La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Expreso Cuenca rettet spät ein 1:1 gegen Guacamayo Azogues

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußballgott offenbar beschlossen hatte, sich Popcorn zu holen und das Drama gemächlich zu genießen. 32.742 Zuschauer im Estadio Alejandro Serrano Aguilar sahen am 20. Spieltag der 1. Liga Ecuador ein 1:1 zwischen Expreso Cuenca und Guacamayo Azogues - ein Ergebnis, das beiden Mannschaften irgendwie gerecht wurde, auch wenn es keiner so recht zugeben wollte.

Von Beginn an legte Cuenca los wie ein Espresso doppio. Schon in der zehnten Minute prüfte Jose Maria Meireles den Gästetorwart Arjen van Dousen mit einem wuchtigen Distanzschuss. Trainer Dierk Nordi ballte an der Seitenlinie die Faust, als wäre der Ball schon drin. Drei Minuten später der nächste Versuch - diesmal der 17-jährige Ivan Muzek, der sich mit jugendlichem Leichtsinn an einem Schlenzer versuchte, der wohl noch auf dem Parkplatz hinter der Nordtribüne gesucht wird.

Guacamayo Azogues, von Coach Exibit Strohmeyer mit der klaren Anweisung "nach vorne denken, aber bitte nicht zu sehr" auf den Platz geschickt, brauchte eine Weile, um ins Spiel zu finden. Nach einer Viertelstunde begann Callum Bostwick auf links zu wirbeln, und plötzlich kam Leben in die Partie. In der 24. Minute verfehlte er das Tor nur knapp, was Cuencas Keeper Marcel Janas zu einem erleichterten Durchatmen veranlasste.

Dann die Szene des ersten Durchgangs: In der 42. Minute sticht Miguel Martins eiskalt zu. Nach einem unglücklichen Abwehrversuch landet der Ball vor seinen Füßen, und der Portugiese schiebt überlegt zum 0:1 ein. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Martins nach dem Spiel. "Ich glaube, der Ball war selbst überrascht, dass er ins Tor ging."

Mit diesem Rückstand ging Cuenca in die Pause - begleitet von einem leichten Pfeifkonzert. Trainer Nordi blieb ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen einfach weiter Fußball spielen. Und vielleicht das Tor auch mal treffen", erklärte er mit trockenem Humor.

Die zweite Hälfte begann mit viel Engagement, aber wenig Struktur. Vincent Gil, der rechte Mittelfeldmann, war einer der Aktivposten und belohnte sich in der 64. Minute: Nach feiner Vorarbeit von Nuno Hernan und einem präzisen Querpass traf Gil flach ins linke Eck - 1:1! Das Stadion tobte, und der junge Hernan, der kurz zuvor eingewechselt worden war, riss die Arme hoch, als hätte er selbst getroffen.

"Ich wollte den Ball eigentlich auf die Tribüne dreschen", witzelte Gil später. "Aber dann hab ich’s mir anders überlegt."

Guacamayo reagierte wütend. Besonders Wouter Closson hatte in den letzten zehn Minuten gleich drei gute Gelegenheiten (81., 82., 84. Minute), scheiterte aber jedes Mal an Janas oder den eigenen Nerven. Strohmeyer haderte an der Seitenlinie, während seine Spieler Gelbe Karten sammelten wie Panini-Bilder: Grassi (51.) und Skworzow (63.) sahen Gelb - beide für rustikale Grätschen, die in anderen Sportarten vermutlich als Ringerangriff durchgegangen wären.

Kurz vor Schluss wurde es noch einmal dramatisch: In der 87. Minute verletzte sich der agile Bostwick nach einem Zweikampf und musste raus. "Das war Pech", sagte Strohmeyer, "aber wenigstens hat er den Rasen ordentlich aufgelockert."

Cuenca drängte in der Nachspielzeit noch einmal, Meireles prüfte van Dousen mit einem satten Schuss (92.), doch der Keeper hielt das Unentschieden fest.

Statistisch gesehen war Cuenca leicht überlegen - 53,8 Prozent Ballbesitz und 10:8 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Aber das Spiel war mehr als Zahlen: Es war ein Beispiel dafür, wie zwei Teams mit völlig unterschiedlichen Charakteren - der jugendlich stürmische Gastgeber und der taktisch zähe Gast - sich gegenseitig neutralisierten.

"Wir hätten das Ding gewinnen können", meinte Nordi nach Abpfiff, "aber wir wollten halt auch, dass die Fans was fürs Geld bekommen." Strohmeyer konterte mit einem Grinsen: "Das haben sie - und ich eine neue Falte auf der Stirn."

Am Ende blieb es beim 1:1, einem Ergebnis, das Cuenca moralisch stärkt und Azogues immerhin einen Punkt beschert. Die Fans gingen zufrieden nach Hause - manche etwas heiser, andere mit dem Gefühl, dass Fußball manchmal einfach gerecht ist: keiner besser, keiner schlechter, aber alle ein bisschen klüger.

Und irgendwo auf der Trainerbank soll man Dierk Nordi murmeln gehört haben: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald keine Kaffeemaschine mehr - die Jungs sind selber Espresso."

07.09.643987 17:53
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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