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Es war ein kalter Januarabend in Ewood, aber die 31.786 Zuschauer im Stadion wurden schnell warm - nicht etwa durch das Wetter, sondern durch ein Spiel, das alles hatte, was man an englischem Fußball liebt: Kampf, Chaos, Emotionen und ein Hauch von Wahnsinn. Die Ewood Rovers bezwangen am 15. Spieltag der 1. Liga England die favorisierten Manchester Blues mit 2:1 (2:0). Trainer Stephan Trajes hatte seine Rovers von Beginn an offensiv eingestellt - "Offensive, Flügelspiel, volles Risiko", murmelte er vor dem Anstoß, als würde er damit den Wetterbericht kommentieren. Und tatsächlich: Seine Mannschaft legte los wie der sprichwörtliche Feuerwehrzug. Schon früh schnürten sie die Blues in deren Hälfte ein, die zwar mehr Ballbesitz hatten (52 Prozent), aber wenig damit anzufangen wussten. Nach einigen vielversprechenden Vorstößen war es in der 28. Minute endlich so weit: Pedro Corcoles, der flinke Linksaußen der Rovers, nutzte eine abgefälschte Flanke von Innenverteidiger Ignacio Carvalho - ja, richtig gelesen, der Innenverteidiger stand plötzlich im Sechzehner - und jagte den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Corcoles nach dem Spiel, "aber dann dachte ich, warum nicht mal draufhalten?" Nur vier Minuten später legte Nicolae Buzanszky nach. Der Mittelstürmer traf nach feiner Vorarbeit von Callum Townsend zum 2:0 (32.). Ein klassischer Stürmertreffer - hart, direkt, ohne Schnörkel. Townsend, der die Vorlage gab, rief beim Jubel seinem Trainer zu: "Jetzt darfst du mich nicht mehr auswechseln!" - was Trajes mit einem genervten Augenrollen quittierte. Die Blues wirkten da schon etwas ratlos. Ihr Coach Daniel Kontsch versuchte, seine Mannschaft zu beruhigen: "Wir haben den Ball, also haben wir die Kontrolle." Das Problem: Der Ballbesitz wurde nicht in Chancen umgemünzt. Ganze sieben Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Gäste - weniger als die Rovers allein in der ersten halben Stunde. Nach der Pause stellten die Gastgeber ihr Angriffsspiel leicht um. Weniger wild, dafür kontrollierter, als ob sie plötzlich beschlossen hätten, dass es auch schön ist, den Ball mal eine Minute zu halten. Manchester dagegen kam etwas besser ins Spiel, und in der 69. Minute fiel tatsächlich der Anschlusstreffer: Kian Dewey, sonst eher für Grätschen als für Glanz zuständig, traf nach einem feinen Pass des 18-jährigen Sean Lester zum 2:1. Ein Verteidiger-Tor, das kurzzeitig Hoffnung weckte. "Ich hab einfach gedacht, ich tu mal so, als wär ich Stürmer", scherzte Dewey später. Die letzten 20 Minuten waren dann ein wilder Ritt: Gelbe Karten flogen wie Konfetti. Erst traf es Xavier Nani (83.) nach einem rustikalen Einsteigen, dann Rovers-Mittelfeldmotor Jose Deco (84.) und kurz darauf Abwehrchef Finlay Haddington (86.). "Das war kein Foul, das war englischer Fußball", brüllte Haddington Richtung Schiedsrichter, der daraufhin nur trocken antwortete: "Eben." Taktisch blieb es dabei: Die Rovers standen hoch und aggressiv, die Blues kombinierten sich zwar elegant durch die Zentrale, fanden aber keine Lücke. Torhüter Logan Bernard musste nur einmal ernsthaft eingreifen - beim Kopfball von Dewey kurz vor Schluss, den er spektakulär aus dem Winkel fischte. Trainer Trajes zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden: "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber effektiv. 18 Torschüsse sprechen für sich." Kollege Kontsch dagegen schüttelte den Kopf: "Wir hatten den Ball, sie hatten das Tor. Manchmal ist Fußball so einfach - leider." Als die Fans der Rovers nach dem Abpfiff noch immer "Ewood! Ewood!" sangen und Corcoles auf den Schultern der Mitspieler durchs Stadion getragen wurde, sah man bei den Blues nur hängende Köpfe. Ein kleiner Junge auf der Tribüne fasste das Spiel wohl am besten zusammen: "Papa, warum dürfen die Blauen den Ball so oft haben, wenn sie damit nix machen?" - Eine Frage, auf die selbst Taktikfuchs Kontsch an diesem Abend keine Antwort fand. Fazit: Die Ewood Rovers gewinnen verdient mit 2:1, weil sie Mut, Effizienz und eine gesunde Portion Unvernunft vereinten. Manchester hatte mehr Ballbesitz, aber weniger Biss. Und so bleibt am Ende der Eindruck, dass Leidenschaft manchmal die schönste Taktik ist. Oder, wie Pedro Corcoles beim Rausgehen lachend sagte: "Wenn wir schon nicht die Besten sind, dann wenigstens die Lautesten." 30.06.643987 04:10 |
Sprücheklopfer
Wunderschön, mit dem Außenspann, teilweise mit dem Vollspann.
Günter Netzer