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Es war ein lauer Samstagabend in Chone, 31.177 Zuschauer schwitzten und schworen, sie hätten schon schlechtere Heimspiele ihres geliebten Grecia Chone gesehen - aber das war bevor Expreso Cuenca den Turbo zündete. 2:4 (2:2) hieß es am Ende, und das Ergebnis spiegelt die Kräfteverhältnisse nur zur Hälfte wider. Denn während die Gastgeber früh loslegten, zeigte Cuenca im zweiten Durchgang, warum sie in der 1. Liga Ecuador zu den gefährlichsten Offensiven zählen. Bereits in der 18. Minute bebte das Estadio Municipal. Ophir Mofaz, der flinke Linksaußen mit der Dynamik eines frisch geöffneten Energy-Drinks, drückte nach Vorlage von Innenverteidiger Bailey Gady den Ball über die Linie. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht wieder in den Himmel schießt", grinste Trainer Flasche Leer später. Gady selbst, noch in der Euphorie, soll laut Lippenlesern gerufen haben: "Siehst du, ich kann auch Offensivfußball!" - ein Satz, der ihm später noch peinlich werden sollte. Doch Cuenca reagierte eiskalt. Zehn Minuten später zirkelte Jose Maria Meireles, der 31-jährige Stratege im Mittelfeld, einen Ball aus zwanzig Metern ins Eck. Der Pass kam vom 19-jährigen Sergio Rueda, der so unbeschwert spielte, als hätte er keine Ahnung, dass das hier ein Auswärtsspiel war. Und weil Cuenca Offensivfußball nicht nur buchstabieren, sondern auch praktizieren kann, legte Rechtsverteidiger Matteo Mari in der 39. Minute nach - nach Flanke von Vincent Gil, dem Dauerläufer auf dem rechten Flügel. 1:2, und Grecia Chone sah kurzzeitig aus, als hätte man ihnen die Limonade ausgetauscht. Kurz vor der Pause dann der erneute Jubelsturm: Wieder Mofaz, diesmal nach schöner Vorarbeit von Domingo Farinos (45.). "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", murmelte Trainer Leer später halb ernst, halb resigniert. Mit 2:2 ging es in die Kabine - und die Hoffnung keimte, dass hier vielleicht doch ein Punkt zu holen sei. Aber Cuenca kam zurück wie ein Schnellzug, der ein Stoppschild übersehen hat. 52,9 Prozent Ballbesitz sind keine astronomische Zahl, doch 19 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Grecia Chones sechs Abschlüsse wirkten dagegen wie freundliche Versuche, den Ball höflich beim gegnerischen Torhüter abzugeben. In der 78. Minute fiel dann die Entscheidung: Der junge Diego Morais, 21, nutzte eine Unachtsamkeit in der Chone-Abwehr und traf nach Vorlage von - natürlich - Vincent Gil zum 2:3. Nur zwei Minuten später sah Innenverteidiger Bailey Gady Gelb-Rot. "Ich wollte den Ball spielen", verteidigte er sich später, "aber der Ball war halt zufällig in den Beinen des Gegners." Mit einem Mann weniger blieb Grecia Chone nur noch die Hoffnung auf ein Wunder. Doch Cuenca hatte andere Pläne. Der überragende Rueda krönte seine Leistung mit dem 2:4 in der 87. Minute - wieder assistiert von Gil, der an drei der vier Tore beteiligt war. "Er läuft wie auf Koffein", scherzte Cuenca-Coach Dierk Nordi nach dem Spiel. Statistisch gesehen war alles klar: Cuenca dominierte die Zweikämpfe (56 Prozent), zeigte mehr Biss, mehr Ideen und mehr Zielstrebigkeit. Grecia Chone dagegen versuchte sich in schönem, aber ineffektivem Kurzpassspiel, das spätestens an der Strafraumkante verpuffte. Und als Gady vom Platz flog, schien auch der letzte Rest Mut vom Platz zu marschieren. Trainer Leer fasste es trocken zusammen: "Wir haben zwei Tore geschossen, Cuenca vier. Das ist leider die falsche Reihenfolge." Sein Kollege Nordi grinste breit: "Offensiv war das ordentlich. Defensiv? Nun ja, wir haben vier geschossen - das zählt." Als die letzten Zuschauer von den Rängen trudelten, war die Stimmung eher nachdenklich als wütend. Viele applaudierten trotzdem - Mofaz hatte mit seinen zwei Treffern den Abend wenigstens kurz erhellt. Ein älterer Fan meinte beim Hinausgehen: "Früher hätten wir so ein Spiel gewonnen. Aber früher war auch der Rasen grüner." So bleibt Grecia Chone nach dem 23. Spieltag weiter im Mittelfeld stecken, während Expreso Cuenca mit breiter Brust nach oben schielt. Und wer gesehen hat, wie sie in der zweiten Halbzeit über den Platz wirbelten, der weiß: Dieser Express hält vorerst nicht an. Oder, um es mit den Worten des erschöpften Cuenca-Keepers Joao Tiago zu sagen: "Wir haben gewonnen, und ich durfte mir das alles von hinten anschauen - das ist der beste Arbeitsplatz der Welt." 12.10.643987 08:50 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts