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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball nicht doch eher ein Theaterstück ist - mit Leidenschaft, Dramatik und einer Prise Chaos. 25.816 Zuschauer im Estádio das Palmeiras erlebten ein Stück brasilianische Fußballkunst, das zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Am Ende jubelte Esmeraldas Goias über ein 2:1 gegen UD Ponte Prata - und Trainer Björn Lange konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Das war kein Schönheitspreis, aber ein echtes Herzstück unserer Mentalität." Dabei begann alles gar nicht so grün für die Gastgeber. Ponte Prata, taktisch solide unter Coach Miguel da Costa, übernahm früh die Kontrolle. Mit 56 Prozent Ballbesitz und sicherem Passspiel ließen sie die Esmeraldas laufen, als wäre das Spielfeld eine überdimensionierte Laufbahn. In der 23. Minute zahlte sich das aus: Fabio Telesca flankte punktgenau von rechts, Paulo Yague schraubte sich hoch und köpfte zum 0:1 ein. "Ich hab’s einfach gespürt, das war mein Moment", grinste Yague später - und klopfte sich auf die Brust, als hätte er gerade die Liga gewonnen. Doch die Freude der Gäste hielt nur sieben Minuten. Esmeraldas schlug zurück, und das ausgerechnet durch einen, der normalerweise hinten dichtmacht: Rechtsverteidiger Niko Conrad. Nach feinem Zuspiel von Petar Asparuchow marschierte Conrad die Linie entlang, legte sich den Ball etwas zu weit vor - und drosch ihn trotzdem humorlos in den Winkel. 1:1, und die Arena tobte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Conrad lachend zu, "aber wenn der Ball schon mal richtig liegt ..." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Caio Ramos prüfte den Torwart mehrfach (zwischen der 35. und 54. Minute schoss er gleich fünfmal Richtung Kasten), aber Luca Christ im Ponte-Prata-Tor hielt, was zu halten war. Auf der Gegenseite versuchte Ignacio Gomez, mit feiner Technik die Abwehr zu narren - manchmal erfolgreich, meist nicht. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Gäste-Kapitän Nelson Postiga, der kurz vor der Pause allerdings Gelb sah, nachdem er Asparuchow unsanft gestoppt hatte. "Der war halt schnell. Ich nicht mehr so." Nach der Pause schien Esmeraldas trotz weniger Ballbesitz zunehmend gefährlicher. Coach Lange hatte offenbar die richtigen Worte gefunden, denn seine Elf spielte nun zielstrebiger. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon rennt, dann bitte in Richtung Tor", grinste er später verschmitzt. Und tatsächlich: In der 72. Minute fiel die Entscheidung. Guillermo Perez setzte sich auf der linken Seite durch, legte quer, und Asparuchow vollendete mit stoischer Ruhe zum 2:1. Ein klassischer Stürmertreffer - und der Moment, in dem die Tribünen endgültig explodierten. Von da an wurde verteidigt, was das Zeug hielt. Esmeraldas stellte auf "alle Mann hinten" um, Ponte Prata drückte, aber die klaren Chancen blieben aus. Stattdessen kassierten die Gastgeber noch zwei farbige Erinnerungen an den Kampfgeist: Erst sah Sergi Salvadorez Gelb nach einem rustikalen Einsteigen (80.), dann erwischte es in der 89. Minute Abbas Galili mit Rot - ein übermotiviertes Tackling, das eher an Capoeira erinnerte als an Fußball. "Ein bisschen zu viel Leidenschaft", kommentierte Torwart Karol Demo trocken. "Aber lieber so als gar keine." Statistisch war das Spiel ein Lehrstück in Effizienz: 14 Torschüsse für Esmeraldas, nur sechs für Ponte Prata. Der Ballbesitz sprach zwar für die Gäste, doch die Zweikampfquote (55 Prozent für die Hausherren) verriet, wer den Willen hatte. Nach dem Schlusspfiff fiel Trainer Lange seinem Kapitän in die Arme. "Das war ein Sieg des Glaubens", sagte er später in die Mikrofone. "Und wenn man glaubt, kann man sogar mit zehn Mann ein Spiel zu Ende bringen." Sein Gegenüber da Costa hingegen verzog keine Miene. "Wir haben schön gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", murmelte er - und verschwand in der Kabine, noch bevor die Journalisten ihre Notizblöcke aufschlagen konnten. Fazit: Esmeraldas Goias bleibt das Team der späten Antworten - offensiv, bissig und immer für ein Drama gut. Ponte Prata hingegen wird sich fragen, wie man ein Spiel dominiert und trotzdem verliert. Vielleicht liegt die Antwort in dieser alten Fußballweisheit, die an diesem Abend einmal mehr bestätigt wurde: Ballbesitz schießt keine Tore - aber Niko Conrad schon. 22.02.643987 17:30 |
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Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf. Männer müssen das akzeptieren.
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