Noticiero VeneVision
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Estella Roha tanzt Caradodo FC aus - 4:0!

Ein lauer Abend in Caradodo, 33.803 Zuschauer, aber die Stimmung kippte schon nach einer Viertelstunde. Denn da hatte Estella Roha längst das Kommando übernommen - und Fabio Antonio tat, was Angreifer so tun, wenn man sie völlig frei lässt: Er traf. Nach 14 Minuten stand es 0:1, und das war nur der Anfang eines Abends, an dem Caradodo FC die Rolle der Statisten mit auffälliger Hingabe spielte.

Dabei hatte es gar nicht schlecht begonnen: In der 5. Minute prüfte Andrej Harsanyi den Gästekeeper Diego Goncalves mit einem satten Distanzschuss, kurz darauf versuchte es Nelio Assis von rechts - immerhin, man war im Spiel. Doch dann kam Estella Roha in Fahrt. Ein Torschussfestival begann, das in seiner Einseitigkeit fast schon künstlerisch wirkte: 19 Schüsse auf das Tor von Martin Pérez, gegen ganze sechs auf der anderen Seite. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Caradodo-Trainer Timo Ruß nach dem Spiel, "aber manchmal will der Ball einfach nicht hören."

Estella-Coach Christian Jonack grinste breit, als er gefragt wurde, ob dieser Sieg in der Höhe verdient war. "Ich hätte nichts dagegen, wenn es so weitergeht. Wir trainieren gerade den Spaß am Kurzpassspiel - und heute hat’s geklappt." Tatsächlich zeigte seine Mannschaft, was Offensivgeist bedeutet: kurze, präzise Pässe, hohe Laufbereitschaft, und eine Aggressivität, die die Gastgeber nervös machte.

Besonders nervös wurde Emilio Salinas, der junge Rechtsaußen der Caradodos. Erst Gelb in der 46. Minute, dann ein übermotiviertes Nachsetzen zehn Minuten später - Gelb-Rot. "Er hat’s eilig gehabt, den Bus zu erwischen", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne, während Ruß an der Seitenlinie verzweifelt mit den Armen ruderte. In Unterzahl brach Caradodo endgültig auseinander.

Zuvor hatte Gleb Petrenko in der 52. Minute nach feinem Zuspiel von David Pelayo das 0:2 markiert - ein klassischer Angriff über rechts, trocken abgeschlossen. Petrenko, 33 Jahre alt und immer noch mit der Eleganz eines Balletttänzers in Stollenschuhen, sagte später lächelnd: "Ich hab gesehen, dass der Torwart schon in Gedanken beim Pausentee war."

Dann kam die 68. Minute, und der 20-jährige Felix Sorglos - der Name schien Programm - drosch den Ball humorlos ins Netz. Vorlage Petrenko, diesmal andersherum. "Wir verstehen uns blind", meinte Sorglos, "manchmal sogar zu blind, wenn ich an mein Foul in der ersten Halbzeit denke." Die Gelbe Karte in Minute 43 hatte er sich da schon verdient.

Das letzte Wort hatte erneut Fabio Antonio in der 77. Minute, nach Vorarbeit von Jerome Dunn, dem 34-jährigen Stratege im Mittelfeld. Antonio traf aus spitzem Winkel, und selbst die Heimfans applaudierten kurz - vielleicht aus Verzweiflung, vielleicht aus Respekt.

Die Zahlen sprachen Bände: 52 Prozent Ballbesitz für Estella Roha, aber das war reine Kosmetik. Die Gäste waren in jeder Hinsicht überlegen - mehr Zweikämpfe gewonnen (56 Prozent), mehr Ideen, mehr Tempo. Caradodo FC wirkte dagegen wie ein Team, das seine Taktik auf "hoffentlich pfeift der Schiri bald ab" umgestellt hatte.

Nach dem Spiel versuchte Trainer Ruß, Fassung zu bewahren: "Wir haben bis zum Schluss gekämpft." Ein Journalist fragte trocken: "Bis zum Schluss der 68. Minute?" - Ruß lächelte gequält. Auf der anderen Seite feierte Jonack mit seinen Spielern vor dem Gästeblock und murmelte in die Kameras: "Wenn du vier Tore auswärts schießt, darfst du ruhig mal laut sein."

Für Estella Roha war es ein Statement-Sieg, der auch taktisch überzeugte: offensiv eingestellt, aggressiv, aber kontrolliert. Für Caradodo FC bleibt die Erkenntnis, dass "ausgewogen" in der Taktik vielleicht nicht immer die beste Wahl ist, wenn der Gegner gerade Samba spielt.

Kurz vor Mitternacht verließen die letzten Fans das Stadion. Ein älterer Herr mit Caradodo-Schal seufzte: "Früher haben wir sowas auch gekonnt." Sein Enkel grinste: "Ja, Opa, aber damals war der Ball noch aus Leder."

Und so endete der 25. Spieltag der 1. Liga Venezuela mit einem klaren 0:4 - und der leisen Hoffnung, dass Caradodo FC beim nächsten Mal wenigstens länger als 14 Minuten mitspielen darf.

04.11.643987 10:45
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Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
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