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Ein Abend, der mit einem Paukenschlag begann und mit einem kollektiven Aufatmen endete: Beim 2:2 zwischen Expreso Cuenca und CD Aucas boten beide Mannschaften ein Spektakel, das den 38.714 Zuschauern im Stadion noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte - und den Trainern vermutlich ein paar graue Haare mehr beschert hat. Kaum hatte Schiedsrichter Cabrera die Partie angepfiffen, da hallte schon ein kollektives "Oh nein!" durch die Ränge: In der 5. Minute donnerte Julien Hannigan den Ball nach Vorarbeit von Lionel Villar kompromisslos ins Netz - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 30-jährige Franzose später. "So früh zu treffen ist gefährlich - man denkt, es wird leicht. War’s aber nicht." Denn Cuenca brauchte nur ein paar Minuten, um den Schock abzuschütteln. Trainer Dierk Nordi brüllte von der Seitenlinie "Bleibt ruhig, Jungs!", und tatsächlich: Ab der 20. Minute begannen die Gastgeber, ihr gefürchtetes Konterspiel aufzuziehen. In der 32. Minute war es dann so weit - Diego Morais, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, zog nach Pass von Oliver Stanton ab und traf eiskalt zum Ausgleich. "Oliver hat ’nen super Pass gespielt", sagte Morais, der danach jubelnd Richtung Fantribüne rannte. "Ich hab ihm gesagt, wenn du mir den Ball gibst, mach ich ihn rein. Zum Glück hat er’s gemacht." Die Partie blieb auch danach offen, allerdings mit leichten Vorteilen für Aucas. 19 Torschüsse der Gäste gegenüber nur 9 von Cuenca - eine Statistik, die klar für das aggressivere Team von Trainer Ratsor McQueen spricht. "Wir wollten gewinnen, keine Frage", sagte McQueen mit seiner typischen Mischung aus britischem Understatement und südamerikanischer Gestik. "Aber manchmal schießt du 19 Mal aufs Tor und triffst halt nur zweimal. Vielleicht sollten wir das Runde größer machen." Direkt nach Wiederanpfiff drückte Aucas weiter. In der 60. Minute war es dann der bullige Mittelstürmer Juan Perales, der nach einer Ecke von Olivier Baillon aus kurzer Distanz einköpfte - 1:2. Der Jubel der Gäste war laut, aber kurz. Denn Cuenca schlug nur acht Minuten später zurück: Oliver Stanton, vorher wegen eines Foulspiels verwarnt, machte seinen Fehler mit einem wuchtigen Schuss nach Vorlage von Vincent Gil wieder gut - 2:2. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Aucas drückte, Cuenca konterte - das Publikum stand Kopf. Die Schlussphase war ein wilder Tanz: Drei Gelbe Karten, ein Pfostentreffer von Hannigan, ein Flugeinsatz des jungen Torhüters Marcel Janas, der in der 89. Minute einen Schuss von Aitor Barros aus dem Winkel fischte. "Ich hab nur den Ball gesehen und gehofft, dass er mich trifft", lachte der 17-Jährige nach Spielende. "Hat funktioniert." Selbst die Taktik-Analysten kamen ins Schwitzen: Beide Teams spielten durchgehend offensiv, Aucas mit langen Bällen und starkem Pressing, Cuenca mit schnellen Gegenstößen und viel Herz. Ballbesitz? 51 zu 49 Prozent - also praktisch Gleichstand, auch wenn Aucas die Zweikämpfe (53 Prozent gewonnen) etwas robuster führte. In der Nachspielzeit brachte McQueen sogar noch seinen Ersatztorwart Jose Barros - "Ein taktischer Wechsel!", wie er später grinsend erklärte. "Ich wollte dem Jungen mal die Atmosphäre gönnen." Nordi hingegen blieb stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte nach dem Abpfiff: "Das war nichts für schwache Nerven. Aber ein Punkt ist ein Punkt." Während die Fans noch sangen und tanzten, verließen die Spieler erschöpft den Platz. Hannigan klopfte Morais auf die Schulter, beide lachten - so, als hätten sie gemeinsam gewonnen. Vielleicht hatten sie das ja auch: einen Punkt, viel Applaus und eine Erinnerung an ein Spiel, das alles hatte, was Fußball schön macht - Tempo, Dramatik und ein bisschen Wahnsinn. Und am Ende? Zwei Tore hier, zwei Tore dort, zwei Trainer mit heiserer Stimme - und 38.714 Menschen, die wissen: In Cuenca wird Fußball nicht nur gespielt, sondern gelebt. "Das war Werbung für die Liga", sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen. "Und wenn’s so weitergeht, kauf ich mir endlich ein Abo!" Ein Satz, den man in Ecuador derzeit wohl häufiger hören dürfte. Denn wenn Expreso Cuenca und CD Aucas aufeinandertreffen, ist eines garantiert: langweilig wird’s nie. 19.03.643990 16:11 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts