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FC Höchst bezwingt Bleiburg im Elferkrimi - Drama im Pokal-Halbfinale

Es war ein Abend, der selbst hartgesottene Fußballfans altern ließ. 36.000 Zuschauer im Bleiburger Stadion sahen eine Begegnung, die zwar lange ohne Tore blieb, aber mit jeder Minute an Spannung gewann - bis schließlich das Elfmeterschießen den FC Höchst ins Pokalfinale katapultierte. 5:4 hieß es am Ende nach nervenaufreibenden 120 Minuten plus Strafstoßlotterie.

Beide Teams begannen, als wollten sie sich gegenseitig hypnotisieren. Bleiburgs Trainer Siegi Kowa hatte seine Elf gewohnt ausgewogen eingestellt, "nicht zu wild, nicht zu brav", wie er später schmunzelnd erklärte. Höchst-Coach Ronnie Ekström dagegen setzte von Anfang an auf Konterfußball, der so defensiv wirkte, dass selbst die Eckfahnen nervös wurden. "Wir wollten erstmal sehen, ob der Ball rund bleibt", grinste Ekström nach dem Spiel.

Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Adam Malfoy, der flinke Rechtsaußen der Höchster, prüfte bereits in der 14. Minute Bleiburgs jungen Keeper Otto Fricke. Doch der 19-Jährige parierte, als hätte er nie etwas anderes getan. Drei Minuten später versuchte es Bleiburgs Helmut Lohmann auf der Gegenseite - knapp vorbei. So ging es weiter: Angriff, Abwehr, Seufzer.

Kai Raab war auf Bleiburger Seite der Aktivposten. Der 28-Jährige ballerte gleich dreimal aufs Tor (25., 27., 46.), aber Höchsts Torhüter Alexandre Marchand zeigte eine Glanzleistung. "Der Mann klebt am Ball wie Honig am Löffel", murmelte ein Zuschauer in der 40. Reihe, während Marchand erneut spektakulär abtauchte.

Nach der Pause dasselbe Bild: Bleiburg mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,8 %), Höchst lauerte auf Konter. Adam Malfoy rannte, flankte und schoss - insgesamt sieben Mal suchte er den Abschluss, allerdings stets ohne Fortune. "Ich hab irgendwann gedacht, das Tor ist kleiner geworden", gab er nach dem Abpfiff zu.

Die größte Chance hatte Bleiburgs Curt Ahrens in der 112. Minute, als er nach einem Gewusel im Strafraum plötzlich frei stand. Sein Schuss - natürlich - direkt auf Marchand. Der grinste danach: "Ich hab einfach gehofft, dass er nicht zielt. Glück gehabt."

Nach 120 torlosen Minuten war klar: Jetzt muss das Elfmeterschießen entscheiden. Und das tat es - gnadenlos.

Für Bleiburg trafen Ahrens, Raab, Smith und Endres sicher, doch der tragische Held des Abends hieß Helmut Lohmann. Der 19-Jährige, bis dahin mit viel Einsatz und zwei späten Abschlüssen (119. und 124. Minute), setzte den entscheidenden Elfer über die Latte. "Ich wollte’s besonders schön machen", sagte er mit glasigen Augen. "Leider wurde’s besonders hoch."

Höchst blieb cooler. Malfoy eröffnete mit einem wuchtigen Treffer, Ramallo, Morte und Kocsis legten nach. Und als zuletzt der rechte Verteidiger Domingo Deco antrat, hielt das Stadion den Atem an. Ein kurzer Anlauf, ein Schuss - und der Ball zappelte im Netz. 5:4! Jubel, Tränen, Ekstase.

Trainer Ekström, sonst eher der stoische Typ, umarmte seine Spieler, als wären sie seine lang verschollenen Cousins. "So was hab ich in zwanzig Jahren nicht erlebt. Wir waren heute einfach ein Stück dreister", meinte er. Bleiburgs Coach Kowa dagegen blieb gefasst: "Wir haben uns nichts vorzuwerfen - außer vielleicht, dass wir kein Tor geschossen haben."

Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 14 Torschüsse für Bleiburg, 17 für Höchst, fast identischer Ballbesitz. Nur in der Effizienz hatten die Gäste die Nase vorn - und im Nervenkostüm.

Die Fans feierten beide Teams mit Applaus, als die Spieler erschöpft vom Feld schlichen. "Solche Spiele sind der Grund, warum man Fußball liebt und gleichzeitig hasst", sagte ein Bleiburger Fan mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Herzschmerz lag.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der FC Höchst hat sich ins Pokalfinale gezittert, während der FC Bleiburg erhobenen Hauptes ausscheidet. Und irgendwo in der Kabine summte wohl Helmut Lohmann leise vor sich hin: "Nächstes Mal, da hau ich ihn rein."

Ein Abend wie gemalt - nur eben ohne Farbe im Ergebnis. Dafür mit jeder Menge Drama, Pathos und einem Torwart, der zum Helden wurde. Fußball kann grausam sein. Aber auch wunderschön.

20.12.643987 13:18
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