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Ein lauer Abend in Quito, rund 34.108 Zuschauer im Estadio Atahualpa, und man hätte meinen können, AD Quito würde zuhause den Gästen aus Cuenca zeigen, wo der Hammer hängt. Doch am Ende hing der Hammer über ihnen: Expreso Cuenca gewann mit 2:0 - verdient, abgeklärt und mit einer Prise südamerikanischer Frechheit. Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier das Gaspedal fand. Francisco Chalana, Cuencas quirliger Linksaußen, machte in der dritten Minute gleich mal Bekanntschaft mit dem Tornetz - von außen. "Ich wollte den Keeper wachrütteln", grinste Chalana später, und genau das tat er. AD Quito wirkte überrascht, fast beleidigt über so viel Offensivdrang. Während Cuenca mit langen Bällen und bissigem Pressing auf Konter lauerte, suchte Quito vergeblich nach seiner spielerischen Seele. Trainer Norbert Lichner stand schon nach zehn Minuten an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, den Blick gen Himmel. Vielleicht hoffte er, dass dort jemand seine Abwehr sortiert. In der 36. Minute dann der verdiente Dämpfer für die Hausherren: Vincent Gil flankte von rechts, Chalana sprintete in den Strafraum, und mit einem präzisen Abschluss ins lange Eck traf er zum 0:1. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - und ein Stich ins Herz der Heimfans. "Ich hab gesehen, dass der Torwart zögert - da musste ich nur noch Danke sagen", erklärte Chalana mit einem Augenzwinkern. AD Quito versuchte zu antworten, aber außer einem harmlosen Schuss von Ezequiel Aguas (12.) und einem verzweifelten Versuch von Adem Tasdemir (49.) blieb vieles Stückwerk. Cuencas Abwehrchef Vicente Collantes räumte kompromisslos ab, und wenn doch mal ein Ball durchrutschte, stand Torwart Joao Tiago goldrichtig. Zwischenzeitlich wurde es ruppig: In der 19. Minute sah Vincent Gil Gelb, zehn Minuten später folgte Teamkollege Andrej Brezinsky seinem Beispiel - beide mit der gleichen Geste: den Schiedsrichter ausdruckslos anstarren, als sei die Karte nur eine optische Täuschung. Auf der anderen Seite holte sich der junge Jordi Ronaldo (21) in der 67. Minute ebenfalls Gelb ab - "Ich wollte doch nur den Ball treffen!", rief er entrüstet, während der Stadionsprecher seinen Namen durchgab. Doch Cuenca blieb cool. In der 59. Minute, als Quito gerade etwas mutiger wurde, schlug es erneut ein: Nach einer Ecke von Collantes lauerte Linksverteidiger Danko Vukomanovic am zweiten Pfosten - Volley, Tor, 0:2. Wenn man es nicht gesehen hätte, würde man es kaum glauben. "Ich dachte, der Ball kommt gar nicht", lachte der bullige Verteidiger, "aber dann lag er perfekt. Also Augen zu und durch." Von da an spielte Cuenca das Ergebnis herunter, souverän, fast genüsslich. 14 Torschüsse zu 4, 52 Prozent Ballbesitz - wer noch Zweifel hatte, der sah hier ein klar strukturiertes Team, das wusste, was es wollte. AD Quito dagegen? Sie wollten wohl auch, aber irgendwie anders. "Wir haben viel Ball gehabt, aber wenig Idee", gab Trainer Lichner ehrlich zu. "Vielleicht sollten wir mal mit Ideen trainieren." Sein Gegenüber, Dierk Nordi, blieb gelassen: "Wir wussten, dass Quito gerne hübsch spielt. Wir wollten lieber effektiv sein. Und hübsch war’s ja trotzdem - zumindest für uns." Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte Cuenca kollektiv, während die Heimfans pfiffen. Ricardo Ronaldo, der rechte Verteidiger von Quito, schüttelte den Kopf: "Manchmal läuft’s halt nicht. Heute hätten wir auch drei Stunden spielen können und kein Tor gemacht." Die Statistik gibt ihm recht: 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe, kaum zwingende Chancen, und ein Keeper Rui Solana, der trotz der Gegentore der beste Mann seines Teams war. So bleibt festzuhalten: Expreso Cuenca war cleverer, stabiler, schlicht besser. Chalana glänzte, Vukomanovic donnerte, und Quito blieb der Statist im eigenen Theaterstück. Und irgendwo in der Kabine soll Trainer Lichner zum Schluss gesagt haben: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen so schöne Tore." Humor hat er also - Punkte leider nicht. 11.09.643990 06:08 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale