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San Juan - 47.968 Zuschauer sahen an diesem lauen Januarabend ein Spiel, das alles bot: fünf Tore, sechs Gelbe Karten, eine Verletzung und jede Menge Drama. Am Ende jubelten die Gäste aus La Plata, während der FC San Juan mit leerem Blick in den Nachthimmel starrte. 2:3 hieß es nach 90 intensiven Minuten - und das Ergebnis spiegelte die Balance zwischen Leidenschaft und Chaos perfekt wider. Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass beide Teams nicht für taktische Schachpartien angereist waren. FC San Juan begann stürmisch - Jose Semprun prüfte den gegnerischen Keeper gleich mehrfach (1., 3. und 10. Minute), doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Ich schwöre, das Tor war heute kleiner als sonst", witzelte Semprun später mit einem schmerzhaften Lächeln - und ahnte wohl noch nicht, dass er am Ende humpelnd vom Platz getragen werden würde. In der 28. Minute schlug Estudiantes La Plata zu. Adrian Gurendez, der rechte Wirbelwind der Gäste, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Louis Reich kompromisslos unter die Latte - 0:1. Die Heimfans verstummten kurz, nur um danach umso lauter zu pfeifen. San Juan reagierte wütend, manchmal zu wütend: Linksaußen Nelson Xavier sah in der 38. Minute Gelb, nachdem er sich mit Schiedsrichter Torres über die Definition von "fairer Zweikampf" stritt. Doch kurz vor der Pause belohnte sich das Team von Trainerin Denna Sasa. Gunborg Dahlstrom, der erfahrene Mittelfeldstratege mit dem Herz eines Marathonläufers, zog in Minute 45 aus 20 Metern ab - und traf. 1:1! Das Stadion bebte, die Spieler fielen sich in die Arme, und Sasa schrie an der Seitenlinie: "Das ist San Juan!" - eine Mischung aus Jubel und Erleichterung. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: mit Offensivgeist und Nervenflattern. In der 53. Minute sah Semprun Gelb, in der 57. Minute klingelte es wieder - diesmal auf der anderen Seite. Mathias Weyenberg, der bullige Mittelstürmer der Estudiantes, köpfte nach Flanke von Paulo Galindo ein. 1:2, und San Juan wankte. "Wir wussten, dass sie bei Standards gefährlich sind", seufzte Dahlstrom später, "wir wussten es - und taten trotzdem nichts dagegen." Zwölf Minuten später folgte die kalte Dusche: Wieder Weyenberg, diesmal nach Pass von Taylor Edgecomb. 1:3. Die Gäste jubelten in einer Traube, Trainer Roman Pilgram grinste und murmelte: "Genau so haben wir’s im Training nicht geübt." Doch San Juan gab sich nicht geschlagen. Nur zwei Minuten nach dem 1:3 zauberte Linksverteidiger Rikard Ipsen ein Tor, das in jedem Saisonrückblick auftauchen dürfte. Aus fast 30 Metern zog er einfach ab - der Ball senkte sich hinter Keeper Agustin Roy ins Netz. 2:3! Ipsen rannte jubelnd zur Eckfahne, kassierte dabei prompt Gelb (70.) für übermotiviertes Trikotziehen. "Ich wusste gar nicht, dass Jubeln verboten ist", sagte er später lachend. Die Schlussphase wurde zur Nervenschlacht. San Juan drückte, Estudiantes lauerte. Coach Pilgram stellte auf Pressing um, was den Gastgebern das Leben schwer machte. In der 83. Minute dann die Schrecksekunde: Semprun blieb liegen, hielt sich das Knie - ausgewechselt, Bastiaan Groat kam. "Jose meinte, er brauche nur Eis und ein Wunder", scherzte Sasa nach dem Spiel, "leider hatten wir nur Eis." Statistisch war das Spiel ausgeglichen: 49,4 Prozent Ballbesitz für San Juan, 50,6 für La Plata. Doch bei den Torschüssen hatten die Gäste mit 13:8 die Nase vorn - und letztlich auch auf der Anzeigetafel. Nach dem Schlusspfiff standen die Spieler erschöpft auf dem Rasen, während Pilgram seine Jungs umarmte. "Das war kein schöner Sieg, aber ein ehrlicher", sagte er mit rauer Stimme. Denna Sasa hingegen suchte Trost in Ironie: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens spektakulär." So endete ein Abend, der in San Juan noch lange diskutiert werden dürfte - nicht nur wegen der Tore, sondern wegen der Emotionen dazwischen. Fußball, wie er sein sollte: unberechenbar, laut, ein bisschen verrückt. Und irgendwo in der Kabine summte jemand leise: "Wir hätten sie fast gehabt…" Doch fast zählt im Fußball bekanntlich nicht. 11.07.643987 15:54 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack