// Startseite
| Sportovni Noviny |
| +++ Sportzeitung für Tschechien +++ |
|
|
|
Was für ein Pokalfinale! 59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Bystrc erlebten am Dienstagabend ein Spiel, das anfangs eher nach Schach aussah, dann aber in ein feuriges Duell aus Leidenschaft, Nerven und - ja, tatsächlich - einem Traumtor eines Linksverteidigers mündete. Am Ende jubelte die Mannschaft von Trainer Carsten Achenbach: Der FC Bystrc-Kninicky besiegte Hradec Kralove mit 2:1 (1:0) und krönte sich damit zum Pokalsieger 2026. Schon früh war klar: Das wird kein Spaziergang. Beide Teams starteten mit offenem Visier, 12 Torschüsse auf jeder Seite sprechen Bände. Hradec Kralove, vom stets energischen Thomas Michael Rinesch betreut, versuchte es bevorzugt über die Flügel - Kian Cromwell und Antonio Garcia wirbelten wie aufgezogen, schossen in den ersten fünf Minuten gleich dreimal aufs Tor. Doch Bystrc-Keeper Ivan Ivic, ein Mann, der offenbar keine Nerven und keine Poren hat, wehrte alles ab. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball nicht trifft", grinste er nach dem Spiel. Dann die 39. Minute: Ein Pass wie mit dem Skalpell von Kristofer Gulbrandsen, und Hermanni Pasanen, der fliegende Finne auf der rechten Seite, vollstreckte eiskalt zum 1:0. Das Stadion explodierte, und selbst Trainer Achenbach, sonst eher der Typ Schachgroßmeister in Jogginghose, sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim ersten Konzertbesuch. "Hermanni hat das trainiert - also, zumindest hat er’s behauptet", witzelte der Coach nach Abpfiff. Kurz darauf wurde es ruppig: Erst kassierte Hradecs Ewan Rushton Gelb (36.), dann Bystrcs August Brun (37.) - und beide diskutierten noch minutenlang weiter, vermutlich über die Frage, wer eleganter foult. "Ich fand, das war ein taktisches Gespräch", meinte Brun später augenzwinkernd. Nach dem Seitenwechsel kam Hradec mit wilder Entschlossenheit zurück, doch dann schlug Bystrc eiskalt zu. In der 56. Minute flankte Eric Marceau butterweich in den Rückraum - und ausgerechnet Linksverteidiger Filippos Mitroglou drosch den Ball aus 20 Metern in den Winkel. 2:0. Der Grieche blickte danach so ungläubig, als hätte er gerade das Passwort zum WLAN des Stadions erraten. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er lachend. Doch wer dachte, dass Hradec sich ergeben würde, wurde eines Besseren belehrt. Nur acht Minuten später (64.) kombinierte sich das Team über Cromwell und Meireles durch die Defensive - letzterer traf zum 2:1-Anschluss. Trainer Rinesch brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt habt ihr’s verstanden!" - ob’s seine Spieler hörten, ist fraglich, denn die letzten 25 Minuten waren ein Sturmlauf in Richtung Ivic. Cromwell, Zorrilla und Garcia feuerten, was das Leder hergab, doch Bystrcs Abwehr hielt stand. Besonders Innenverteidiger Isaac Fairchild blockte in der 82. Minute einen Schuss, der wohl sonst den Ausgleich bedeutet hätte. "Ich wollte den Ball, nicht mein Gesicht treffen lassen - das hat halb geklappt", sagte Fairchild mit einem blauen Fleck, der vermutlich noch in der nächsten Woche in den Klubfarben leuchten wird. Achenbach reagierte mit einer späten Einwechslung: Sasa Juskic kam für Brun, brachte frische Beine - und fast das dritte Tor. Doch sein wuchtiger Kopfball (80.) flog knapp über die Latte. Danach verteidigte Bystrc mit allem, was es hatte: Leidenschaft, Zeitspiel und gelegentlich auch diskrete Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Achenbach auf die Knie, Gulbrandsen umarmte Pasanen, und irgendwo auf der Tribüne weinte ein Fan in blau-weißer Perücke Freudentränen. Rinesch dagegen verschwand mit steinernem Blick im Tunnel. "Wir wollten offensiv spielen - das haben wir auch. Nur leider hat der Ball sich nicht an den Plan gehalten", meinte er trocken. Statistisch stand es am Ende fast unentschieden: 50,0 Prozent Ballbesitz für Bystrc, 49,9 für Hradec, je 12 Torschüsse. Doch Fußball wird bekanntlich nicht nach Prozentpunkten entschieden. Bystrc-Kapitän Eric Marceau brachte es auf den Punkt: "Wir waren heute keine Künstler, aber verdammt gute Handwerker." Und vielleicht ist das die schönste Beschreibung dieses Abends - ein Pokalfinale ohne Glitzer, aber mit Herz, Schweiß und einem Linksverteidiger, der für einen Moment aussah wie ein Weltstar. Und irgendwo in der Kabine soll Mitroglou noch gerufen haben: "Ab jetzt schieße ich auch die Ecken!" - Man wird sehen, ob Trainer Achenbach darüber lacht oder weint. Heute jedenfalls lachte er. Zu Recht. 13.04.643990 13:28 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund