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Ein lauer Abend in Cuenca, 30.264 Zuschauer, ein bisschen Staub in der Luft und viel Dramatik auf dem Rasen: Expreso Cuenca hat am 9. Spieltag der 1. Liga Ecuador Rocafuerte FC mit 3:2 (2:1) niedergerungen - ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als eine Telenovela und bei dem die Jugend den Ton angab. Schon nach neun Minuten staunten die Heimfans nicht schlecht: Rocafuertes Ignacio Pacos, 22 Jahre jung und mit der Coolness eines erfahrenen Torjägers, versenkte den Ball nach feinem Zuspiel von Sinisa Drulic zum 0:1. "Ich habe einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Pacos später, "ich dachte, das Netz platzt." Es platzte nicht, aber Cuenca wachte auf - und wie. Nur sieben Minuten später egalisierte der 17-jährige Agemar Blanco mit einem trockenen Schuss aus 16 Metern, nach einem klugen Pass von Logan Latham. Es war das erste Profitor des Nachwuchstalents, und man spürte, wie die Tribüne vibrierte. Trainer Dierk Nordi brüllte etwas, das nach "Endlich wach, Jungs!" klang - und seine Elf legte nach. In der 29. Minute köpfte Ingo Carracedo, 19, nach einer Flanke des aufgerückten Innenverteidigers Fabio Galindo zum 2:1 ein. Galindo bekam kurz darauf Gelb, wohl aus purer Aufregung über sein Offensivabenteuer. Rocafuerte, trainiert von keinem Geringeren als Sesc Fabregas, reagierte in der Pause gleich mit drei Wechseln - ein klares Zeichen, dass der Spanier unzufrieden war. "Wir haben gespielt wie Touristen. Ich wollte wenigstens, dass sie Eintritt zahlen", schimpfte Fabregas später mit einem ironischen Lächeln. Seine Mannschaft schob sich zwar nach vorn, blieb aber im Abschluss fahrig. Cuenca, mit 57 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen, wirkte reifer, auch wenn der Altersschnitt kaum über 20 lag. "Ich hab das Gefühl, wir sind die jüngste Mannschaft der Liga - und manchmal auch die mutigste", meinte Nordi nach dem Spiel. Doch die Geschichte wäre keine richtige Fußballgeschichte, wenn nicht Spannung zurückgekehrt wäre. In der 75. Minute traf Rocafuertes Mittelstürmer Joschua Schultz nach Vorlage von Ernesto Benito zum 2:2. Plötzlich kippte die Stimmung, Fabregas ballte die Faust, und der Gästeblock erwachte zum Leben. "Da dachte ich, wir drehen das noch", sagte Schultz später. "Aber dann kam dieser Junge." Gemeint war Ivan Muzek, 18 Jahre alt, linker Flügelspieler mit einem Antritt wie Espresso doppio. In der 87. Minute zog er nach Zuspiel von Andrej Brezinsky nach innen und zimmerte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 3:2. Stadionexplosion. Nordi rannte die Linie entlang, die Ersatzspieler begruben den Schützen unter sich. "Ich hab gar nicht gesehen, wie der Ball reinging", stammelte Muzek später, "nur gehört, wie’s brüllte." Rocafuerte versuchte noch einmal alles - 16 Torschüsse insgesamt, einige davon in der Nachspielzeit - doch Cuencas Teenie-Abwehr hielt stand. Selbst als der 17-jährige Bruno Antolinez kurz vor Schluss Gelb sah, blieb der Gastgeber cool. "Wir haben heute Charakter gezeigt", bilanzierte Nordi. "Und ein bisschen Wahnsinn gehört dazu, wenn du mit 17-Jährigen gegen Männer spielst." Fabregas sah das ähnlich - nur leicht sarkastischer: "Wenn meine Spieler so jung wären, könnten sie wenigstens sagen, sie lernen noch. Meine müssen’s eigentlich schon können." Statistisch war’s ein enges Ding: Cuenca mit leicht besserem Zweikampfwert (50,25 Prozent), Rocafuerte mit mehr Schüssen, aber weniger Kontrolle. Die Zuschauer genossen es, als wäre es ein Pokalfinale. Ein älterer Fan fasste es nach Abpfiff treffend zusammen: "Drei Tore, drei Teenager, drei Herzattacken - das ist Cuenca!" Und so bleibt nach diesem 3:2 nicht nur ein Heimsieg, sondern das Gefühl, einer Generation beim Wachsen zuzusehen. Wenn Expreso Cuenca so weitermacht, wird man sich bald an Namen wie Blanco, Carracedo und Muzek gewöhnen müssen. Und vielleicht auch an die Art, wie sie Fußball spielen: frech, wild - und manchmal brandgefährlich. Oder, wie Trainer Nordi mit einem Augenzwinkern sagte: "Ich hab mehr graue Haare bekommen, aber das war’s wert." 30.08.643990 14:27 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale