La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Expreso Cuenca krönt sich zum Pokalsieger - Aucas scheitert an Effizienz und Beton

79500 Zuschauer drängten sich am Dienstagabend in das ausverkaufte Stadion von Quito, als CD Aucas und Expreso Cuenca im Pokalfinale aufeinandertrafen. Es war ein Abend, an dem die einen verzweifelt anrannten, während die anderen mit stoischer Ruhe und zwei präzisen Nadelstichen das Spiel entschieden. Am Ende jubelten die Gäste aus Cuenca - 2:1 hieß es nach 90 Minuten, ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine ganze Geschichte erzählt.

"Wir hatten 16 Torschüsse, aber nur einer ging rein. Das ist wie ein Lottoabend ohne Gewinnnummer", seufzte Aucas-Trainer Ratsor McQueen nach dem Abpfiff. Sein Team rannte, kombinierte und drückte - und scheiterte doch immer wieder an der gelb-blauen Betonmauer aus Cuenca.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren: Julien Hannigan prüfte Cuencas Keeper Joao Tiago bereits in der sechsten Minute mit einem strammen Linksschuss. Die Fans tobten, Bierbecher flogen (freundlich gemeint), und der Stadionsprecher überschlug sich fast. Doch dann kam die 17. Minute - und mit ihr die kalte Dusche. Ein Freistoß von Jacques Hubbert segelte in den Strafraum, wo Innenverteidiger Vicente Collantes hochstieg wie ein Turm und den Ball per Kopf in die Maschen wuchtete. 0:1. "Ich bin eigentlich kein Torjäger, aber heute durfte ich mal", grinste Collantes später, während er seine Medaille fast ehrfürchtig polierte.

Aucas reagierte wütend, drängte auf den Ausgleich - und wurde erneut erwischt. In der 34. Minute spielte Nuno Hernan einen Pass in die Tiefe, der wohl nur auf der Landkarte zu finden war. Der 21-jährige Diego Morais startete durch, blieb cool, und schob den Ball vorbei an Helguera zum 0:2. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", sagte Morais hinterher lachend. "Vielleicht war das der Trick."

Das Publikum schwankte zwischen Ernüchterung und Verzweiflung, doch Aucas zeigte Moral. Kurz vor der Pause, in der 41. Minute, endlich das Lebenszeichen: Rafael Albinana flankte von links, Hannigan stieg hoch, und dieses Mal landete der Ball im Netz. 1:2 - Hoffnung! Hannigan riss die Arme hoch und brüllte Richtung Tribüne: "Jetzt erst recht!" Leider war’s auch das letzte Mal, dass die Fans jubeln durften.

Im zweiten Durchgang spielte fast nur noch Aucas. 48 Prozent Ballbesitz - also fast gleich verteilt - aber gefühlt 80 Prozent der Zeit im Angriff. Aitor Barros verzog knapp, Lionel Villar prüfte Tiago mit zwei Distanzschüssen, und der eingewechselte Alberto Almeida kam gleich dreimal gefährlich in Position. Doch der Ball wollte einfach nicht rein.

Expreso Cuenca verteidigte mit der Präzision eines Uhrwerks. Trainer Dierk Nordi stand an der Seitenlinie, die Hände tief in der Jackentasche, und nickte zufrieden, während seine Abwehrreihe jeden Angriff abfing. "Wir haben auf Konter gespielt, wie geplant. Und ja, das war nicht schön, aber schön ist was anderes - Pokale sind schöner", sagte er mit einem Grinsen, das die Fernsehkameras liebten.

In der Schlussphase wurde es hektisch. Aucas wechselte sogar den Torwart - Jose Barros kam für Helguera - vielleicht, um neuen Schwung zu bringen, vielleicht aus purem Aberglauben. Paulo Manu holte sich in der 91. Minute noch Gelb, als er bei einer letzten Aktion etwas zu engagiert in den Zweikampf ging. Eine symbolische Szene für den Abend: viel Wille, wenig Wirkung.

Als Schiedsrichter Alvarez abpfiff, fiel McQueen auf die Knie. Neben ihm stand Hannigan, der seine Hände in die Hüften stemmte und nur flüsterte: "Wir hätten zehn spielen können, und es wäre keiner mehr reingegangen."

Die Statistik sprach Bände: 16 Torschüsse für Aucas, neun für Cuenca. Mehr Ballbesitz für die Gäste, mehr Zweikämpfe gewonnen von Aucas - und trotzdem steht am Ende die bittere Wahrheit: Fußball zählt in Toren. Und da hatte Expreso Cuenca zwei, Aucas nur eines.

Die Spieler aus Cuenca tanzten im Kreis, während ihr Trainer Dierk Nordi trocken anmerkte: "Ich hab ihnen vorher gesagt: Wenn ihr den Bus parkt, dann wenigstens mit Stil."

Und so ging der Pokal an Expreso Cuenca - ein Team, das zeigte, dass Effizienz manchmal lauter jubelt als Ästhetik.

Zum Schluss sagte ein Aucas-Fan auf der Tribüne: "Wir haben verloren, ja. Aber wenigstens war’s schön anzusehen." Ein Satz, der in jeder Fußballseele ein wenig weh tut - und doch genau beschreibt, was diesen Sport so herrlich grausam macht.

13.04.643990 11:08
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