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Was für ein Abend im Estadio Alejandro Serrano! 34.980 Zuschauer sahen ein Spektakel, das so früh entschieden war, dass der Stadionsprecher in der achten Minute beinahe schon das Endergebnis durchsagen konnte. Expreso Cuenca gewann am 33. Spieltag der 1. Liga Ecuador mit 3:1 gegen AD Quito - und das nach einer unfassbaren Anfangsphase, in der die Hausherren die Gäste regelrecht überrollten. Trainer Dierk Nordi hatte seine Cuenca-Elf mutig offensiv aufgestellt, und das zahlte sich sofort aus: Bereits in der ersten Minute donnerte Innenverteidiger Vicente Collantes den Ball nach einer Ecke von Jose Maria Meireles ins Netz. "Ich dachte zuerst, ich hätte den Pfosten getroffen", grinste Collantes später, "aber dann habe ich nur noch die Arme meiner Mitspieler gesehen." Wer glaubte, das sei ein glücklicher Start, wurde nur 60 Sekunden später eines Besseren belehrt. Meireles selbst traf zum 2:0, diesmal nach Vorlage des 18-jährigen Ingo Carracedo. Der junge Flügelflitzer war an diesem Abend ohnehin kaum zu bremsen. "Ich hab einfach nur Spaß gehabt", sagte Carracedo später, "Coach Nordi meinte vor dem Spiel, ich soll rennen, bis mir schwindlig wird. Ich hab’s wörtlich genommen." Und als Carracedo in der siebten Minute auch noch selbst traf - nach Vorarbeit des 17-jährigen Logan Latham - stand das Stadion Kopf. 3:0 nach sieben Minuten! Die Fans sangen, als wäre Cuenca schon Meister, während Gästetrainer Norbert Lichner an der Seitenlinie fassungslos die Arme hob. "Da denkst du, du hast einen Plan", murmelte er später trocken, "und dann kommt so ein Orkan über dich." Quito brauchte eine Weile, um sich zu fangen, doch immerhin gelang Marco Caneira in der 36. Minute nach einer Ecke von Olivier Celine der Ehrentreffer. Das 3:1 war zugleich das Halbzeitergebnis - und, wie sich herausstellen sollte, auch der Endstand. Dabei war die Partie keineswegs langweilig. Cuenca schoss insgesamt 14-mal aufs Tor, Quito kam auf 11 Abschlüsse, hatte mit 52,5 Prozent sogar mehr Ballbesitz. Doch die Gäste wirkten trotz ihrer Feldüberlegenheit stets harmloser. Wenn sie gefährlich wurden, dann meist durch Leandro Albanese, der gleich mehrere gute Chancen vergab. In der 56. Minute zirkelte er den Ball aus 16 Metern knapp am Pfosten vorbei, und in der Nachspielzeit (91.) klärte Cuencas Keeper Marcel Janas mit einer Flugeinlage, die selbst die gegnerischen Fans kurz applaudieren ließ. Die zweite Halbzeit war eher ein Lehrstück im Verwalten. "Wir wollten das Spiel nicht mehr herschenken", erklärte Nordi. "Offensiv bleiben, aber keine Geschenke verteilen. Die Jungs haben das ordentlich gemacht." Tatsächlich stand Cuenca kompakt, setzte weiterhin auf Konter - ganz im Sinne seiner taktischen Marschroute, die von der ersten bis zur letzten Minute "offensiv" hieß, aber mit kontrolliertem Risiko. AD Quito dagegen blieb brav "balanciert", wie es die Daten sagen würden - was auf dem Platz ungefähr so wirkte wie ein Auto im Leerlauf. Zwar kombinierten sie gefällig bis zum Strafraum, doch dort fehlte der letzte Biss. Als Bernardo Claverias in der 72. Minute nach einem taktischen Foul Gelb sah, war das ein Symbol: viel Einsatz, wenig Effekt. Nach dem Spiel sprach Lichner mit Galgenhumor: "Wenn du nach sieben Minuten 0:3 hinten bist, hilft dir keine Taktik mehr. Vielleicht ein Wunder - oder ein Regenschauer, der das Spiel abbricht." Die Fans von Expreso Cuenca feierten dagegen ausgelassen. Ein junger Anhänger schrie in Richtung der Presse: "Carracedo für die Nationalmannschaft!" - worauf der 18-Jährige nur lachte und antwortete: "Erst mal Matheprüfung bestehen!" Statistisch blieb das Spiel ausgeglichen: Cuenca mit 47,5 Prozent Ballbesitz, Quito mit leichtem Plus, aber ohne Ertrag. Tacklings nahezu pari, 50,2 zu 49,8 Prozent. Doch die nackten Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Entscheidend war die Wucht der Anfangsphase, die Präzision von Meireles und Carracedo - und die Nervenstärke einer Mannschaft, die nach dem 3:1 einfach nichts mehr anbrennen ließ. Oder wie Trainer Nordi zum Abschluss sagte: "Manchmal reicht eine Viertelstunde Fußball, um eine ganze Woche glücklich zu machen." Und in Cuenca dürfte diese Woche noch sehr lange dauern. 13.04.643990 17:40 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler