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Es war kein Spiel für Feingeister, eher eines für jene, die eine gute Portion Leidenschaft, Geduld und einen Schuss masochistischer Freude an verpassten Chancen mitbringen. 79.500 Zuschauer im Estadio Jorge Luis Hirschi sahen am Freitagabend ein Copa-Libertadores-Duell, das in seiner Intensität an eine Schachpartie mit Hammer und Meißel erinnerte. Am Ende gewann Estudiantes La Plata mit 1:0 gegen Alacranes Durango - knapp, aber verdient. Trainer Roman Pilgram hatte seine Estudiantes offensiv ausgerichtet, doch das "Offensive" bestand zunächst vor allem darin, dass seine Spieler ständig nach vorne rannten, ohne das Tor zu treffen. 17 Schüsse auf das Gehäuse von Durango-Keeper Vincent Antolin sprechen eine klare Sprache. "Wenn wir das Tor so groß sehen würden wie im Training, hätten wir wohl 5:0 gewonnen", flachste Pilgram nach der Partie. Der entscheidende Moment kam in der 32. Minute. Taylor Edgecomb, der ruhige Architekt im Mittelfeld, setzte Tove Fischer links im Strafraum in Szene. Fischer nahm den Ball elegant an, ließ einen Verteidiger aussteigen und vollendete trocken ins lange Eck - 1:0. Das Stadion explodierte. Fischer jubelte, als hätte er gerade den Weltfrieden erzielt, und Edgecomb grinste bescheiden: "Ich hab’ ihm einfach gesagt: Mach was draus, und er hat’s gemacht." Alacranes Durango, trainiert vom unverwüstlichen Manni Kaltz, reagierte mit wütenden Angriffen, aber ohne Fortune. Humberto Varela prüfte Estudiantes-Keeper Agustin Roy gleich mehrfach (8., 15., 95. Minute), doch der Argentinier hielt, als wolle er sich für ein Plakat des Vereinsmuseums empfehlen. "Ich wusste, dass sie irgendwann aus der Distanz schießen würden", erklärte Roy später. "Ich habe einfach die Augen zu und die Hände aufgemacht - hat geklappt." Die Mexikaner hatten mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,3 Prozent) zwar mehr Kontrolle als erwartet, aber weniger Durchschlagskraft. Sieben Torschüsse, keiner drin - das war zu wenig. Kaltz schüttelte nach dem Schlusspfiff den Kopf: "Wir haben gespielt, als wäre das Tor ein optionales Extra." Estudiantes blieb gefährlich über die Flügel: Daniele Mecca wirbelte auf links, Tiburtius Karlson scheuchte rechts die Durango-Abwehr. Mecca schoss aus allen Lagen (6., 25., 36., 57. Minute), und jedes Mal raunte das Publikum hoffnungsvoll - um dann kollektiv zu stöhnen. "Ich wollte wenigstens eine Taube treffen", scherzte Mecca nach dem Spiel. Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in verpassten Gelegenheiten. Fischer, der Held des Abends, hatte gleich vier weitere Chancen (50., 63., 68., 77. Minute), konnte aber nicht mehr nachlegen. Pilgram reagierte mit Routine: In der 90. Minute brachte er den 19-jährigen Joan Gallego für Karlson - ein Wechsel, der mehr nach Zeitspiel als nach Taktik roch. "Der Junge soll wissen, wie sich Libertadores-Luft anfühlt", grinste Pilgram. Auf der anderen Seite versuchte Kaltz alles, wechselte in der 87. Minute sogar den offensiven Antonio Bosingwa ein. Doch auch er blieb blass. Estudiantes verteidigte das 1:0 mit Zähnen, Klauen und einem gelben Karton für Louis Reich (84.), der sich offenbar entschied, den Ball samt Gegner gleich mit aus dem Strafraum zu befördern. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Standing Ovations, auch wenn mancher Anhang lieber noch ein Tor gesehen hätte. "Ein 1:0 ist wie ein Espresso - kurz, stark, aber man will sofort noch einen", sagte ein Fan, während er sich an der Tribüne den Schal fester band. Statistisch gesehen war es ein knappes, aber kontrolliertes Spiel: 17:7 Torschüsse für Estudiantes, leicht weniger Ballbesitz, dafür mehr Zweikampfquote (54 Prozent). Entscheidend war die Effizienz - und die hatte nur einer: Tove Fischer. Trainer Kaltz nahm die Niederlage mit trockenem Humor: "Wenn man kein Tor schießt, kann man keins gewinnen. Das ist jetzt keine große Fußballweisheit, aber heute trifft sie halt zu." Und so bleibt Estudiantes La Plata in der Gruppenrunde der Copa Libertadores auf Kurs, während Durango weiter auf den ersten Sieg warten muss. Román Pilgram fasste es zum Schluss mit einem Augenzwinkern zusammen: "Manchmal reicht ein Tor, manchmal nicht. Heute hat’s gereicht - also feiern wir, bevor das nächste 0:0 kommt." Kurzum: kein Spektakel, aber ehrlicher Fußball. Und wer das 1:0 verteidigen kann, der darf zumindest für einen Abend wieder an die großen Zeiten glauben. 21.04.643987 11:58 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.