. 53 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, die trotz eines Platzverweises weiter dominierten. Domingo Deco sah in der 48. Minute Gelb und in der 52. Minute Gelb-Rot - der einzige Schönheitsfehler in einem ansonsten makellosen Abend. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch mal auffallen kann", sagte Deco trocken. Die Salzburger? Bemüht, aber chancenlos. Trainer Johannes Weckwerth sprach nach dem Spiel von "einem kollektiven Blackout". Seine Spieler wirkten eher wie nach einem kollektiven Marathon. Einmal, in der 89. Minute, versuchte Pablo Gelmirez es noch - ein Schuss, der immerhin den Weg aufs Tor fand. Doch Höchsts Keeper Alexandre Marchand hatte an diesem Abend so wenig zu tun, dass er den Ball wohl dankbar aufhob, um sich nicht zu erkälten. Ronnie Ekström strahlte nach dem Abpfiff: "Heute hat einfach alles funktioniert. Wir hätten wahrscheinlich auch mit verbundenen Augen getroffen." Und Tiago Morte, der Mann des Spiels, fasste das Geschehen mit typisch portugiesischer Gelassenheit zusammen: "Sieben Tore sind schön, aber ich hätte gern noch das achte gemacht." Die Zuschauer verließen das Stadion mit breitem Grinsen und der Gewissheit, Zeugen eines denkwürdigen Abends gewesen zu sein. In den Straßen von Höchst wurde noch lange gejubelt - und manch einer schwor, er habe das siebte Tor in Zeitlupe gesehen. Fazit? Der FC Höchst spielte, als hätte er vergessen, dass man in der 2. Liga eigentlich um Punkte kämpft - und nicht um Kunstpreise. Die Veilchen aus Salzburg werden dagegen froh sein, dass es im Fußball keine B-Note gibt. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "So spielt man nur, wenn man das Abendessen schon gewonnen hat." 07.09.643987 17:27 |
Sprücheklopfer
Ich werde mir eine Schaf-Farm in Neuseeland kaufen und Schafswurst herstellen, um sie nach Bayern zu exportieren. Nee, mal im Ernst, was für eine blöde Frage ist das? Wie denkt man sich solche Fragen aus? Gibt man sein Hirn schon vor oder erst nach dem Journalistikstudium ab?
Peter Neururer auf die Frage nach seinen Plänen nach dem geschafften Wiederaufstieg in die Bundesliga: