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Es war ein lauer Abend in Marilia, an dem 31.865 Zuschauer ihre Mannschaft antrieben, als ginge es um die Meisterschaft. Am Ende stand ein verdientes 2:1 (1:1) für ES Marilia gegen AD Santo Andre - ein Spiel, das mit viel Tempo begann und mit einem erleichterten Aufatmen der Heimfans endete. Schon in der sechsten Minute gab es den ersten Dämpfer für die Gastgeber: Louis Lutz, der bullige Linksaußen von Santo Andre, nutzte eine Unaufmerksamkeit in Marilias Hintermannschaft eiskalt aus. Nach einem herrlichen Querpass von Benjamin Heighway schob Lutz den Ball lässig ins rechte Eck - 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stöhnte Marilia-Verteidiger Silvestre Beto später kleinlaut. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nur drei Minuten später kombinierte sich Marilia durchs Mittelfeld, Predrag Jestrovic spielte einen Pass mit chirurgischer Präzision in den Lauf von Laszlo Tököli - und der Ungar verwandelte trocken zum 1:1. "Das war pure Wut im Schuss", grinste Tököli nach der Partie. "Aber Predrag hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Marilia hatte etwas mehr vom Spiel (52,4 % Ballbesitz), während Santo Andre immer wieder mit langen Bällen auf Lutz und Heighway lauerte. Trainer Alexander Pachmann ließ seine Mannschaft offensiv antreten, doch es fehlte die letzte Durchschlagskraft. "Wir wollten mutig bleiben", erklärte Pachmann. "Aber manchmal ist Mut eben auch Dummheit." Die erste Halbzeit bot Chancen auf beiden Seiten: Lefebvre prüfte Torhüter Caio Santos mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern, während auf der Gegenseite Lutz wieder gefährlich auftauchte. Doch Keeper Didier Boissieu hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich unhaltbar schien. Nach der Pause schien Marilia entschlossener. Guillermo Makukula brachte frischen Schwung über links, und Jestrovic zog immer wieder in die Mitte. In der 56. Minute folgte dann die Szene des Abends: Makukula tankte sich auf seiner Seite durch, legte quer, und Jestrovic zog ab - flach, präzise, unhaltbar. 2:1, das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Jestrovic später mit einem breiten Grinsen. "Ich wusste, wenn ich den Ball richtig treffe, klingelt’s." Trainer Pachmann dagegen schüttelte nur den Kopf: "Wir haben ihm zu viel Platz gelassen. Das war ein Geschenk - und wir sind keine Wohltätigkeitsorganisation." Santo Andre versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Greaves hatte in der 70. Minute die große Chance auf den Ausgleich, verzog aber knapp. Lutz probierte es in der 82. Minute noch einmal mit einem satten Linksschuss - wieder Boissieu, wieder keine Lücke. Marilia hingegen zeigte, dass man auch mit Balance und Geduld ein Spiel gewinnt. 15 Torschüsse standen am Ende auf ihrer Seite, doppelt so viele wie bei den Gästen. Nicht alles war Glanz und Gloria - Lefebvre vergab in der 85. Minute freistehend aus fünf Metern und schlug sich anschließend mit beiden Händen an den Kopf. "Ich wollte es zu schön machen", murmelte er kopfschüttelnd. "Das passiert mir nie wieder - außer vielleicht nächste Woche." Als Schiedsrichter Ribeiro nach 93 Minuten abpfiff, fiel Marilias Trainer erschöpft auf die Bank. Ein breites Lächeln huschte über sein Gesicht, als die Kurve die Mannschaft feierte. "Das war heute Teamgeist pur", sagte er später. "Kein Zauberfußball, aber ehrlicher Fußball - und der schmeckt am besten." AD Santo Andre musste dagegen ohne Punkte die Heimreise antreten. "Wir haben gut begonnen, aber dann den Faden verloren", meinte Kapitän Heighway. "Vielleicht sollten wir mal über Pressing reden - oder über Kaffee vor dem Spiel." So bleibt am Ende ein verdienter Sieg für ES Marilia, der sie in der Tabelle etwas nach oben klettern lässt, und ein frustrierter Gegner, der sich fragt, wie man 47 Prozent Ballbesitz so wirkungslos nutzen kann. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll man Louis Lutz gehört haben, wie er murmelte: "Wenn der Ball einmal nicht reingeht, dann trifft er wenigstens den Pfosten - meine persönliche Statistik." Fußball eben. Ein Spiel mit allem, was dazugehört: frühen Schock, schnelle Antwort, viel Herz - und ein bisschen Chaos. Oder, wie es ein alter Fan auf der Tribüne formulierte: "So spielt kein Tabellenführer, aber so spielt Marilia. Und das ist mir lieber." 08.01.643994 11:52 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack