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Wenn man an einem kalten Januarabend ins Stadion geht, um ein Spiel der 4. Liga Österreich (3. Div) zu sehen, erwartet man ehrlichen, bodenständigen Fußball. Was die 5549 Zuschauer in Hallein aber beim 4:1 (2:1) gegen den FC Puch am 16. Spieltag zu sehen bekamen, war mehr als das: Es war jugendlicher Übermut, gepaart mit erstaunlicher Effizienz - und einer Prise frecher Unbekümmertheit, die man sonst nur in Straßenkickern findet. Trainer Herbert Krunkel stand nach Abpfiff mit einem Grinsen da, das man sonst nur nach einem Lottogewinn sieht. "Ich hab den Jungs gesagt: Geht raus, habt Spaß - und schießt vielleicht auch mal aufs Tor", meinte er augenzwinkernd. 21 Torschüsse seiner Mannschaft bestätigten, dass der Spaß nicht zu kurz kam. Den Anfang machte in der 17. Minute der 17-jährige Olgun Balkan, der nach feinem Zuspiel von Niels Baur den Ball trocken ins rechte Eck setzte. Ein Tor, so klar und schnörkellos, dass man kurz vergessen konnte, dass es sich um die 4. Liga handelte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Balkan nach dem Spiel lachend zu. "Aber wenn’s so reingeht, behaupte ich natürlich, es war Absicht." Puch, ein routinierter Haufen mit deutlich mehr Erfahrung (auch an grauen Haaren), brauchte eine Weile, um sich zu fangen. Doch in der 39. Minute war es der 29-jährige Hartmut Schultz, der nach Vorlage von Lennard Voss zum 1:1 ausglich - und dabei kurz so aussah, als wolle er die Halleiner Jugend über das Knie legen. "Da haben wir kurz gezeigt, dass wir auch noch da sind", knurrte Puchs Trainer, dessen Namen man sich lieber nicht notierte, weil er beim Interview mehr Dampf abließ als ein alter Kessel. Aber Hallein ließ sich nicht beeindrucken. Noch vor der Pause - in der 44. Minute - traf Fabio Lorusso, 18 Jahre jung, nach eigenem Ballgewinn zum 2:1. Ein Treffer, der Puchs Defensive aussehen ließ, als sei sie gerade auf der Suche nach dem Ausgang aus dem Stadion. Nach Wiederanpfiff ging’s dann schnell. Kaum zwei Minuten gespielt, erhöhte Jose Rocha nach feinem Zuspiel von Dirk Petersen auf 3:1 (47.). Rocha, der 21-jährige Mittelfeldmotor, riss nach dem Tor die Arme hoch und schrie in Richtung der jubelnden Fans: "Jetzt glaubt ihr’s mir endlich!" - Und ja, sie glaubten ihm. Das 4:1 in der 55. Minute war die Krönung eines Abends, an dem alles passte. Harrison Willoughby, 17, zog von links in die Mitte, bekam den Ball vom ebenfalls 17-jährigen Pedro Pauleta und schlenzte ihn mit links ins lange Eck. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, nur dass der Lehrer vermutlich auch applaudiert hätte. Danach war die Messe gelesen. Hallein wechselte klug, brachte frische Beine, ließ aber nicht locker. Niels Marx kam für Lorusso (60.) und hätte in der 82. und 91. Minute fast nachgelegt, scheiterte aber jeweils am Pucher Keeper Marian Niedzielan, der trotz vier Gegentoren der Beste seines Teams war. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte dieser trocken. "Aber hey, wenigstens hat keiner einen Elfer verschossen." Puch, das muss man sagen, hatte mit seinen drei Torschüssen kaum Offensivpräsenz. Der Ballbesitz von 53 Prozent klingt da fast wie ein schlechter Witz. Hallein verteidigte bissig (58 % gewonnene Zweikämpfe) und spielte, als hätten sie nie etwas anderes getan. Ein paar gelbe Karten würzten das Ganze noch: Lennard Voss (64.) und Hartmut Kaiser (86.) sahen für Puch die Verwarnung, auf Halleiner Seite traf es Emilio Garcia (71.) und später Jose Rocha (94.), der das mit einem Lächeln hinnahm. "Ich wollte nur den Ball haben", sagte er - und alle wussten, dass das so ziemlich jeder Gelb-Sünder dieser Welt schon einmal behauptet hat. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte das Team des FC Hallein ausgelassen, während der Stadionsprecher sich bemühte, die euphorischen Fans daran zu erinnern, dass es "nur" die 4. Liga sei. Doch an diesem Abend fühlte sich das Stadion an wie ein kleiner Hexenkessel. Trainer Krunkel fasste es mit trockenem Humor zusammen: "Wenn man mit so vielen Teenagern spielt, weiß man nie, ob sie nervös sind oder einfach vergessen haben, dass’s wichtig ist. Heute war Letzteres - und das war gut so." Fazit: Der FC Hallein liefert eine Demonstration jugendlicher Spielfreude ab, während der FC Puch mit Erfahrung, aber ohne Durchschlagskraft bleibt. 4:1, 21 Schüsse, vier Tore - das liest sich wie ein Statement. Und wer den Abend im Stadion erlebt hat, weiß: Die Zukunft in Hallein trägt Vornamen wie Olgun, Fabio und Harrison. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen brummte: "Früher war mehr Lametta, aber heute war mehr Tempo." Und Tempo schlägt Lametta - zumindest mit 4:1. 11.07.643987 16:22 |
Sprücheklopfer
Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller