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Es war ein frostiger Januarabend in Olomouc, aber auf dem Rasen des Andrův-Stadions brodelte es wie in einer überhitzten Espressomaschine. 16.000 Zuschauer hatten sich am 10. Spieltag der 1. tschechischen Liga eingefunden, um zu sehen, wie der FC Olomouc gegen den FC Bystrc-Kninicky bestehen würde. Am Ende stand ein klares 1:3 - und der Eindruck, dass die Gäste nicht nur drei Punkte, sondern auch die Spielanlage des Heimteams mitgenommen hatten. Dabei fing alles so hoffnungsvoll für Olomouc an. In der 10. Minute brachte der 19-jährige Carl Gelmirez die Hausherren nach schöner Vorarbeit von Marcio Da Cru in Führung. Ein Schuss, so trocken wie ein alter Weißwein - und ebenso wirkungsvoll. Das Stadion tobte, die Fans glaubten an einen magischen Abend. "Ich dachte, das läuft heute wie am Schnürchen", gestand Gelmirez später mit einem schiefen Grinsen. Doch Bystrc antwortete prompt. Nur zehn Minuten später glich Ole Arst aus - nach präzisem Zuspiel des erfahrenen Jerome Simard. Der Treffer war so abgezockt, dass man kurz dachte, Arst spiele schon seit Jahren in der Champions League. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing hier sind", lachte Bystrc-Coach Carsten Achenbach nach dem Spiel. Von da an übernahmen die Gäste die Kontrolle. Der Ballbesitz war mit 50,5 Prozent leicht ausgeglichen, doch was Bystrc aus seinen Angriffen machte, war ein Klassenunterschied: 20 Torschüsse zu 4 - das sagt eigentlich alles. Während Olomouc in der zweiten Halbzeit versuchte, Ordnung ins Spiel zu bringen, rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Darko Trkulja zu. Der Keeper bekam mehr Bälle zu halten als ein Jongleur auf dem Stadtfest. In der 55. Minute belohnte sich Bystrc für seinen Dauerdruck: Rolando Maiera traf mit einem präzisen Linksschuss zur 2:1-Führung - wieder nach Vorlage von Simard. Der Mittelfeld-Regisseur spielte an diesem Abend, als hätte er eine Fernbedienung für alle Mitspieler in der Tasche. Fünf Minuten später machte Ole Arst den Sack zu. Nach einem Pass von Claude Carrier tauchte er frei vor dem Tor auf und verwandelte eiskalt zum 3:1. Zwei Tore, ein Lächeln, und ein kurzer Blick zum Himmel - als wollte er sagen: "So einfach ist Fußball." Olomouc hingegen wirkte ab Minute 60 ratlos. Trainerstimmen waren kaum zu überhören. "Wir haben den Zugriff verloren", murmelte ein frustrierter Assistent auf der Bank. Coach Achenbach dagegen konnte sich sogar den Luxus erlauben, gleich drei Wechsel zur Pause vorzunehmen - ein Zeichen, dass er an diesem Abend die Fäden vollständig in der Hand hielt. Die einzige Gelbe Karte des Spiels sah Bystrcs Innenverteidiger Karel Jarolim in Minute 58 - vermutlich aus purer Langeweile, denn sonst hatte Olomouc kaum Offensivaktionen, die ihn hätten beschäftigen können. Der Rest des Spiels verlief so einseitig, dass manche Zuschauer sich schon ab der 80. Minute lieber über die Schneeflocken als über das Geschehen auf dem Platz unterhielten. Nach Abpfiff wirkte Olomouc-Kapitän Frantisek Kolomaznik niedergeschlagen: "Wir haben gut angefangen, dann aber aufgehört, an uns zu glauben. Und Bystrc hat das gnadenlos ausgenutzt." Sein Trainer - der sich hinter vorgehaltener Hand über "fehlenden Biss" beklagte - dürfte ähnliche Worte gefunden haben. Bystrc-Coach Achenbach hingegen hatte sichtlich Spaß: "Wir waren heute einfach gieriger. Und wenn man 20 Mal aufs Tor schießt, darf auch mal was reingehen." Eine Untertreibung, denn seine Mannschaft kombinierte stellenweise mit der Leichtigkeit eines Tanzensembles. Besonders Simard, der zweimal als Vorlagengeber glänzte, wurde von den Fans gefeiert. So endete der Abend mit einem verdienten Sieg für die Gäste, während Olomouc in die Kabine schlich wie jemand, der gerade erfahren hat, dass sein Lieblingsrestaurant geschlossen bleibt. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 20 Abschlüsse, drei Tore - Bystrc war an diesem Abend schlicht eine Nummer zu groß. Im Presseraum fasste Achenbach das Ganze mit einem Augenzwinkern zusammen: "Ich sag’s mal so: Wenn man den Ball hat, kann der Gegner keinen Ärger machen - und heute hatten wir ihn fast immer." Olomouc wird sich in den kommenden Wochen steigern müssen, um nicht im grauen Mittelfeld zu versinken. Bystrc dagegen darf leise vom oberen Tabellendrittel träumen - und das völlig zurecht. Und während die Flutlichter erloschen, hörte man auf den Rängen noch einen Fan seufzen: "Na ja, wenigstens war das Bier warm." Ein Satz, der an diesem Abend wohl das gesamte Gefühlsleben des FC Olomouc zusammenfasste. 03.05.643987 07:21 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York