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Ein Flutlichtabend wie gemalt für die Romantiker des gepflegten Rasensports: 16.136 Zuschauer drängten sich im Stadion von Katerini, um den 11. Spieltag der 2. Liga Griechenlands zu erleben - und sie bekamen, was man in der Provinz eine ehrliche Fußballschlacht nennt. Ethnikos Katerini besiegte Olympiokos mit 1:0, und das Tor des Tages erzielte ein Mann, der kaum alt genug ist, um im Mannschaftsbus vorne zu sitzen: der 20-jährige Charilaos Nikolopoulos. Schon in der 12. Minute fiel die Entscheidung. Nach einem feinen Doppelpass mit Harald Uggla rauschte Nikolopoulos von rechts in den Strafraum und schob den Ball mit der Coolness eines Routiniers ins lange Eck. "Ich hab gar nicht nachgedacht - und das war wohl das Beste", grinste der Torschütze später, während er sich die Schuhbänder neu band. Trainer und Mitspieler klatschten ihn ab, und selbst der Linienrichter sah kurz so aus, als wolle er applaudieren. Danach entwickelte sich ein Spiel, das man auch als Lehrfilm über vergebene Chancen hätte verkaufen können. Ethnikos, im Durchschnitt deutlich erfahrener und mit 55 Prozent Ballbesitz das dominierende Team, feuerte aus allen Lagen: 17 Schüsse aufs Tor, doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Mal klatschte der Ball an den Pfosten, mal stand Olympiokos-Keeper Roger Diarra goldrichtig. Einmal, in der 56. Minute, drehte sich Omiros Dranias elegant um die eigene Achse, zog ab - und traf den Pfosten so wuchtig, dass dieser noch Minuten später leicht vibrierte. "Wenn Pfosten Tore zählen würden, hätten wir 4:0 gewonnen", knurrte Trainer Marios Petropoulos mit einem halben Lächeln. Olympiokos dagegen trat offensiv meist so auf, als sei der Ball ein gefährliches Tier, dem man lieber nicht zu nahe kommt. Nur vier Torschüsse stehen in der Statistik, und nur einer davon zwang Ethnikos-Torwart Alexandros Vassiliadis zum Eingreifen. Der junge Schlussmann wischte sich danach demonstrativ nicht einmal den Schweiß ab - ein Statement in Richtung der Gäste. Dabei begann die Partie für Olympiokos durchaus temperamentvoll: Schon in der ersten Minute sah Petar Angelow Gelb, fünf Minuten später folgte Veli Nurmela. Möglicherweise dachten die Gäste, es gäbe Punkte für Sammelkarten. Trainer Marius Münni erklärte die ruppige Anfangsphase später diplomatisch: "Wir wollten zeigen, dass wir da sind. Leider haben wir dann vergessen, wohin wir eigentlich wollten." Katerini blieb das klar strukturierte Team. Besonders Nikolopoulos auf rechts und der quirlige Iosifidis sorgten immer wieder für Betrieb an der Strafraumkante. In der 34. Minute prüfte Letzterer Diarra mit einem Schuss aus spitzem Winkel, der Torhüter lenkte ihn mit den Fingerspitzen über die Latte. Vom Gästeblock kam ein erleichtertes Aufatmen - die wenigen mitgereisten Fans wussten, dass ihr Team an diesem Abend eher auf Schadensbegrenzung spielte. Nach der Pause änderte sich am Bild wenig. Ethnikos kontrollierte das Spiel, Olympiokos lauerte - allerdings ohne den Mut zum Konter. In der 77. Minute wagte Joan Morales einen Distanzschuss, doch der Ball landete so weit über dem Tor, dass er fast als Flutlichttest durchging. Münni, der Coach der Gäste, nahm es mit Humor: "Vielleicht wollte er nur ein Zeichen setzen - an die Astronomie." Die Schlussphase gehörte wieder den Hausherren. In der 90. Minute hatte Iosifidis die endgültige Entscheidung auf dem Fuß, scheiterte aber an Diarra. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und die Zuschauer feierten das 1:0, als hätte Ethnikos gerade die Champions League gewonnen. Statistisch betrachtet war der Sieg völlig verdient: 55 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17:4 Torschüsse - das liest sich wie die Zutatenliste eines klaren Erfolgs. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn nicht auch ein Hauch Dramatik dabei wäre. "Manchmal denkst du, du spielst Tischtennis mit einem Torwart", sagte Abwehrchef Iker Figo, der sich mit Gelb wegen Zeitspiels schmückte, als wäre es eine Medaille. Trainer Petropoulos konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch ohne Spektakel gewinnen kann. Aber bitte schreiben Sie das nicht zu laut, sonst glaubt meine Mannschaft noch, das sei unser neuer Stil." Olympiokos-Coach Münni hingegen sah die Dinge pragmatisch: "Es war ein Lehrspiel. Wir haben gelernt, dass man ohne Offensive kaum Tore schießt." So endete ein Abend, der kaum Glanz, aber viel Einsatz bot - ein klassisches 1:0, das in Katerini noch lange in den Tavernen besprochen werden dürfte. Dort wird man in den kommenden Tagen wohl öfter den Satz hören: "Der Junge, dieser Nikolopoulos… der hat’s gemacht." Und wer weiß - vielleicht war das der Beginn einer kleinen Legende. 15.05.643987 00:09 |
Sprücheklopfer
Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
Otto Rehhagel über einen Schiedsrichter