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52.000 Zuschauer im Estadio de las Estrellas sahen am Samstagabend ein Spiel, das als Lehrstück in Sachen Effizienz in die Annalen eingehen könnte. Die Blancos Madrid dominierten Ball und Raum, doch der SC Barcelona nahm die Punkte mit - dank eines frühen Treffers von Marc Etxeita und einer Abwehr, die offenbar aus Beton gegossen war. Schon nach 18 Minuten stand es 0:1: Barcelonas junger Flügelflitzer Marc Etxeita, 22 Jahre alt und mit der Gelassenheit eines alten Hasen, verwandelte einen perfekten Pass von Henri Celine eiskalt ins lange Eck. Blancos-Keeper Cezmi Arikan war zwar dran, aber der Ball küsste ungerührt das Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Etxeita später. "Wenn du zu viel nachdenkst, ist der Moment vorbei." Danach begannen die Madrider, was sie am besten können: den Ball laufen lassen. 54,7 Prozent Ballbesitz, 7 Torschüsse - und doch kein Tor. Rafael Dietz prüfte Barcelonas Torwart Vicente Rielo in der 23. Minute, Stanko Sulejmani zielte fünf Minuten später knapp über die Latte. "Wir hätten noch Stunden spielen können, ohne zu treffen", seufzte Blancos-Kapitän Maurice Hinz nach Abpfiff. Barcelona dagegen blieb seiner Philosophie treu: kurzes Passspiel, schnörkellos, mit dem Mut zum schnellen Abschluss. Nur fünf Schüsse aufs Tor, aber einer davon saß. Trainer Thomas Göstl wirkte nach dem Spiel fast entschuldigend. "Wir waren heute nicht schön, aber clever", sagte er und zwinkerte. "Im Fußball zählen keine Prozentwerte, sondern Tore." Madrid-Coach - dessen Name vom Verein noch nicht offiziell bestätigt wurde, aber dessen Gesichtsausdruck alles sagte - stapfte nach Schlusspfiff mit rotem Kopf vom Rasen. "Wir haben dominiert, aber ohne Gier", motzte er in Richtung seiner Spieler. "Ballbesitz ist schön für die Statistik, aber ich hätte lieber ein hässliches 1:0 gehabt." Das Publikum versuchte es zwischendurch mit Galgenhumor. Als Jacinto Sainz in der 60. Minute zum wiederholten Male an Rielo scheiterte, rief ein Fan: "Schießt doch mal einer den Torwart an, vielleicht fällt der Ball rein!" Selbst der Stadionsprecher soll gelacht haben. Barcelonas Defensive hielt, was sie versprach: Francisco Rodrigo und Bernardo Ibanez räumten kompromisslos ab, während der 18-jährige Antonio Perez auf der anderen Seite mit erstaunlicher Reife konterte. In der 35. Minute zwang er Arikan zu einer Glanzparade - eine Szene, die das 0:2 hätte bringen können. Die Blancos blieben bis zur letzten Minute bemüht, Mario Domingos zirkelte in der 87. noch einen gefährlichen Schuss - wieder Rielo. Der junge Keeper, 22, wurde nach dem Spiel von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab einfach versucht, ruhig zu bleiben", sagte er bescheiden. "Und wenn sie schon alle auf mich schießen, dann will ich wenigstens einen guten Abend haben." Statistisch gesehen hatte Madrid sogar leicht die Nase vorn in den Zweikämpfen (52,3 Prozent), aber das half so wenig wie das bessere Passspiel oder die offensive Grundhaltung (OFFENSIVE - BALANCED - SURE, sagt die Taktiktafel). Barcelona hielt mit jugendlicher Frische und diszipliniertem Kurzpassspiel dagegen, spielte eher "ANYTIME" als "SURE" - und das machte den Unterschied. Nach dem Schlusspfiff feierten die Katalanen ausgelassen vor dem Gästeblock. Etxeita ließ sich ein Handy reichen und machte ein Selfie mit dem Kommentar: "Ein Tor, drei Punkte, ein ruhiger Heimflug." Die Blancos-Fans dagegen pfiffen ihr Team nicht aus - sie schienen zu wissen, dass an diesem Abend einfach das Glück gefehlt hatte. So bleibt festzuhalten: Madrid spielte den schöneren Fußball, Barcelona den erfolgreicheren. Oder wie ein alter Trainer einmal sagte: "Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon." Ein bisschen Trost bleibt den Blancos: Die Saison ist lang, und wer so viel Ball hat, wird irgendwann auch wieder treffen. Aber an diesem 13. Spieltag gehörte die Nacht den Blau-Roten - und einem jungen Mann namens Marc Etxeita, der in Madrid kurz zum Albtraum wurde. Und irgendwo in einer Madrider Tapas-Bar sagte ein Fan beim letzten Bier: "Wir haben verloren, ja. Aber wenigstens war’s kein 0:3. Man muss ja die kleinen Siege sehen." 15.10.643990 22:06 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002