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Falke Fellbach fliegt knapp über Wismut Aue hinweg

Manchmal sind Fußballspiele wie ein Espresso: kurz, stark und mit einem bitteren Nachgeschmack für den, der ihn zu schnell trinkt. So ähnlich dürfte sich der Dienstagabend für Wismut Aue angefühlt haben. 4720 Zuschauer im Fellbacher Stadion sahen ein Regionalliga-C-Spiel, das trotz des knappen 1:0-Sieges der Falken alles andere als langweilig war - eher ein handfester Beweis, dass Effizienz im Fußball manchmal mehr zählt als Schönheit.

Falke Fellbach, unter der Leitung von Trainer James Bond (ja, wirklich, der Name sorgt auch nach Monaten noch für Lacher auf den Pressebänken), legte los, wie man es von einem Team erwartet, das sich gegen druckvolle Gäste behaupten muss: tief stehen, Räume eng machen, auf den Moment warten. Und der kam in der 22. Minute. Guillermo Derlei, der Mittelfeldmotor mit dem Temperament eines Stierkampfs, fasste sich nach Zuspiel von Maik Keil ein Herz und drosch den Ball aus 18 Metern humorlos ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Derlei später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. War wohl mein Glückstag."

Das 1:0 blieb der einzige Treffer des Abends, aber keineswegs das Ende der Spannung. Aue, trainiert von Thomas Freitag, spielte mutig und mit jugendlicher Unbekümmertheit. Gleich 16 Torschüsse feuerten die Gäste ab - das Problem: keiner wollte rein. Besonders der 18-jährige Christian Beaupre tat sich hervor, der in der 7., 37. und 83. Minute immer wieder am glänzend reagierenden Fellbacher Keeper Stilian Letschkow scheiterte. Der Keeper, ein Fels in der Sturmflut, brüllte nach einer dieser Szenen: "Nicht mit mir, Jungs!" - und man glaubte ihm aufs Wort.

"Wir haben das Spiel gemacht, aber Fellbach hat das Tor gemacht", fasste Freitag nach der Partie trocken zusammen. "So ist Fußball. Wenn du vorne die Dinger nicht machst, brauchst du dich hinten nicht über Pech zu beschweren." Sein Gegenüber Bond konterte mit einem schelmischen Lächeln: "Ich sag’s mal so: Wir schießen nicht oft, aber wenn, dann richtig."

Die Statistik untermauerte diese Philosophie: 9 Schüsse für Fellbach, 16 für Aue, 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - also eine hauchdünne Überlegenheit in den Zahlen, aber eine große auf der Anzeigetafel. Auch im Zweikampfverhalten war’s knapp - 48 Prozent zu 52 zugunsten der Gäste. Doch Fußball bleibt eben kein Schönrechnen.

Die Partie hatte durchaus feurige Momente. In der 43. Minute sah Roberto La Rosa von Wismut Gelb, nachdem er Phillip Albrecht mit einem rustikalen Einsteigen den Rasen zeigte. "Ich wollte nur den Ball", betonte der junge Verteidiger später, "aber der Ball wollte wohl nicht mich." Fellbachs William Harrington revanchierte sich in der 72. Minute mit einer taktischen Grätsche, die die Gelbe Karte fast schon verdient in Empfang nahm.

Im zweiten Durchgang drängte Aue mit allem, was jugendlicher Übermut hergibt. Trainer Freitag stellte offensiv um, brachte ab der 62. Minute Milan Damjanovic für Harsanyi, und die Gäste warfen in der Schlussphase alles nach vorne. Fellbachs Abwehrreihe - angeführt von Necmettin Köse und Jonas Ledig - verteidigte mit der Entschlossenheit einer Abrissbirne. "Wir wussten, dass sie jung sind und rennen würden, bis die Schuhe glühen", sagte Köse nach dem Spiel. "Also haben wir uns gedacht: Dann lassen wir sie halt rennen."

In der 91. Minute versuchte Aues Rechtsverteidiger Benjamin Van Laecken noch einmal sein Glück mit einem beherzten Fernschuss, doch Letschkow war wieder zur Stelle. Danach war Schluss, und die Fellbacher jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen.

Für Falke Fellbach war es ein Sieg des Willens - und vielleicht auch ein bisschen des Pragmatismus. Trainer Bond brachte es auf den Punkt: "Manchmal musst du nicht der Schnellste oder Schönste sein. Manchmal reicht’s, wenn du einfach das Tor triffst."

Und Aue? Die Jungs aus dem Erzgebirge werden sich ärgern - über vergebene Chancen, über fehlendes Glück, über einen Torwart, der einfach nicht mitspielen wollte. Aber wer sie kennt, weiß: Sie kommen wieder. Vielleicht schon nächste Woche, wenn sie ihre 16 Schüsse diesmal in Tore verwandeln.

So bleibt der Abend in Fellbach als jener in Erinnerung, an dem ein Team schoss, das andere traf - und ein Trainer namens Bond wieder einmal bewies, dass man mit kühlem Kopf und etwas britischem Humor selbst Regionalliga-Fußball zu einer Geheimmission machen kann.

25.06.643993 14:26
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