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Es war ein nasskalter Abend in Ewood, aber die 34.375 Zuschauer wurden bestens unterhalten - sofern sie keine schwachen Nerven hatten. Beim 3:3 (2:2) zwischen den Ewood Rovers und Tiverton Town wechselten Jubel und Verzweiflung im Minutentakt, und am Ende wusste niemand so recht, ob man sich freuen oder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen sollte. Schon nach 14 Minuten herrschte betretenes Schweigen im Stadion, als Tivertons Wirbelwind Roger Burton, zarte 20 Jahre jung, nach feinem Zuspiel von Salvatore Belsito den Ball trocken ins rechte Eck setzte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Burton später, "aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Ewood-Trainer Stephan Trajes reagierte kaum - noch. Seine Elf blieb ihrer offensiven Marschroute treu, flog über die Flügel und schoss aus allen Lagen. Ganze 14 Torschüsse sollten es am Ende sein, doch zunächst belohnten sich die Gastgeber nicht. Erst in der 22. Minute platzte der Knoten: Callum Townsend, der unermüdliche Rechtsläufer, traf nach Pass von Routinier Samuel Dunne zum 1:1. "Wir wussten, dass sie über die Seiten kommen", sagte Tivertons Coach Andi Lipa nachher mit einem süffisanten Lächeln. "Aber das zu wissen und es zu verhindern, sind zwei verschiedene Dinge." Kaum hatte der Stadionsprecher das 1:1 verkündet, da lag Tiverton wieder vorn. In der 35. Minute zirkelte Yves Abbadie, der auffälligste Mann im Mittelfeld, einen Ball aus 18 Metern so präzise ins Eck, dass Rovers-Keeper Logan Bernard nur hinterherflog. Wieder hatte Belsito den Assist geliefert - ein junger Mann, der an diesem Abend mehr Pässe durch die Schnittstellen fand als so mancher Navigationsdienst. Doch Ewood wäre nicht Ewood, wenn sie nicht kurz vor der Pause zurückgeschlagen hätten. In der 44. Minute war es Samuel Hoskins, der nach Flanke von Townsend zum 2:2 einköpfte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es knallt", lachte Hoskins später. Knallte es - und wie. Die zweite Halbzeit begann taktisch gesitteter. Trajes hatte seine Mannen von "offensiv und wild" auf "ausgewogen und konzentriert" umgestellt, doch das half nur bedingt. In der 63. Minute kombinierte Tiverton sehenswert: Abbadie auf Righi, und der junge Italiener vollendete eiskalt - 3:2 für die Gäste. "Da dachte ich kurz, wir hätten das Ding verloren", gab Trajes später zu. "Aber dann fiel mir ein, dass wir ja noch Pedro haben." Gemeint war Pedro Corcoles, der flinke Linksaußen, der schon das ganze Spiel über für Unruhe sorgte. In der 94. Minute, als viele Zuschauer bereits Richtung Ausgang schlenderten, brachte er das Stadion zum Explodieren: Flanke Dunne, Direktabnahme Corcoles - 3:3! "Ich hab das Tor im Augenwinkel gesehen und dachte, der Schiedsrichter pfeift ab", schnaufte Dunne nach dem Abpfiff. "Aber anscheinend hatte er Mitleid." Statistisch gesehen war Tiverton das leicht überlegene Team (54 Prozent Ballbesitz), doch Ewood spielte zielstrebiger, direkter - und vor allem emotionaler. Eine Gelbe Karte für Dunne in der 62. Minute brachte kurzzeitig Feuer ins Spiel, ehe Trainer Trajes mit frischen Kräften - Christophe Delmas, Vitorino Ronaldo und Amaury Mendo - den Schlussspurt einläutete. "Wir wollten das Publikum mitnehmen", erklärte der Coach. "Und wenn man schon 3:3 spielt, dann wenigstens mit Drama." Auf der anderen Seite zeigte sich Lipa trotz des späten Ausgleichs versöhnlich: "Klar, das tut weh. Aber wenn man ehrlich ist, war das ein Spektakel, für das man den Eintritt doppelt hätte zahlen sollen." Das sahen auch die Fans so. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Ich hab mein Bier dreimal verschüttet, aber keinen Moment bereut." So endete ein Spiel, das alles bot - Tempo, Tore, Emotionen und ein bisschen Chaos. Die Ewood Rovers bleiben damit das Team der späten Wunder, Tiverton Town das der verpassten Chancen. Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll Stephan Trajes noch leise gesagt haben: "Wenn wir schon Herzinfarkte verteilen, dann wenigstens mit Stil." Ein Fazit, dem an diesem Abend wohl kaum jemand widersprochen hätte. 10.10.643987 22:56 |
Sprücheklopfer
Wenn man es so sieht, kann man auch das Vormittagstraining und das Kaffeetrinken der Bayern senden.
Rolf Rüssmann zum Argument der ARD, wegen der hohen TV-Quoten kurzfristig das Pokalspiel der Bayern gegen Hannover zu übertragen